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Archive for the ‘Könntsch misch aufregen’ Category

Seit ich gestern Morgen bei Twitter die ersten #Aufschrei -Tweets las, kriege ich das Thema nicht mehr aus meinem Kopf. Hunderte Tweets über alltäglichen Sexismus in Form von Beleidigungen, sexuellen Anzüglichkeiten, Belästigung bis hin zu Vergewaltigungen, von unzähligen Frauen in die Welt hinaus geschrien. Wie erschüttert, angeekelt und traurig mich viele dieser Tweets machten, kann ich hier kaum beschreiben. Aber auch das hohle Gefühl des Wiedererkennen bei vielen Aussagen traf mich. Sehr. Denn ganz ehrlich: überrascht war ich nicht. Sexismus existiert, da sind wir uns wohl alle einig. Auch und gerade in unserem ach so fortschrittlichen und gleichberechtigten Land. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich überhaupt etwas zu diesem Thema schreiben „darf“. Schließlich bin ich, wie mir gestern erst wieder bewusst wurde, in vielerlei Hinsicht privilegiert aufgewachsen. Ich durfte in einem Elternhaus großwerden, in dem mir von früh auf beigebracht wurde, dass meine Grenzen wichtig und wertvoll sind und ich jedes Recht habe, diese auch einzufordern und zu verteidigen. Ein Elternhaus, in dem ich stark gemacht und aufgeklärt wurde. In dem gegenseitiger Respekt ein Grundwert war. Ich hatte noch nie eine Beziehung, ob fest oder lose, in der ich mich unterdrückt oder als Frau nicht gleichberechtigt gefühlt hätte. Ich habe noch niemals von einem Partner Gewalt erfahren.

Und dennoch sind mir viele Erfahrungen dieser Frauen nicht fremd. Trotz all dieser Privilegien wird mir erst beim genaueren Nachdenken wieder bewusst, wie vielen Einschränkungen sich Frauen (auch ich) im Alltag unterwerfen. Dazu gehören unzählige nächtliche Taxifahrten, um auf dem dunklen Heimweg nicht belästigt/ angesprochen/ vergewaltigt zu werden. Das sorgfältige Auswählen eines „sicheren Sitzplatzes“ in der nächtlichen S-Bahn. Der große Bogen um die Gruppe alkoholisierter Männer, um nicht angepöbelt/belästigt zu werden. Das bewusste Wählen der Kleidung bei der Arbeit, um keine „falschen Signale“ zu senden.

Und deshalb- weil es mich betroffen macht, betrifft und als Mutter einer Tochter wieder einmal zum Grübeln bringt –  gebe auch ich meinen Senf zu diesem Thema ab.
Die Erinnerungen, die dieser Hashtag in mir hochspült, sind sicherlich nicht traumatisch wie die vieler anderer Twitterinnen. Da habe ich wohl Glück gehabt. Und ich habe auch generell kein Problem damit, auf einen sexistischen Kommentar eine entsprechende Antwort zu geben. Nur: dass ich mich grundsätzlich wehren kann bedeutet nicht, dass ich gezwungen sein möchte, es auch zu tun. Die Antwort auf Belästigung und Sexismus kann nicht ein simples „nun wehrt euch aber mal, Mädels“ sein. Wie jetzt, wehren? Achso! Hey, schön dass wir darüber gesprochen haben! Und schwuppdiwupp haben wir den schwarzen Peter mal wieder den Frauen zugeschoben.

Wie wär´s denn einfach damit: Habt verdammt noch mal Respekt!

Verhaltet euch doch der Frau, die da neben euch in der Bahn sitzt, gegenüber mal so, wie ihr es bei eurer Schwester tätet. Oder so, wie ihr euch wünscht, dass andere eure Frauen, Mütter, Töchter, Schwestern behandeln sollen. Auch wenn sie zufällig große Brüste haben. Oder einen kurzen Rock tragen. Oder so eindeutig nicht in eurer Liga spielen, dass es euch einschüchtert und den Wunsch weckt, es „der da mal zu zeigen“.

