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Gestern Abend stehe ich mit dem Olivenkind im Bad am Wickeltisch. Wir sind gerade beim Schlafanzug anziehen, machen noch etwas Quatsch und singen ein bisschen, als das Olivenkind unvermittelt „Papa?“ sagt.

Der Papa kommt morgen früh„, erkläre ich, während ich ihr das Schlafanzugsoberteil anziehe. „Der bringt dich dann in den Kindergarten, ja?“ – „Okeee„, ist die Antwort.

Heute morgen liegen wir Bett und kuscheln noch ein wenig vor dem Aufstehen. Irgendwann fällt mein Blick auf den Wecker. „Maus, wir müssen aufstehen, du musst bald in den Kindergarten! Wer kommt denn heute und bringt dich hin?„, frage ich ins Blaue hinein. „Papa!„, sagt mein Kind voller Überzeugung und klettert aus dem Bett.

Und ich bin wirklich baff darüber, was sich meine Tochter mit 22 Monaten so alles merken kann.

 

PS: Und nein, das ich nicht ihre Standardantwort, wenn ich sie etwas frage 😉 Wer unsere Familiensituation kennt, kann es sich denken.

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Heute bist du ganze 22 Monate alt. Das heißt, in 2 (nur noch ZWEI??!!) Monaten wirst du deinen 2. Geburtstag feiern. Der Wahnsinn! Derzeit habe ich fast das Gefühl, als müsste ich dich nächste Woche in den „richtigen“ Kindergarten und übernächste Woche in die Schule schicken. Die Zeit rennt!

Es ist ein wirklich phantastisches Alter, in dem du gerade bist. Klar, jedes Alter war/ ist toll, aber im Moment kann ich die Zeit mit dir einfach in vollen Zügen genießen. Keine Frage, das ist nicht immer so (dazu vielleicht mehr in einem anderen Post 😉 ), aber die meiste Zeit bist du einfach sonnig und es macht riesigen Spaß, meine Zeit mit dir zu verbringen.  Sicherlich liegt das auch mit daran, dass ich durch die Arbeit leider weniger Zeit für dich bzw. mit dir habe, als ich mir das wünschen würde und deshalb jede Minute mit dir genieße. Aber größtenteils liegt es an dir. Du bist einfach ein kleiner Sonnenschein. Wenn du nicht gerade einen filmreifen Wutanfall bekommst, weil irgendetwas nicht nach deinem Köpfchen geht, dann bist du einfach nur herzig. Du bist nicht mehr ganz zu ruhelos, stellst nicht alles auf den Kopf, sobald ich für fünf Minuten beschäftigt bin, sondern spielst oder genießt es, bei mir zu sein. Du singst selbsterfundene Lieder (Lalilalala…; Dudidudidu…), in denen ich manchmal Fragmente mir bekannter Lieder (…wohnen, unden oda oben??/ Dambedia…) wiedererkenne, du läufst, nein, du tanzt durch die Welt, du quatschst mir von der ersten wachen Minute an die Ohren voll (Mama? Mami? Sau mal! …) und lächelst mich mit betörenden Augenaufschlägen an oder bringst mich mit Versteckspielen und lustigen Grimassen zum Lachen. Du hörst alles und siehst alles und du merkst dir alles. Wenn ich dich beim Nachhausekommen frage, ob du heute noch in die Badewanne möchtest, dann brauche ich dich eine halbe Stunde später nicht duschen zu wollen, denn du erinnerst dich genau: „Badeanne!!“. Wenn es am Vortag bei Oma Kuchen gab, dann forderst du beim nächsten Besuch „Kuhen holen?“! So ist das.

Heute hatten deine Großeltern Hochzeitstag. Wir waren spazieren, haben Kuchen gegessen und sind abends essen gegangen. Ich hatte ein paar Bedenken, ob du das Abendessen im Restaurant durchhalten würdest, denn langes Sitzen im Hochstuhl gehört bekanntlich nicht zu deinen Stärken. Entsprechend überrascht war ich, wie entspannt dieser Abend verlief. Du hast deinen Kinderteller fast völlig aufgegessen und danach komplett zufrieden mit Opa gemalt und den ganzen Tisch unterhalten. Dein absolutes Highlight war jedoch das Eis, das dir die nette Bedienung spendierte. Eine Kugel Erdbeereis mit Waffel UND Smarties! Selten habe ich dich so konzentriert gesehen wie beim Verputzen des Eisbechers. Bereits nach wenigen Minuten hattest du dir Technik perfektioniert, mit der du den Becher am besten leer essen konntest. Es blieb tatsächlich nicht das kleinste Restchen mehr übrig. Wir anderen amüsierten uns köstlich darüber, wie du geschickt das Schälchen schräg hieltst, um alle Reste herauslöffeln zu können und genauso über dein verzücktes und gleichzeitig hochkonzentriertes Gesicht. Es war ein wirklich schöner Abschluss eines gelungenen Tages.

