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Archive for 15. November 2011

Immer wieder, wenn ich beim Einkaufen oder Spazieren gehen Menschen mit kleinen Babys sehe, muss ich einen langen Blick in meinen Buggy werfen. Dann stehe ich einen Moment still, staune, wundere mich und frage mich wieder einmal, wo nur all die Zeit geblieben ist. Wo ist das kleine  Baby geblieben, das mit wachem Blick aus dem Kinderwagen linste? Wo das rundliche kleinen Ding, das abends stundenlang an meiner Brust lag, ab und zu ein Schlückchen trank, im Grunde jedoch nur froh war, bei mir zu sein? Wann ist aus diesem, aus meinem Baby, diese erstaunliche und im wahrsten Wortsinne wunderbare kleine Persönlichkeit geblieben, die mit ihrer Fröhlichkeit, Lebhaftigkeit und ihrem Charme alles ringsherum verzaubert?

In diesen Momenten werde ich ein wenig wehmütig. Weil es mir zu schnell geht. Weil ich all dies eben nicht mehr mit diesem Baby erleben werde. Nicht mehr nachts stillend beieinander liegen. Nicht mehr den allerersten Babygeruch einatmen, der mich als stärkste und fassbarste Erinnerung an mein Kind in den OP begleitete, als ich mein Mädchen keine Stunde nach der Geburt  in Omas Armen zurücklassen musste. Nicht mehr lange Stunden still sitzen und das Wunder in den Armen halten, völlig bezaubert vom Schatten dieser langen, dunklen  Wimpern  im Schein der Adventsbeleuchtung.

Ein großer Teil dieser Wehmut rührt daher, dass ich in solchen Momenten ganz klar spüre, was mir, was uns hier fehlt.  Mir bewusst wird, dass meine Familienplanung ganz und gar nicht abgeschlossen ist. Und ich, in einer anderen Situation, vermutlich schon lange an ein zweites Kind denken würde, vielleicht schon schwanger wäre. Undankbar komme ich mir vor, wenn ich wehmütig in fremde Kinderwagen schaue oder sehnsüchtig die Kugelbäuche schwangerer Frauen betrachte. Denn ich weiß, welches Glück ich habe und wie unendlich dankbar ich dafür sein kann, dass ich jeden Tag die Liebe und Freude spüren darf, die mir dieses Wunder beschert. Und all dies genieße ich auch in vollen Zügen. Trotzdem finde ich es schade, dass es wohl noch einige Jahre dauern wird, ehe ich an ein zweites Kind denken kann und mein Mädchen irgendwann ein Geschwisterchen bekommt- gesetzt den Fall, ich finde einen Partner, mit dem ich mir all das auch vorstellen kann. Wenn nicht, dann waren all diese wunderbaren und manchmal auch bittersüßen Erinnerungen „letzte Male“. Und es fiele mir noch schwerer, ohne Wehmut zurückzublicken.

Doch dann, wenn ich gedankenverloren fremde Babys betrachte, während vor meinem inneren Auge Filme der ersten Wochen und Monate ablaufen, spüre ich ganz plötzlich auch eine gewisse Erleichterung. Und ich kann sagen, dass ich auch froh bin darüber, wie „groß“ mein Mädchen  mittlerweile ist. Darüber, dass wir jene ersten Monate hinter uns gelassen haben. Obwohl ich mich sehr gerne an jene besondere Zeit zurückerinnere und es keinen Tag in unserer gemeinsamen Zeit gibt, den ich missen wollte, bin ich unendlich froh über das, was wir geschafft hatten. Denn trotz allem waren die ersten Monate auch eine wirklich anstrengende Zeit. Eine Zeit des Einfindens in meine neue Rolle; mit Unsicherheiten, ob ich „gut genug“ für dieses kleine Wesen bin; mit Erschöpfung, wenn das Baby wieder stundenlang weinte; mit der Frage, ob die Schreianfälle daher rühren, weil meine Schwangerschaft eben nicht die seifenblasenschmetterlingsfröhliche Zeit war, die man sich so vorstellt und sich all der Stress auf diese Weise auf mein Baby niederschlug. Eine Zeit voll schlafloser Nächte, mit wenig bis keiner Zeit für mich, weil mein Kind bereits mit wenigen Wochen tagsüber kaum schlief und sich im Wachzustand nicht weglegen lassen wollte. Eine Zeit voller wunderbarer neuer Erfahrungen, die dennoch an die Substanz ging. Diese ersten Wochen und Monate werden mir sicher noch ein eigenes Posting wert sein, ehe sie eines Tages von der Erinnerung völlig glattgeschliffen werden.

Im Vergleich zu dieser Zeit jedenfalls spüre ich in den letzten Wochen immer deutlicher, was für ein eingespieltes Team wir beide mittlerweile doch sind. Wir haben unseren gemeinsamen Rhythmus gefunden. Und das ist wunderbar.

Bald hat uns, hat mich der Arbeitsalltag wieder. In drei Monaten werden wir uns wieder neu orientieren müssen. Bis dahin genieße ich noch die Zeit des Ab- und Zugebens und des Treibenlassens mit dir. Einen Alltag, der sich an uns und unseren Bedürfnissen orientiert, uns gemeinsame Mittagsschläfchen und vertrödelte Morgen erlaubt. Drei Monate noch… Dann heißt es einen neuen Rhythmus finden. Und bis dahin… genießen.

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