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Archive for Juli 2012

Was war toll diese Woche? Welche Erlebnisse, egal wie klein oder groß, haben mich glücklich gemacht? Worüber habe ich gelächelt, mit wem gelacht?

Meine Glücksmomente in der KW 30:

… nach einem Ausgehabend bei meinen Eltern zu schlafen, die auf das Olivenkind aufpassten. (was diese vermutlich etwas bereuten, als die Madame gegen halb eins aufwachte, laut Oma? OMA! rief und fortan bis 2.15, als nämlich ich nach Hause kam, im Bett der Großeltern saß und abwechselnd Hallo Kinder; Omaaaa; Ooooopaa und Meine Mamaaaa sang… Bei MIR im Bett kuschelte sie sich dann glücklicherweise nur kurz an und schlief dann ein *chrchrchr*) Mit dreißig bei den Eltern zu übernachten ist toll, weil du dich wieder wie ein Teenager fühlen kannst. Du kannst dein Kind gegen acht Uhr (nachdem es seit sieben neben dir im Bett herumturnt *grrr*) bei den Großeltern im Bett abliefern, selbst bis zehn Uhr ratzen und dann an einen gedeckten Frühstückstisch sitzen. Während deine Eltern nach dem Frühstück mit deinem Kind spazieren gehen, liegst du im Zimmer deiner Schwester faul auf dem Bett und plauderst mit ihr. Und nach dem Spaziergang schnappst du dir dein Kind und ihr macht zwei Stunden Mittagsschlaf, ehe ihr euch an den abermals gedeckten Tisch mit fertig gekochtem Mittagessen setzt. Erholsam wie ein Kurzurlaub! Und dazu ganz viel Familienzeit! Soo schön! (vom Olivenkind war nach dem Wochenende natürlich nur noch Oma? Opa? Tante? zu hören… Mama war da ein eher schwacher Ersatz 😉 )

… ein Kuschelnachmittag mit dem (leider kranken) Olivenkind. Selten und daher umso herzerwärmender.

… ein spontaner Ausgehabend mit der Herzfreundin gestern Abend. Nicht allzulange, aber guuuut für die Seele! Viel Mädchentratsch, schicken Kleidchen und hohen Schuhe und traumhafte Sommertemperaturen… Was will man mehr?

… SOMMER! Endlich blauen Himmel sehen, Sonne auf der Haut spüren, luftige Kleidung tragen, bereits morgens erahnen, wie heiß der Tag werden wird, Eis essen, abends eiskalten Weißwein auf dem Balkon trinken, bei weit geöffnete Balkontüren auf der Couch liegen, laue Abende genießen… Der Sommer ist für mich einfach die allerallerschönste Jahreszeit! ❤

… endlich frei haben! Kein Balancieren zwischen Arbeit, Kita, Kind und Verpflichtung mehr, sondern ganz viele lange Wochen lang wirkliche Freiheit und Freizeit. Ganz viel entspannte Zeit mit dem Olivenkind haben und endlich wieder nach unserem Rhythmus leben, nicht nach Arbeitszeiten und Weckerklingeln. Und, auch nicht zu verachten: durch genial wenige Schließtage (GAR keiner im Sommer!) ganz viele wunderbare freie Vormittage für mich! Eines ist sicher, ich werde sie zu nutzen wissen 😉

… einen ganzen Tag nur für mich! Der heutige Tag gehörte mir ganz alleine. Das Olivenkind ging zum ersten Mal seit Montag wieder in die Kita (und spricht ganz toll das Wort „Kindergarten“ nach, wenn man es ihr sagt <3) und wurde danach von ihrem Vater abgeholt. Das hieß: Bis 18 Uhr nur Zeit für mich! Mit Kaffee und Müsli in der Sonne liegen, mich „bräunen“ (haha…), lesen, Blogs durchstöbern, telefonieren, im Freien essen, Nägel lackieren… ein Traum! Und nach denvollgepackten letzten Wochen wunderbar entspannt.

 

Und ihr so?

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Teja – Teller

Boge – Vogel

Begra – Zebra

Obbela – Hoppla

Jue – Schuhe

Abbige – Aprikose

Guke  – Gurke

Booo – Brot

Goku – Joghurt

Mun – Mund

Age – Auge

Nase

Am – Auf den Arm

And – Hand/ an die Hand nehmen

Ände – Hände waschen

Binde – Windel

Buuu – Buch

Mann

Dande – Tante

Onge – Onkel

Lume – Blume

malen

danden – tanzen

Doooe – (Brot-)Dose

Schönste Weiterentwicklung im Wortschatz:

Meine Mama.

♥♥♥

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Was war toll diese Woche? Welche Erlebnisse, egal wie klein oder groß, haben mich glücklich gemacht? Worüber habe ich gelächelt, mit wem gelacht?

Meine Glücksmomente in der KW 28:

… ein paar Stündchen mit der besten Freundin beim Nachtshopping am Freitagabend. FREIHEIT!!

… zwar nicht so ganz im üblichen Rhythmus, trotzdem schön: jeden Abend ein waches Olivenkind mit ins Bett zu nehmen. Da die Zahnungsmaus in dieser Woche jeden Abend zwischen zehn und elf aufwachte und nicht mehr in ihrem Bett einschlafen konnte, kam sie immer wach mit mir ins Bett. Teilweise auch vorher ins Bad, zum Zähneputzen, schaute mir (äußerst amüsiert) beim Duschen zu und wartete ganz geduldig, bis ich bettfertig war und mich mit ihr hinlegen konnte. Unbezahlbar übrigens der Anblick, wie das Mäuschen mit ihrem Schmuseschaf im Arm ins Wohnzimmer oder Bad tappst, weil Mama nicht sofort ins große Bett kommt, winkt und grinsend „Allo“ sagt. Hachz!

… lange mit der Lieblingskollegin telefoniert und wieder einmal festgestellt, mit welch tollen Menschen ich doch zusammen arbeiten darf.

… einen Nachmittag mit dem Olivenkind komplett zuhause zu verbringen und ganz viel Spaß miteinander zu haben- zur Kinderlieder-CD tanzen, mit Bauklötzen spielen, viiiiiiiile Bilderbücher anschauen… toll!