Und wie es so oft ist an diesen Tagen, kommt man ins Nachdenken. An die vergangenen Jahre. Ich dachte daran, wie schön wir es haben und wie gut es uns geht und stellte gleichzeitig fest, wie sehr sich unser Leben in den vergangenen Jahren verändert hat…

Heute vor zwei Jahren…

… stand ich einen knappen Monat vor dem Mutterschutz. Ich arbeitete noch, war aber nur noch sporadisch eingesetzt. Psychisch war ich schwer angeschlagen. Es war einerseits anstrengend, mir in der Arbeit nichts anmerken zu lassen, andererseits hielt mich genau das aufrecht. Ich wusste, mit meinen Kollegen über meine Situation zu sprechen, wäre über meine Kräfte gegangen. Ich wollte mich und meine Situation niemandem erklären müssen, daher war es leichter, alle in dem Glauben zu lassen, es liefe alles normal bei uns. Wenn mich Kollegen fragten, ob es mir keine Angst mache, dass der Vater so weit entfernt arbeite, denn es sei schließlich viel zu tun mit so einem Baby, dann musste ich mich schon sehr beherrschen, um nicht laut zu lachen. Das war wirklich meine geringste Sorge. Der Bauch wurde größer und deine Ankunft immer greifbarer. Ich freute mich riesig,war aufgeregt und hatte Angst. Die Tage wurden immer kürzer und das trübe Herbstwetter schlug mir stark aufs Gemüt. Der Geburtsvorbereitungskurs hatte begonnen und dein Geburtstermin rückte näher. Im Schwangerschaftsyoga versuchte ich, ein wenig Ruhe und Kraft zu tanken.Ich lauschte deinen Herztönen am CTG und überlegte mir, was ich für das Wochenbett vorkochen wollte. Babykleidung wurde gewaschen und mit klopfendem Herzen in den Schrank gelegt, nur um sie einen Tag später mit verliebtem Blick wieder in die Hand zu nehmen.

Und: ich freute mich auf dich. Neben der Traurigkeit, der Angst und dem Gefühl von Einsamkeit, weil eben kein zweites Elternteil mit mir auf deine Ankunft hinfieberte, war da eine riesige Freude auf dich. Auf das Leben mit Baby und das Mamasein. Freude darauf, den süßen Duft deines Köpfchens zu riechen und stolz den Kinderwagen zu schieben. Freude darauf, dich stundenlang in den Armen zu halten und nachts deinen Atem zu hören. Vorfreude, dieses Zappeln, das wie Wellen meinen kompletten Bauch bewegte, endlich ohne Hindernisse beobachten zu können. Dich zu halten, zu küssen und deine Mama zu sein.
Und heute weiß ich: ich hatte keine Ahnung davon, was mich erwartete. Welche Aufgabe und welches Glück auf mich wartete.

Heute vor einem Jahr…

…warst du genau zehn Monate alt. Wir verbrachten die Woche um den 03. Oktober im Urlaub. Du hattest in der Woche zuvor begonnen durchzuschlafen und ich genoss das ungemein. Nach einem dreiviertel Jahr mit teils wirklich höllischen Nächten war dies eine unglaubliche Erholung für mich. Und auch abends hattest du mehr Ruhe gefunden. Es gab Abende, da wachtest du kein einziges Mal auf. Die gute Bergluft und die vielen neuen Eindrücke, die du den Tag über genießen durftest, schienen dir sehr gut zu tun. Es war ein toller Urlaub., zumal ich immer wieder daran dachte, wie ich im November des Vorjahres genau hier hochschwanger Urlaub gemacht hatte. Wie vieles hatte sich doch verändert, seit du da warst! Zehn Monate war ich deine Mama und ich war es mit vollem Herzen. Auch wenn mich diese zehn Monate mich oft genug an meine Grenzen gebracht hatten- sie waren wunderschön.

Noch hatte ich vier volle Monate mit dir zu Hause und ich konnte mir nicht vorstellen, wie es werden würde, wenn ich wieder anfangen musste zu arbeiten. Wir hatten uns so aufeinander eingespielt. Morgens gegen acht trankst du deinen Schoppi im Laufstall, während ich frühstückte. Dann ging ich ins Badezimmer, duschte und zog mich an, bevor ich dich holte und dich tagfein machte. Anschließend wurschtelten wir meist ein wenig in der Wohnung herum, gingen einkaufen oder spielten, ehe es Mittagessen gab. Manchmal machten wir gemeinsamen Mittagsschlaf, manchmal legte ich dich alleine hin (wobei du alleine immer vieeeel kürzer schliefst…). An den Nachmittagen trafen wir uns zum Spazierengehen mit anderen Mamas und ihren Babys oder mit meinen Freundinnen, besuchten deine Oma oder gingen einkaufen. Montagnachmittags trafen wir uns jede Woche mit deinem Freund P. und seiner Mama zum gemeinsamen Spazierengehen. Mittwochs hatten wir Babyschwimmen, nach dem wir beide immer völlig platt und reif für den Mittagsschlaf waren. Donnerstags war PeKip und Freitagmorgen der Musikgarten. Es war eine wunderbare und intensive Zeit. Das Gefühl von Langeweile, vor dem ich mich im Mutterschutz manchmal gefürchtet hatte, kam niemals auf. Statt dessen: Leben. Neue Menschen, neue Unternehmungen, neue Erfahrungen. Und du! Meine Sonne, meine Herausforderung, meine große Liebe. Manchmal hast du mich wahnsinnig gemacht, mit deiner Schlaferei, mit deiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne, damit, dass ich immer gefragt war und du dich außer der halben Stunde morgens nie alleine beschäftigen wolltest. Damit, dass ich abends nicht einfach sagen konnte: „Geh du bitte, ich KANN nicht mehr!“ Ich musste können.