Und für alle Männer, die nun erschrocken innehalten und sich beschämt und betroffenm fragen, ob auch ihr Verhalten als sexistisch oder belästigend einzuordnen sei: ich persönlich kenne keine Frau, die je ein Trauma davongetragen hat, weil ihr irgendwer mal auf die Brust geschaut hat. Kann mal passieren, meine ich. Minutenlang draufzuglotzen und dabei anzügliche Geräusche zu machen, aber nicht. Und ja, es ist völlig ok, eine Frau in einem Club anzusprechen. Nicht ok ist, ihr „kein Interesse“ zu ignorieren und ihr penetrant nachzustellen. Es ist völlig in Ordnung,  einer Frau nachzublicken, die man attraktiv findet. Dass es jedoch absolut inakzeptabel ist, ihr ein „geile Titten“ hinterherzubrüllen und sie auf die entsprechende Antwort hin als „Nutte“ zu beschimpfen, erwähne ich jetzt nicht. Ihr kennt den Unterschied. Alle. Er liegt im Respekt und der Wertschätzung, die wir unserem Gegenüber zeigen. Er liegt darin, niemandem Intelligenz, Entscheidungskraft oder Selbstbestimmung aufgrund seines Geschlechts, seiner Haut- oder Haafarbe abzusprechen.

Ich möchte zufällig nicht, dass meine Tochter später von ihrem Lateinlehrer ein „die Klassenarbeit zeigt es mal wieder: Herren sind herrlich, Damen sind dämlich!“ an den Kopf geknallt bekommt. Ich möchte nicht, dass mein Kind überlegen muss, ob es die Unterführung nachmittags mit dem Fahrrad durchfahren kann, weil dort Jugendliche Blow-Job-Bewegungen nachahmen und sie verfolgen. Dass sie nachts aus der S-Bahn einen Freund anrufen muss, um sich vom Bahnhof abholen zu lassen, weil sie Angst hat, von der aufdringlichen Männergruppe, die sie während der Fahrt ungehindert belästigt, ohne dass sich irgendein anderer Fahrgast einmischt, draußen weiter belästigt oder schlimmeres zu werden. Alles selbstverständlich frei erfundene Beispiele, man kann es sich denken.

Ich möchte, dass über diese Probleme geredet wird. Dass wir uns alle etwas bewusster machen, wie alltäglich Belästigung und Sexismus leider immer noch sind. Nicht wegsehen, wenn so etwas passiert, sondern uns auch mal solidarisch zeigen. Über den doofen Witz eben mal nicht lachen. Der Kollegin zur Seite stehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht mögen.

Schlimmer als die männlich-chauvinistischen Reaktionen auf die #Aufschrei-Tweets (die ja nun nicht überraschen dürften,  denn ohne Männer dieser Art wäre das Problem schlicht nicht existent), fand ich übrigens die Reaktionen anderer Frauen. In denen von „Wichtigtuerei“ die Rede war. Oder davon, dass Aussagen wie „Holz vor der Hütten“/… ja nun nicht schlimm seien. Nee, sind sie auch nicht. Es kommt eben immer darauf an, wer so etwas sagt. Freundin, Freund, Mann- ok. Geschäftspartner- urgs. Sex ist übrigens auch überhaupt  nicht „schlimm“. 😉 Und trotzdem will ich weder mit meinem Chef, noch einem meiner Kollegen oder gar irgendeinem Fremden schlafen. Und ich möchte gerne die Wahl haben, bittedanke.

Das heißt nicht, dass jeder Blick, jedes freundliche Ansprechen, jedes „Hallo“ auf die Goldwaage gelegt werden muss. Flirten, Aufmerksamkeiten, Blickkontakt, all das ist okay. Manchmal auch schön, aufregend oder auch nervig. Aber: ok. Alles, was Respekt verletzt und Grenzen überschreitet- nicht ok.

Eigentlich ganz einfach, oder?

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So, jetzt ist es raus. Vielleicht etwas überspitzt und verallgemeinernd ausgedrückt. Richtig müsste es heißen: Warum ich das Urbia-Baby-Forum ganz, ganz grauenhaft finde.

Vorweg sollte ich noch ein paar erläuternde Sätze zu meiner Person sagen. Ich bin ein absoluter Informations-Suchti.