… an einem langen Arbeitsmittag festgestellt, dass es ein gutes Gefühl ist, dabei zu sein, wenn etwas Wichtiges und Sinnvolles entschieden wird.

… die wachsende Vorfreude auf das neue Autochen gespürt… noch einmal schlafen… ❤

… Herzklopfen gehabt. Nicht zielführend, aber trotzdem schön.

… endlich bequeme (!!!!!)  und schöne schwarze Pumps gefunden, direkt geschnappt und bis zur Kasse mit meinem Leben bewacht. (weil nur noch einmal in meiner Größe da…) Aber: Ende gut, alles gut, die Herzchen sind sicher und wohlbehalten in meinem Schuhschrank eingezogen. Juchhu! ❤

… mich an den Sprachfortschritten der Maus erfreut und mich über einige Wörter sehr amüsiert (errät einer, was sie damit meint?):

♥ Boge

♥ Begra

♥ Obbela

♥ Jue

… endlich mein Sportprogramm in Angriff genommen und festgestellt, dass die Intensive Yoga-DVD eine geniale Investition war- wunderschöne Bilder, tolle Übungen und ein anstrengendes, aber durchaus wohltuendes Training. Und: Muskelkatern in allen Körperpartien, auf die es ankommt. Ich freu´ mich schon auf´s nächste Mal!

Das waren ein paar der Glücksmomente meiner Woche! Und bei euch so?

 

 

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Die erste halbe Stunde mit dir ist in meiner Erinnerung etwas verschwommen. In erster Linie liegt das sicher daran, dass ich einfach so überwältigt war. Überwältigt von dir, deinem Duft, davon, deinen kleinen Körper in meinen Armen zu halten. Deine Oma und ich, wir waren hingerissen und wir bestaunten dich kleines Wunder voller Liebe.

Nach einer Weile gab mir deine Oma das Handy und ich rief deinen Vater an, um ihm die Nachricht zu verkünden. „Wie kann das denn sein? Du hast doch erst vor zwei Stunden gesagt, dass ihr ins Krankenhaus fahrt?“ – „Tja, die Kleine hatte es wohl eilig.“

Die Ärztin fragte mich nach einigen Minuten, wie du denn heißen solltest. Ich habe keine Ahnung, war meine Antwort. Etwas entgeistert sah sie mich an, aber für diese Entscheidung musste ich dich erst noch ein wenig ansehen und entscheiden, welcher der beiden Namen, die meine Favoriten für dich waren, denn besser zu dir passte. Und schließlich, nach kurzer Rücksprache mit deiner Oma, war klar, welcher Name der deinige sein würde. Und er passt noch besser zu dir, als ich mir hätte träumen lassen.

Während ich dich noch im Arm hielt, wurde es um uns herum geschäftig. Ein Medikament zur Lösung der Plazenta wurde gespritzt, weil sich diese noch nicht gelöst hatte. Akkupunkturnadeln wurden gesetzt. All das bekam ich nur am Rande mit, denn meine Welt drehte sich nur um dich. Nach einer Weile spürte ich jedoch, wie die Atmosphäre um uns herum aufgeregter und hektischer wurde. Und ich selbst begann, unruhig zu werden. Ich hatte den Eindruck, noch immer viel Blut zu verlieren, es fühlte sich an, als fließe es nur so aus mir heraus. Als ich ängstlich nachfragte, sagte man mir, dass die Toleranzzeit, die man warten könne, bis die Plazenta sich löse, langsam zu Ende ginge. Wenn sich nicht schnell etwas täte, müsse man operieren.

Tja, leider tat sich nichts. Und so musste ich dich gerade dreißig Minuten, nachdem ich dich zur Welt gebracht hatte, in die Arme deiner Oma legen und wurde davongeschoben. Man werde mir eine kurze Narkose geben, so dass ich in etwa zwei Stunden wieder bei dir sein könne. Die Geburtsverletzungen werde man direkt unter der Vollnarkose mit vernähen. (immerhin, wenigstens das würde mir erspart bleiben) Auf dem Weg in den OP war ich schon nicht mehr ganz bei mir. Ich nehme an, die Mischung aus starkem Blutverlust und dem Adrenalinabfall nach der Geburt, hatte mich völlig außer Gefecht gesetzt. Ich erinnere mich daran, wie ich überrascht feststellte, dass meine Hände noch voller Käseschmiere von deinem Rücken waren. Mein ganzer Kopf war erfüllt von Erinnerungen an deinen Babyduft und an das Gefühl, dich im Arm zu halten. Im Laufen klärte man mich über die Risiken der OP auf und ich musste die Einverständniserklärung unterschreiben. Wie bescheuert, dachte ich noch, schließlich hab ich keine Wahl. Vielleicht habe ich es auch laut gesagt.

Das letzte, das ich vor der Narkose denken konnte, war ein kurzes Gebet, in dem ich darum bat, die Operation gut zu überstehen und zu meinem Mädchen zurückkehren zu dürfen.

Als ich mit dir schwanger war, hatte ich ein Ritual, das ich jeden Abend vor dem Schlafengehen pflegte. Ich lag auf meinem Bett, cremte den Bauch ein, spürte, wie du dich bewegtest und ich erzählte dir etwas. Und jedesmal sagte ich dir die selben Dinge. Jeden Abemd. Ich erzählte dir, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis wir uns sehen würden. Dass die Geburt sicherlich für uns beide anstrengend und stressig würde, aber sie würde sich lohnen. Denn ich würde da sein, um dich in Empfang zu nehmen. Und ich würde dich beschützen, lieben und nicht mehr alleine lassen, wenn du erst mal bei mir wärst. Und nun musste ich dieses Versprechen brechen und dich 30 Minuten nach der Geburt bei Oma zurücklassen. Ich weiß, es gibt Schlimmeres, aber es tut dennoch weh. Diese ersten Stunden hätten uns beiden gehört.

Woran ich mich als nächstes erinnere, ist wie ein Alptraum. Ich kam zu mir, als ich durch den Flur zurück in den Kreißsaal geschoben wurde. So stelle ich mir einen schrecklichen Drogentrip vor. Ich sah die Wände auf mich zukommen, verschwimmen und wieder verschwinden. Ich hatte panische Angst, ohne dabei einen klaren Gedanken fassen zu können. Zwischendurch erschien ein Bild vor meinem Auge und verschwand wieder. Ich meinte, dich in den Armen deines Vaters gesehen zu haben, konnte das Bild jedoch nicht greifen. Es dauerte Stunden, bis ich zu mir kaum. Ich hatte Schüttelfrost und furchtbare Schmerzen von der Ausschabung, die ich in meinem weggetretenen Zustand nicht begreifen konnte. Selbst manuell hatte sich die Plazenta kaum lösen lassen, war innerlich festgewachsen. Die Ärztin hatte sich auf meinen Bauch werfen müssen, um sie lösen zu können. Ich übergab mich. Ich weinte. Meine Mutter war bei mir, wischte mir die Stirn und holte mir eine Schale, als mir schlecht wurde. Als dein Vater in den Kreißsaal kam, muss ich geschrien haben „Er soll raus gehen!“. Selbst in diesem Zustand versuchte ich, mich zu schützen vor Menschen, denen ich nicht vertraute. Er blieb draußen und hielt dich. Ich muss wirklich in einem schlimmen Zustand gewesen sein, denn ich erinnere mich, dass er später kurz an meinem Bett saß und meine Hand hielt. Meine Mutter erzählte mir später, dass er ankam, als ich im OP war. Er betrat den Kreißsaal und war schockiert, weil der ganze Raum ein einziges Blutbad war. Da sich alle um mich hatten kümmern müssen, war keine Zeit geblieben, irgendetwas wegzuräumen. Selbst deine Untersuchungen hatten warten müssen. Als er ein Tuch suchte, um dir die Händchen abzuwischen, fand er die Nabelschnur, die in einer Schale lag. Überall Blut, überall Dinge, die zeigten, was in den letzten Stunden hier geschehen war. Eine Geburt. Ein Naturereignis. Nicht vorstellbar, wenn man sie nicht miterlebt hat.

Es dauerte bis 5 Uhr, bis ich dich wieder bei mir haben durfte. Bis ich soweit bei mir war, dass man dich mir anvertrauen konnte. Laura hatte alle nach Hause geschickt, um zu schlafen. Sie legte dich mir auf die Brust und so lagen wir die nächsten Stunden beieinander. Noch heute fühle ich mich dir so am nächsten. Nachts oder morgens kletterst du manchmal auf mich, um den Kopf auf meine Brust zu legen. In den ersten Tagen im Krankenhaus und später zuhause sah man uns fast nur so. Dein Kopf auf meinem Herzen, ganz nah beieinander.

Gegen sieben Uhr fragte ich Laura, wann du denn genau geboren seist und wie deine Maße seien. All dies hatte ich überhaupt nicht mitbekommen, zumal du erst gewogen und gemessen wurdest, als ich im OP war. Es war 7.20, als ich meinen Freunden eine SMS schickte, in der ich von deiner Ankunft berichtete. Zwei meiner Freundinnen mussten auf dem Weg zur Arbeit anhalten, weil sie weinen mussten, als sie von deiner Geburt hörten.Alle freuten sich mit uns.

Und langsam konnte ich es auch fassen. Konnte begreifen, dass ich mein Bauchbaby, mein kleines Wunder gesund in den Armen hielt. Angekommen, wir beide.

Endlich warst du da, mein Mädchen. In meinen Armen, in meinem Leben.

Ich liebe dich. Deine Mama.

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Während der Autofahrt rief ich im Kreißsaal an, um uns schon mal voranzumelden und erklärte, dass wir in der nächste Viertelstunde ankommen würden.Zum Glück dauerte die Fahrt von meiner Wohnung zum Krankenhaus unter normalen Umständen nur 5-7 Minuten, so dass wir trotz des Schnees nicht allzulange brauchen würden.

„Wann kommt eigentlich der Zeitpunkt, an dem du Witze machst und mich ein bisschen zum Lachen bringst, wie wir das eigentlich ausgemacht hatten? Nachdem du schon kein Sturm der Liebe mit mir schauen wolltestr?“ fragte ich meine Mutter im Auto. „Bisher musste ich alle Witze selber machen!“ – „Sobald ich weiß, dass wir die Kleine nicht im Auto entbinden müssen, kann ich wieder Witze machen. Aber bis wir im Krankenhaus sind, stehe ich LEICHT unter Strom!!“ Na gut, eben keine Witze unterwegs.

Als wir am Krankenhaus ankamen, hatten die Wehen ein neues Level erreicht. Waren sie zuhause zwar schmerzhaft, aber trotz allem noch aushaltbar gewesen, begann ich nun, jede neue Wehe zu fürchtem, denn ich hatte Angst, es rein kräftemäßig nicht mehr in den Kreißsaal zu schaffen. Wir hielten auf einem der Notfallparkplätze vor dem Krankenhaus und gingen ohne mich anzumelden direkt zu den Fahrstühlen. Vor dem Fahrstuhl kam eine Wehe, die ich kaum veratmen konnte und die uns zeigte, dass es nun wirklich Zeit wurde, oben anzukommen. Am Kreißsaal klingelten wir und nach kurzer Wartezeit streckte eine junge Hebamme den Kopf heraus. „Hallo! Wir haben telefoniert? Können Sie noch ganz kurz warten? Wir sind hier mitten in der heißen Phase unter der Geburt!“ – „NEIN!“, presste ich heraus, während mich die nächste Wehe erwischte. „Okay, einen Moment, ich hole eine Ärztin!“

Wir wurden in ein Untersuchungszimmer geführt, in dem ich bereits zur Akkupunktur gewesen war und eine junge Ärztin, an die ich mich noch vom Infoabend erinnerte, kam herein und fragte, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie mich jetzt untersuchen würde. Klar. Mit Hilfe meiner Mutter legte ich mich hin und zog meine Hose aus, was durch die wirklich schmerzhaften Wehen schwer fiel.