So eine, die vor dem Urlaub sämtliche Reiseführer frisst, um Dinge zu sagen wie: „Da drüben an der Ecke gibt es ein Café, in dem hat schon Mozart gerne seine Sachertorte gegessen. Da könnten wir dann reingehen, wenn wir das Geburtshaus von Blablabla angeschaut haben…“ usw. (Ganz nervig, ich weiß. Selbsterkenntnis…) Eine, die sich stundenlang Testberichte und Amazon-Rezensionen durchliest, um sich über den besten Kindersitz/Staubsauger/Wäschetrockner … zu informieren. Die bei allem Neuen zumindest die Illusion haben möchte, sie könne alles überblicken, was da auf sie einstürmt. (Ich weiß genau, was Sie jetzt denken. Das Wort Kontrollfreak ist mir nicht entgangen!)

Das war bei der Schwangerschaft natürlich nicht anders. Bereits am ersten Tag, dem Tag, an dem die Schneekugel meines Lebens einmal kräftig durchgeschüttelt wurde, versuchte ich im Internet mit dem Suchbegriff „ungeplant schwanger“ auf Gleichgesinnte zu stoßen. Ich weiß nicht, wonach ich dabei suchte und was genau ich zu finden hoffte. Auf eine Anleitung, wie man mit einem solchen Schock, dieser zweiten Linie, die ganz plötzlich alles, alles veränderte, umzugehen hatte, vermutlich. Den Erfahrungsbericht einer Frau, die in genau der gleichen Situation, auf die gleiche unwahrscheinliche Weise wie ich ungeplant schwanger geworden war und mir nun erklären würde, wie ich damit umzugehen hatte und alles zum Guten wenden könne, vielleicht. Welch Überraschung, ich fand nichts dergleichen. Statt dessen fand ich: Urbia. Dass das „Ungeplant schwanger“-Forum keine wirkliche Offenbarung für mich bereithielt, ist nun wirklich nicht überraschend. Doch ich schaffte es schließlich auch ohne virtuelle Hilfe, mich mit meiner Situation zu arrangieren. Und nachdem sich mein persönlicher Status recht schnell von „ungeplant schwanger, ohje“ zu “ huch, da wächst ein Baby in mir, wunderbar!!“ gewandelt hatte, schaute ich auch immer mal wieder gerne im Urbia-Schwangerschaftsforum vorbei. Zwar fast immer nur als „stille Leserin“, aber trotzdem sehr interessiert. Meinem Informationstick kam das natürlich mehr als entgegen: Was muss in die Kliniktasche, was trägt das Baby nachts, wann zum Geburtsvorbereitungskurs anmelden… Alle Fragen, bei denen mir mein kinderloses Umfeld nicht weiterhelfen konnte, waren unkompliziert nachzulesen. Und ich fand es auch immer sehr erfreulich zu sehen, dass andere Frauen sich mit ähnlichen Sorgen und Ängsten herumschlugen, wie ich es tat. Nach der Trennung vom Typ tat es mir sehr gut zu sehen, dass es auch andere gab, die alleine durch eine Schwangerschaft gingen. In völlig anderen Situationen zwar, aber immerhin.

Klingt ja alles noch sehr erfreulich. Wo also ist der Haken? Der kam nach der Geburt. Freudig begann ich im Babyforum mitzulesen, denn auch hier gab es genügend Fragen, die man abends um elf eben nur online recherchieren kann. Und recht schnell fielen mir hier gleich mehrere unschöne Tendenzen auf:  Herumhackerei und Supermüttertum. In diesem Forum voller Mamas schien es tatsächlich nur zwei Typen von Müttern zu geben: diejenigen, die es wagten, Fragen zu stellen und die anderen, die ihnen dafür direkt eins auf den Deckel gaben. Klar gab es einiges, was ungestraft gefragt werden durfte, aber alle halbwegs kontroversen Themen zogen direkt die oben genannten Phänomene nach sich.

Kleine Auswahl gefällig?

Nestchen und Himmel im Babybett. Wer sich dazu bekannte, wurde sofort als Rabenmutter, die wissentlich mit dem Leben ihres Kindes spielt, öffentlich gesteinigt. Dabei genügte es nicht, wenn ein oder zwei Damen anmerkten, dass die Empfehlungen zur sicheren Schlafumgebung von beidem abrieten, sondern es wurde etwa 20 mal in verschiedensten Varianten geschimpft, doziert und gehetzt. Schauerlich.

Mein Kind schläft nachts nicht durch und ich kann nicht mehr. Gibt es ein Buch, das helfen könnte? Unglaublich! Kein Kind sollte im 1. Lebenjahr durchschlafen. Wie kann eine Mutter wagen, über Schlafmangel zu klagen? Dazu mehrere blumige Schilderungen über das eigene Schlafdefizit, das seit Monaten tapfer, durch Mutterliebe mit einem strahlenden Lächeln garniert, ertragen wird.