Als ich auf der Untersuchungsliege lag, und die Beine aufstellen musste, merkte ich erst, dass meine Beine so sehr zitterten, dass sie gegeneinander schlugen, Ich schaffte es kaum, sie stillzuhalten. Die Hormone und die Anstrengung, erklärte mir die Ärztin. „Ich möchte eine PDA!“ sagte ich nach einer Wehe. „Ich möchte sofort eine PDA, bitte!“ -„Ich untersuche sie erstmal, dann sehen wir weiter.“ Während die Ärztin das CTG anschloss und mit der Untersuchung begann, erkundigte sie sich, wieso wir nicht schon früher gekommen wären, wo ich doch offensichtlich wirklich starke Wehen hatte. Ich erklärte ihr, dass ich keine Lust hatte, zu den Frauen zu gehören, die mit einem Lächeln und den Worten „Kommen Sie wieder, wenn sie richtige Wehen haben!“ nach Hause geschickt werden. „Ich wollte kein Jammerlappen sein!“ Die Ärztin untersuchte mich. „Also, ein Jammerlappen sind sie nicht und nach Hause geschickt hätten wir sie auf keinen Fall, Frau …. Der Muttermund ist bei 8 cm, das heißt, sie haben die Eröffnungsphase schon fast vollständig geschafft!“ Meine Mutter war fassungslos: „8 cm??? Du bist kein Jammerlappen, du bist eine Heldin!“ Sie hatte glasige Augen und drückte meine Hand ganz fest.

Was mich jedoch am meisten beschäftigte, war die PDA. „Sagen Sie´s nicht,“ sagte ich leicht agresssiv zur Ärztin, „es ist zu spät für eine PDA, oder? Ich seh es ihnen am Gesichtsausdruck an!“ – „Ganz ehrlich, Frau …, eine PDA macht keinen Sinn mehr! Wir sind hier kurz vor der Austreibungsphase und eine PDA würde alles nur verzögern! Und die Hormone, die sie gerade produzieren, sind super für ihr Baby! Bei einer PDA würden diese Hormone nicht mehr ausgeschüttet und das Kind hätte viel mehr Stress. Und außerdem haben Sie es so bald geschafft!“ – „Was heißt bald?“ – „Hm, also heute schaffen wir es wohl nicht mehr, aber ich denke, in den nächsten Stunden halten sie ihr Baby in den Armen!“ Es war 22.40. Wenige Stunden? Unglaublich. Ich spürte, wie mich die Aufregung erfasste. In wenigen Stunden würde ich dich kennenlernen. Ich konnte es kaum erwarten.

Dr. E. fragte mich, ob ich einen bestimmten Wunsch habe, in welchem Kreißsaal ich entbinden wolle. Das hatte ich tatsächlich und ich fragte, ob der letzte Kreißsaal noch frei sei. Ich hatte Glück, der Kreißsaal war nicht belegt. Von der Akkupunktur her kannte ich diesen Raum und ich hatte ihn als wunderschön und sehr beruhigend in Erinnerung. Er war mit einer Wanne ausgestattet, hatte einen Sternenhimmel aus lauter kleinen Leuchtspots an der Decke und war mit Blumen und Ranken im Urwaldstil gestaltet. Als wir hinüberkamen, wollte ich mich direkt auf das Kreißsaalbett legen. Ich habe öfter von Frauen gehört, die keineswegs im Liegen entbinden wollten, aber mir fehlte für alles andere die Kraft. Ich war so erschöpft, dass ich nur liegen konnte. Dr. E. versuchte das Kreißsaalbett herunterzufahren, doch aus irgendeinem Grund funktionierte es nicht. Meine Mutter grinste mir verschwörerisch zu, denn beim Infoabend damals hatte bei Dr. E. auch der Beamer nicht funktioniert „Jaja, mal wieder die Technik“, flüsterte sie. Ich kletterte also mit vereinten Kräften der Ärztin und meiner Mutter auf das Kreißsaalbett. Nebenan konnte man hören, dass die Entbindung in die letzte Runde ging. Ich konnte eine Frau schreien hören. Die hat es bald geschafft, dachte ich. Immer wieder hatte ich Wehen, die ungeheuer schmerzhaft waren.

„Wollen sie denn noch baden? Die Zeit würde sicher reichen, ihnen ein Bad einzulassen!“ Es war komisch, eigentlich hatte ich immer gedacht, gerne in der Wanne entbinden zu wollen, aber die Vorstellung, jetzt im warmen Wasser liegen zu müssen, war mir unerträglich und ich verneinte. Ich spürte einen starken Druck auf meiner Blase und kündigte an, auf die Toilette gehen zu wollen. „Sind sie sicher? Manchmal fühlt es sich auch nur so an, wenn das Kind nach unten drückt!“ -„Ich will JETZT auf die Toilette!“ – die Wehen machten mich wenig diplomatisch, so dass alles eher schroff über meine Lippen kam. Aber ermutlich sind Ärzte und Hebammen daran gewöhnt. Meine Mutter und die Ärztin begleiteten mich zur Toilette und die Ärztin erklärte, die Türe müsse aus Sicherheitsgründen offen bleiben. Meine Mutter kam mit hinein und ich hatte panische Angst, auf der Toilette eine Wehe zu bekommen und diese im Sitzen oder Stehen aushalten zu müssen. Nachdem ich meine Blase entleert hatte, rollte die nächste, unglaublich starke Wehe über mich hinweg. Ich schleppte mich zurück zum Kreißsaalbett und schaffte es erneut irgendwie, mich hinaufzuhiefen.

Die folgenden Erinnerungen unterscheiden sich seltsamerweise zeitlich stark von dem Geburtsbericht, den ich im Nachhinein aus dem Krankenhaus angefordert hatte. Laut Bericht setzten die Presswehen erst gegen 0 Uhr ein und ich hatte auch nur sehr wenige Presswehen. Dies stimmt überhaupt nicht mit meiner Erinnerung überein, nach der ich bereits kurz nach diesem Toilettengang die ersten Presswehen hatte und nach der sich die Presswehenphase wirklich lange hinzog. Da auch einige andere Angaben im Geburtsprotokoll zeitlich einfach nicht möglich sind, nehme ich an, dass die Zeiten nachträglich von der Hebamme eingetragen wurden und daher nicht mit den tatsächlichen Zeiten übereinstimmen.

Als ich wieder auf dem Kreißsaalbett lag, spürte ich, dass die Wehen eine neue Dimension erreicht hatten. Ich war völlig überwältigt und überrascht von dem Schmerz, den ich empfand. So etwas hatte ich noch nie, niemals erlebt. Es war nicht nur so, dass dieser Schmerz stärker war als alles, was ich kannte, es war schlicht und einfach nicht aushaltbar. Es fühlte sich an, als würde es mich umbringen und ich wusste, ich würde diese Wehen nicht eine Minute länger aushalten. Ich kann das nicht! Schneiden sie sie raus! Wir machen einen Kaiserschnitt, ja? Die Ärztin lächelte. Wir machen jetzt keinen Kaiserschnitt, Frau…. Das schaffen sie! Nicht mehr lange und sie haben ihr Baby! Im Nebenraum hörte ich die Frau noch einmal schreien und wenig später ertönte Babygeschrei. Neid durchzuckte mich. Die hat es geschafft, die Glückliche… Wenn ich nur auch soweit wäre, ging es mir durch den Kopf.

Es muss einen Wechsel zwischen Dr. E. und Laura, der Hebamme gegeben haben. Laura fragte mich, ob es in Ordnung für mich sei, wenn wir uns duzen würden. Ich musste grinsen bei der Vorstellung, mir könne das „Du“ einer Frau, die eine derart intime Erfahrung miterleben würde, irgendwie unangenehm sein. Gerne, sagte ich. Bei der nächsten Wehe spürte ich auf einmal einen unbändigen Drang, zu pressen. Da ich bereits gelesen hatte, dass man nicht immer gleich mitpressen dürfe, fragte ich, panisch, weil das Pressbedürfnis so stark war, ob ich mitpressen dürfe. „Darf ich pressen, ja?“ – Laura schaute nach und erklärte, bei der nächsten Wehe dürfe ich mitpressen. Ich erinnerte mich an Gespräche mit Freundinnen, die erzählt hatte, aus Angst vor den Schmerzen nur leicht gepresst zu haben. Das würde mir nicht passieren. Ich wollte so stark wie möglich pressen, um so schnell wir möglich FERTIG zu sein. Um diese grauenhaften Schmerzen zu überstehen und endlich mein Baby bei mir zu haben. Also presste ich. Ich legte all meine Kraft hinein und ich presste wie eine Wahnsinnige. Ich schwitzte wie verrückt. Mit war unendlich warm, die Sweatjacke hatte ich längst ausgezogen.

In jeder Wehenpause reichte mir meine Mutter Wasser, ohne dass ich einmal darum bitten musste. Sie wusste immer, was ich brauchte, wo sie zu stehen und wie sie meine Hand zu halten oder mich anzufassen hatte. Obwohl ich ein sehr körperbetonter Mensch bin, konnte ich während der Wehen manche Berührungen nicht ertragen. Als Dr. E. später einmal mein Bein streichelte, brüllte ich „Finger weg!“ (normalerweise nicht mein Umgangston…), weil mir die Berührung unerträglich war.

Ich tönte während der Wehen. Einmal schrie ich laut, woraufhin mir die Hebamme erklärte, es sei besser, wenn ich diese Energie spare und mich darauf konzentrierte, beim Pressen mitzutönen. Die Wehenpausen waren immer wieder eine Erlösung für mich. Doch dann spürte ich wieder, wie die Wehe heranrollte. Wie große Wellen, die über mich heranbrachen, konnte ich sie von fern erahnen und rasend schnell schlugen sie über mir zusammen. Wie ein ferner Regelschmerz kündigten sie sich an, ehe sie als körperzerreißende Schmerzen über mir zusammenbrachen. Es geht weiter, kündigte ich jedesmal an, woraufhin sich alle wieder in Position brachten, um mir beizustehen und mich anzufeuern. „Los, Frau …, press! Du musst pressen!!!“ brüllte Dr. E. Und bei jeder Wehe presste ich wie wahnsinnig, immer die Hoffnung im Hinterkopf, gleich die erlösenden Worte „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören. Irgendwann rief die Hebamme: „Wir können schon das Köpfchen sehen, die Kleine hat ganz viele dunkle Haare!“ Das sagen sie sicher jeder Frau, um sie bei der Stange zu halten, dachte ich pessimistisch. Ich konnte nicht mehr. Die Presswehen schienen sich ewig hinzuziehen und ich hatte das Gefühl, als ginge nichts voran. Ich war völlig entkräftet und wusste nicht, wie lange ich das noch durchhalten würde. Ich hatte eigentlich erwartet, bei den Presswehen schreien oder schimpfen zu wollen, statt dessen tönte ich immer nur und versuchte, nicht in die Hechelatmung zu verfallen, das diese nicht so gut für das Baby sei, wie mir Laura gesagt hatte. Versuch, tief zu atmen. Gib deinem Baby Sauerstoff, ihr braucht ihn beide. Einzig einmal, bei einer wirklich unerträglichen Wehe, fluchte ich laut: „Fuck!!“ Meine Mutter, die nach eigenen Angaben bei jeder Geburt geschimpft hatte wie ein Rohrspatz, war lustigerweise ganz erschrocken über diesen Ausbruch.

Die Fruchtblase, die nach Angabe Lauras die ganze Zeit zum Zerreißen gespannt war, platzte bei einer der nächsten Presswehen. Ich spürte eine gewisse Erleichterung, während das Fruchtwasser in einem Schwall aus mir herauslief.  Jetzt würde es hoffentlich vorangehen.

„Nur noch ein paar Presswehen und du hast es geschafft“, rief Laura irgendwann enthusiastisch. „EIN PAAR??? Noch so lange???“, fragte ich entsetzt. Laura war überrascht. Sie hatte erwartet, dass mich diese Aussicht erleichtern würde. Statt dessen hatte ich das Gefühl, noch ewig so weitermachen zu müssen.