„Jedes Kind kann schlafen lernen“ Ihr wollt euch mal amüsieren und habt etwas Zeit? Meldet euch im Babyforum an und schreibt einen positiven Bericht über eure eigenen Erfahrungen mit o.g. Buch. Ich bin mir sicher, ihr werdet in kürzester Zeit 50-60 Antworten auf euren Post erhalten. Und zwar vom Feinsten. Einfach mal ausprobieren oder die Suche bemühen. 🙂

Schlafen im eigenen Bett/ Zimmer. Siehe Punkt 1.

Beklagen darüber, dass sich das eigene Kind nicht ablegen lasse. Hier völliges Unverständnis, wieso dies ein Grund zur Klage sein könne. Alle antwortenden Mütter hatten offenbar Freude daran, ihr Kind den ganzen Tag ununterbrochen zu tragen. Geschirr spülen, Boden wischen, Toilettengänge werden durch das gleichzeitige Tragen eines Säuglinges/Kleinkindes/Schulkindes doch erst aufgewertet. Und ersetzen überdies wirkungsvoll die Rückbildungsgymnastik. Oberflächlichkeiten wie Körperpflege, Haarewaschen und Co. müssen selbstverständlich den Bedürfnissen des Kindes untergeordnet und auf die Abendstunden verschoben werden, wenn der Mann zuhause ist. Alleinerziehend?? Selbst schuld, wer lässt sich schon von so nem verantwortungslosen Typen schwängern. Dann werden die Haare eben erst wieder gewaschen, wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist. Als Mama steht man über diesen Dingen. Nicht auszudenken, wenn das Kind vor der Dusche mal zwei Minuten weinen müsste…

Mein Mann hilft kaum mit, seit das Baby da ist. Hier gab es immer zwei Antworttypen, beide gleichermaßen hilfreich. Typ 1: Wie, dein Mann hilft  nicht mit? Also, mein Mann macht die ganze Wäsche, wickelt unseren Schnuckiputz immer, steht jede Nacht auf und massiert mich abends noch in den Schlaf. Er trägt mich auf Händen seit das Baby da ist und tut alles für uns. Hach, ich habe den tollsten Mann der Welt. Typ 2: Tja, da biste wohl selbst Schuld. Wer lässt sich denn von so nem Typen ein Kind anhängen? Das hättest du ja wohl vorher schon ahnen müssen. Wie doof.

Ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Um eins klarzustellen: Ich habe nie eines der oben genannten Themen zur Diskussion gestellt. Dies ist keine „Abrechnung“. Und es gibts einige Themen, bei denen ich in der Sache hätte zustimmen können. Teilweise. Auch ich finde es wichtig, ein Kind viel zu tragen. Mein Kind wurde gestillt, schläft  noch immer mit mir im Bett und ich habe nach dem sechsten Monat mit der Beikost angefangen. Aber: ich finde nicht, dass es Aufgabe anderer Mütter ist, darüber zu urteilen, wie diese oder jene Mama ihren Job macht. Ein Diskussionsforum sollte dem Austausch dienen. Da sollten sich Mütter gegenseitig den Rücken stärken. Sich Mut machen und Tipps geben, statt sich auf Kosten anderer groß zu machen und zu profilieren. Mensch, Mädels! Habt ihr das wirklich nötig? Wie klein müssen manche Frauen zuhause sein, um sich auf diese Art besser zu fühlen? Es macht mich wütend, dass junge Frauen, die sich nicht auskennen, überfordert und fertig mit den Nerven sind, nicht unterstützt werden, wenn sie Probleme mit der Mutterrolle, dem Schlafmangel oder dem Klettbaby im neun-Wochen-Schub haben. Manches lässt sich nicht weglächeln. Manches muss ausgesprochen oder geschrieben werden. Manchmal helfen ein paar aufmunternde Worte weiter, geben Kraft für einen weiteren Tag, die nächste Nacht. Vor allem beim ersten Kind. Und wer sollte das besser verstehen als andere Mütter?

Mehr Solidarität unter Frauen wäre schön. Zusammenhalt statt Hackerei.

Schade, dass das in der Anonymität des Internets vielen so schwer zu fallen scheint.

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