Zwischenzeitlich hatte ich eine ungewöhnlich lange Wehenpause. Ich war unendlich dankbar über diese Erholungspause und kostete diese Möglichkeit, kurz zum mir zu kommen redlich aus. Mama war jedoch besorgt. Das fauert so lange! Was ist mit dem Baby? Doch dem Olivenkind ging es gut und die Herztöne waren in Ordnung.

Irgendwann verließ Frau Dr. E. den Raum. „Weißt du, was Dr. E. jetzt macht?“, fragte mich Laura. „Sie ruft jetzt Prof. W. an. Der möchte nämlich dabei sein, wenn deine Kleine zur Welt kommt. Das heißt, du hast es bald geschafft! Du bist fast soweit!“ Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Prof. W. langsam aus dem Bett stieg, sich anzog, ins Auto stieg und gemächlich zum Krankenhaus tuckerte. Und so lange würde ich noch warten müssen? Enthusiasmus sah anders aus…  Doch schon ging es  weiter.

Wieder pressen, Frau Dr. E. war zurück. „Ok, Frau …, wir haben ein Problem. Die Kleine stößt immer wieder mit dem Kopfchen an und es geht hier nicht weiter. Damit sie besser durchkommt und alles etwas schneller geht, werde ich jetzt..“ -„MACHEN SIE ES EINFACH! Ich will es nicht WISSEN!!!“ stieß ich hervor. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten sie uns gesagt, der Dammschnitt werde, wenn er denn nötig sei, ohne Vorankündigung durchgeführt, dann spüre man ihn kaum während der Wehe. Nun, ich spürte ihn. Ich hörte das Knacken und spürte das Blut und den Schmerz. Und dann ging es auch schon wieder weiter. Pressen, pressen.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die erlösenden Worte: „Jetzt nicht pressen, warten, warten… Und jetzt schieb! Das Köpfchen kommt!“

Ich presste erneut wie eine Wilde, mit aller verbleibenden Kraft und dein Köpfchen wurde geboren. Eine Freundin hatte mich vorgewarnt, dass Babys oft erst blau werden und nicht gleich zu atmen beginnen. Die Sorge war unbegründet. Noch ehe dein restlicher Körper geboren war, begannst du zu schreien. Mein wildes kleines Mädchen.

Mit der nächsten Wehe kam dann um 00:38 auch der restliche Körper. Man fragte mich, ob ich dich selbst hochnehmen wolle und ich bat darum, mir dich auf den Bauch zu legen. Ich zog mein Top herunter, um dich ganz nahe bei mir zu haben und dann lagst du da. Mit wachen, großen Augen und seidigem schwarzem Haar. Du warst perfekt. Das schönste, wundervollste Gefühl der Welt.

Ein wunderschönes Gesicht, ein kleines rotes Mündchen. Und, die eindrücklichste Erfahrung: dein zarter, babyweicher Rücken unter meinen Händen. Die winzigen perfekten Wirbel und deine Schulterblätter. Ein echter, neuer Mensch. Weicher Babyflaum auf deinen Schultern, Käseschmiere an deinem Rücken und meinen Händen .

00: 38 geboren, gerade mal zwei Stunden nach unserer Ankunft im Krankenhaus. 53 cm groß und 3310g schwer. Mein Wunder. Mein Bauchbaby.

Mein pures Glück.

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Es war der zweite Dezember 2010. Ein kalter, verschneiter Donnerstag.

Morgens hatte ich einen Frauenarzttermin und ich war gespannt, was meine Ärztin mir wohl sagen würde. Ob sich der Gebärmutterhals wohl schon etwas verkürzt hätte? Der Muttermund gar geöffnet? Wehen auf dem CTG? Vielleicht könnte sie mir ja zumindest eine Vermutung mitteilen, ob du tatsächlich die ganze Woche bis zum ausgerechneten Termin am 10.12. in meinem Bauch bleiben würdest. Der Termin zeigte, dass alles völlig in Ordnung und unauffällig war. Keine Wehentätigkeit auf dem CTG sichtbar und auch sonst keinerlei Anzeichen dafür, dass du dich in absehbarer Zeit auf den Weg in meine Arme machen würdest. Ich war ein wenig enttäuscht, aber hatte eigentlich auch nicht wirklich mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Auf meine Frage hin, ob sie glaube, dass du bis zum Termin warten würdest, sagte meine Ärztin, sie wisse es nicht. Du seist auf jeden Fall in Startposition, wie lange du in dieser Position jedoch ausharren würdest, könne sie nicht sagen. Zur Sicherheit gebe sie mir einen Termin für nächsten Freitag, den ausgerechneten Geburtstermin.

Auf dem Rückweg fuhr ich am Supermarkt vorbei und machte einen Großeinkauf mit TK-Gemüse, -Fisch, ein paar Pizzen und sonstigen Grundnahrungsmitteln. Ich hatte zwar ein paar Dinge für´s Wochenbett vorgekocht und eingefroren, allzuweit würde ich damit jedoch nicht kommen und um ein paar Tiefkühlvorräte für den Notfall wäre ich vielleicht noch froh.

Als ich alles in den dritten Stock geschleppt und verstaut hatte, klingelte es auch schon an der Türe und eine alte Schulfreundin schaute mit ihrem Sohn herein, um mir noch ein paar Babykleider ihrer Tochter vorbeizubringen. Wir plauderten ein Weilchen, ich erzählte ihr von meinen Übungswehen, die ich schon seit Wochen immer wieder hatte und wir spekulierten gemeinsam ein wenig darüber, wann du wohl schlüpfen würdest. Als sie sich auf den Nachhauseweg machte, aß ich eine Kleinigkeit und legte mich anschließend auf die Couch, um ein wenig auszuruhen. Eigentlich war der Wohnungsputz an diesem Tag fällig, aber ich fühlte mich lustlos und unmotiviert, so dass ich beschloss, das auf den nächsten Tag zu verschieben. Weil ich auch für den Mittagsschlaf zu unruhig war, rief ich meine Mutter an und verabredete mich mit ihr zu einem Spaziergang, wie wir das in der Schwangerschaft und besonders den letzten Wochen sehr oft gemacht hatten. Dick eingepackt liefen wir mit dem Hund meiner Eltern los. Unser erster Weg führte uns in die Innenstadt, wo wir ein Kabel für den Leuchtstern kauften, den ich als Adventsdekoration für mein Wohnzimmerfenster besorgt hatte. Die Vorstellung, dass DU, dass mein Baby bald die Adventszeit gemeinsam mit mir verbringen würde, war immer noch unglaublich für mich. Nachdem wir alle Besorgungen erledigt hatten, machten uns auf den Weg zu unseren üblichen Spaziergangsroute in Richtung Tierheim und wie bei all unseren Spaziergängen redeten wir viel. Über dich, über die Zukunft und die Vergangenheit, über deine Geburt. Das Spazierengehen war anstrengend, weil alles voll Schnee war und gerade im Schlossgarten mussten wir oftmals durch tief verschneinte Wege waten. Ich spürte, wie mein Bauch immer wieder hart wurde und musste oft stehenbleiben, weil ich keine Puste mehr hatte und warten musste, bis der Bauch wieder weich war. Übungswehen, wieder einmal. „Ich hoffe, wenn es dann wirklich losgeht, geht es umso schneller, so oft wie hier geübt wird!“, sagte ich scherzend zu meiner Mutter. Lustigerweise kamen die Übungswehen, obwohl völlig schmerzfrei, tatsächlich recht rhythmisch in 5 Minuten Abständen. Vielleicht geht es ja doch bald los, hofften wir gemeinsam.

Nach dem Spaziergang ging ich mit zu meinen Eltern und beschloss, noch ein Weilchen zu bleiben. Gemeinsam mit ihnen, meiner Schwester und ihrem Freund saß ich also später beim Abendessen, das es an diesem Tag schon recht früh gab, weil meine Eltern für den Abend Theaterkarten hatten. Es gab Kartoffeln, Lauch und Fleischküchle. Durch den Spaziergang war ich ausgehungert und langte entsprechend zu. Zwei große Portionen und noch ein paarmal mit der Gabel in die Pfanne gepiekt. „Lasst mich den Rest essen, vielleicht hab ich heute Nacht noch etwas Größeres vor“, sagte ich scherzhaft zum Rest der Familie, die sich wieder einmal über meinen gesunden Appetit amüsierte. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt bereits etwas seltsam, ohne wirklich sagen zu können, was los war. Und obwohl ich Scherze darüber machte, glaubte ich nicht daran, in dieser Nacht tatsächlich mein Baby zu bekommen. Meine Mutter war besorgt, weil sie an diesem Abend nicht so gut über Handy zu erreichen sein würde. „Im Theater höre ich es, aber beim Essengehen ist der Empfang schlecht, also speicher dir bitte die Nummer des Restaurants ab, damit du mich in jedem Fall erreichst!“- ich grinste. „Wenn irgendetwas sein sollte, dann melde ich mich!“, versprach ich.

Gegen viertel vor sieben machte ich mich auf den Weg nach Hause. Immer wieder spürte ich, dass irgendetwas mit mir anders als sonst war. Mein Bauch fühlte sich merkwürdig an, ohne dass ich genau hätte sagen können, was genau gerade passierte.

Da es draußen eiskalt war, entschloss ich mich, gleich in die Badewanne zu gehen. Falls das, was hier gerade geschah, tatsächlich zu Wehen werden sollte, dann wäre die Badewanne ein guter Weg, das herauszufinden. Wie so oft in dieser Schwangerschaft ließ ich mir also Badewasser ein und hiefte meinen schwangeren Körper mit dem Riesenbauch ins warme Wasser. In der Wanne las ich eine SMS der besten Freundin, die mir Grüße vom Weihnachtsmarkt in unserem Städtchen schickte. Es sei eiskalt, schrieb sie, und sie sei schon ein wenig angeschickert vom Glühwein. Ich schickte ihr eine SMS zurück, in der ich zugab, sie ein wenig zu beneiden und ihr viel Spaß wünschte. Ich erzählte, dass sich das hier gerade ein wenig nach Wehen anfühle. Drück mir die Daumen, dass es kein falscher Alarm ist, schrieb ich ihr. Vielleicht ist das dein letzter Tag ohne Baby, hatte sie mir am Morgen noch geschrieben. Verrückt. Einfach unglaublich.

Noch ehe ich aus der Wanne stieg, war das undefinierbare Empfinden sehr stark in Richtung „das sind Schmerzen“ gegangen. Allerdings war es völlig anders als alles, was ich darüber gelesen hatte. Die Abstände schienen völlig willkürlich zu sein, mal zehn Minuten, dann plötzlich zwei und dann 7. Und auch die Länge dieser Wehen (WEHEN??? WEHEN!!!) war unterschiedlich. Merkwürdig. Während ich begann, meine Haare zu föhnen, musste ich beginnen, Pausen einzulegen, in denen ich die Wehen veratmete. Als ich (nach gefühlten Stunden, da ich ständig Pausen zum Veratmen machen musste) die Haare geföhnt hatte, zog ich meinen Schlafanzug an, denn ich glaubte immer noch nicht, dass es wirklich losgehen würde.

Im Nachhinein denke ich, dass mich die Wehenhormone da ein geistig ein wenig außer Gefecht gesetzt hatten. Was sollten periodisch wiederkehrende Schmerzen in der Woche vorm Geburtstermin wohl anderes bedeuten? Aber es war alles neu und ich hatte ja schließlich keine Erfahrung mit Geburtswehen, soviel ich auch darüber gelesen hatte. Die Realität sieht immer anders aus.

Langsam jedoch zog der Schmerz an, wurde stärker, intensiver. Überhaupt fühlten sich diese Wehen anders an als alles, was ich kannte. Der krasseste Unterschied zu den anderen Schmerzen war wohl, dass sich am Schmerz NICHTS veränderte, egal was ich tat. Bei allen anderen Bauchschmerzen hilft (zumindest geringfügig), ein Positionenwechsel. Diese Schmerzen jedoch blieben gleich stark, egal wie ich mich legte, krümmte oder bewegte. Und ich konnte nicht besonders gut denken, durch diese Schmerzen. Schwierig war vor allem, dass ich in den Wehenpausen immer wusste, es werde gleich wiedergehen.

Unter Zeitdruck konnte ich mich noch nie besonders gut konzentrieren und so fiel es mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Was sollte ich anziehen, falls wir doch ins Krankenhaus müssten? Ich hatte mir zwar Gedanken gemacht, was ich im Kreißsaal tragen würde und ein weites, weiches Hemd für mich gekauft, das ich zum Stillen würde aufknöpfen können, aber was sollte ich für die FAHRT tragen? Nach einer Ewigkeit entschied ich mich für Jogginghose, Top und Sweatjacke. In der nächsten Pause tuschte ich mir vor dem Dielenspiegel kniend noch die Wimpern mit wasserfester Mascara. Ja, für´s Krankenhaus. Mädchen, ich. Als ich angezogen und geschminkt war, fiel mir der Zustand meiner Wohnung auf. WIESO um alles in der Welt hatte ich nicht geputzt heute? Für mehr würde es nicht reichen, aber zumindest staubsaugen sollte doch wohl zu schaffen sein? So KÖNNTE ich nicht ins Krankenhaus gehen. Ich wollte doch eine ordentliche Wohnung hinterlassen. Also saugte ich in den Wehenpausen die Wohnung. Es schien Ewigkeiten zu dauern, war sicher wenig effektiv, aber ich saugte. Und alle paar Minuten kniete ich auf dem Boden, Hintern in die Höhe gestreckt, und veratmete Wehen. Dabei immer wieder die Frage in meinem Kopf, ob es wirklich losgehe. (Verrückt, ich weiß. Aber wie gesagt, die Hormone taten ihr ihriges…)

Dass ausgerechnet heute meine Eltern im Theater waren, machte mich wahnsinnig, Auf keinen Fall wollte ich meine Mutter für einen Fehlalarm aus dem Theater holen. Meine tolle Mama, die in den vergangenen Wochen abends keinen Tropfen Alkohol getrunken hatte, falls es plötzlich losginge. Meine Mama, die jeden Abend Kleider bereitlegte, um im Notfall direkt hineinschlüpfen zu können und sofort bei mir zu sein. Meine Mama, die Angst vor dieser Geburt  hatte, davor, die Schmerzen ihrer Tochter miterleben zu müssen, ohne wirklich helfen zu können und die doch die einzige war, die ich in dieser Situation bei mir haben wollte. Gegen 21 Uhr dreißig beschloss ich, sie doch anzurufen, Die Wohnung war gesaugt und ich wollte nun doch kein Risiko eingehen, zumal die Abstände zwischen den Wehen nicht mehr allzu lange waren. Gemessen hatte ich zwar nicht mehr (musste ja staubsaugen), aber sie waren kürzer als noch zuvor, wenn auch immer noch recht unregelmäßig, was für mich eigentlich gegen Geburtswehen sprach. Logisch, dass ich auf dem Handy nur die Mailbox erreichte und die Nummer des Restaurants nicht im Telefonbuch fand. Also im Notebook gesucht und endlich die Nummer gefunden und Mama erreicht. „Mama, ich denke es geht los hier. Kannst du kommen? Ich hoffe, es ist kein Fehlalarm! Mach dich nicht verrückt, mach langsam, ja? Du weißt doch, beim ersten Kind dauert es eh ewig! Also fahr in Ruhe nach Hause und hol deine Sachen und komm dann her!“ Meine Mutter war aufgeregt und versprach, sich auf den Weg zu machen.

Während ich auf sie wartete und die Krankenhaustasche fertigpackte, entschloss ich mich, in der Zweitstadt anzurufen und dem Typ Bescheid zu geben. Auch ihm sagte ich, dass ich nicht sicher wisse, ob es falscher Alarm sei, ich ihm jedoch Bescheid geben wolle.  Wenn du hierher kommst, dann erwarte ich von dir, dass du dich der Situation angemessen verhältst. Keine Provokationen, nichts. Klar? Er versprach es. Ich erklärte, mich nochmal aus dem Krankenhaus zu melden, wenn ich genaueres wisse. Die Zweitstadt liegt fast 300 km entfernt, so dass ich einen Fehlalarm vermeiden wollte.

Während ich auf meine Mutter wartete, Wehen veratmete und in den Wehenpausen ein wenig aufräumte, spürte ich auf einmal einen Druck auf der Blase. Die Nervosität, klar. Als ich zur Toilette ging, erschrak ich fürchterlich. Das Toilettenpapier war voller Blut. Ich wusste zwar, dass mit dem Schleimpfropf auch Blut abgehen kannm, aber so viel? Böse Erinnerungen an die Blutungen am Anfang der Schwangerschaft kamen in mir hoch. Was, wenn mit dem Kind etwas ist? Langsam wurde ich nervös. Ich rief meine Mutter nochmals an, um ihr zu sagen, dass es wohl definitiv losgehe und ich wohl den Schleimpfropf verloren habe. „Vielleicht beeilst du dich doch besser…“. Sie versprach, gleich bei mir zu sein und beruhigte mich, dass das Blut kein zeichen sei, dass mit dem Baby etwas sei. Das sei völlig normal. Erneut rief ich den Typ an. „Wenn du hier sein möchtest, dann mach dich besser auf den Weg. Ich denke, das ist kein Fehlalarm.“ Am Telefon musste ich Wehen veratmen. Gegen kurz vor zehn war meine Mutter da. „Sollen wir noch ne Folge Sturm der Liebe schauen?“ fragte ich scherzhaft. „Die Wehen kommen ja in zwei-Minuten-Abständen!!! Wir müssen sofort los!!“ Meine Mutter war fassungslos. „Warum hast du mir das nicht sofort gesagt? Draußen ist alles voller Schnee, willst du dein Baby im Auto bekommen? Wieso hast du mich denn nicht schon vorher angerufen?“

Während ich meine Wehen veratmete, packte Mama alles zusammen und schaffte die Taschen ins Auto. Gegen viertel elf fuhren wir durch die dunkle, verschneite Stadt ins Krankenhaus.

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