Aber: all das machtest du mehr als wett. Mit deinem Wesen, deinem Lächeln, deiner Liebe. Deinem Mamamamama. Dem Duft deiner Haut und deinem zuckersüßen Lächeln. Damit, dass es dich gab. Mein Kind, meine große Liebe.

Heute…

… bist du also 22 Monate alt. Manchmal machst du mich immer noch wahnsinnig und ich dich vermutlich auch. Wenn du beim Kürbissuppe essen auf einmal anfängst zu grinsen und mit dem Löffel in der Luft herum wedelst, zum Beispiel. Oder wenn du beim Wechseln einer wirklich grausamen Windel mittendrin die Zusammenarbeit verweigerst und mich mit den Füßen wegtrittst, zum Beispiel. Wenn du nicht mehr Treppe laufen möchtest, während ich drei Taschen, einen Wäschesack und einen Korb in den dritten Stock trage, zum Beispiel.

Ansonsten ist es einfach wunderbar mit dir. Du lernst jeden Tag neue Wörter, saugst sie auf wie ein Schwamm und bringst mich zum Lachen, wenn du auf einmal Worte wie „Quatschnudel“ nachsprichst. Du zählst von 5 bis zehn und ich habe keine Ahnung, woher du das kannst.

Zwei Tage in der Woche sehe ich dich erst gegen 17 Uhr wieder. Das ist für dich insofern schön, weil du an diesen Nachmittagen, während ich arbeite, exklusive Oma- und manchmal auch Opa-Zeit hast. Aber es macht mich manchnmal traurig, dass uns, dir und mir, diese Zeit fehlt. Als ich vergangene Woche außerplanmäßig an zwei aufeinanderfolgenden Tagen so spät nach Hause kam, hingst du am dritten Tag nachmittags wie ein Äffchen an mir und suchtest meine Nähe. Wir haben beide daran zu knabbern, wenn wir uns so lange nicht sehen. Ohnehin bist du viel kuscheliger geworden. Abends bekomme ich einen Gutenachtkuss, du umarmst mich täglich mehrmals stürmisch und oft wirfst du dich lachend auf meinen Rücken, wenn ich gerade auf dem Boden sitze oder mich herunterbücke.

Du schläfst seit einem Jahr durch und schläfst abends und mittags ohne Probleme alleine ein. Dein Heiabett, wie du es selbst nennst, liebst du heiß und innig. Du gehst gerne in die KiTa und magst deine Erzieherinnen und Spielkameraden. Du bist immer noch ein wilder kleiner Wirbelwind, der ständig in Bewegung ist. Bist älter geworden, kleinkindlicher. Hast dich verändert, weiterentwickelt und bist doch ganz DU geblieben.

Und wenn ich so zurückschaue auf die vergangenen beiden Jahre, dann bin ich unendlich froh und dankbar. Dankbar um dieses Wunder in meinem Leben. Darum, wie schön mein Leben mit dir ist. Unser Familienleben. Wie sehr ich dich liebe und wie aufregend es ist, dich beim Aufwachsen zu begleiten und zu unterstützen, Deine Mama zu sein. Manchmal fühle ich mich wie der größte Versager, manchmal habe ich das Gefühl, gar nicht so schlecht in dem zu sein, was ich tue. Letzteres besonders dann, wenn ich dich bei etwas beobachte und heimlich vor Stolz auf dich fast platze. Wenn du anderen Kindern auf dem Spielplatz zum Beispiel ihre Sandspielsachen mit einem „Bitte“ überreichst. Oder du deinen besten Freund zur Begrüßung umarmst und seinen Rücken streichelst. Dann denke ich, dass ich gar nicht so viel falschmachen kann, so wunderbar, wie du bist.

Ich liebe dich, mein Mädchen!

Deine Mama

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Es war der zweite Dezember 2010. Ein kalter, verschneiter Donnerstag.

Morgens hatte ich einen Frauenarzttermin und ich war gespannt, was meine Ärztin mir wohl sagen würde. Ob sich der Gebärmutterhals wohl schon etwas verkürzt hätte? Der Muttermund gar geöffnet? Wehen auf dem CTG? Vielleicht könnte sie mir ja zumindest eine Vermutung mitteilen, ob du tatsächlich die ganze Woche bis zum ausgerechneten Termin am 10.12. in meinem Bauch bleiben würdest. Der Termin zeigte, dass alles völlig in Ordnung und unauffällig war. Keine Wehentätigkeit auf dem CTG sichtbar und auch sonst keinerlei Anzeichen dafür, dass du dich in absehbarer Zeit auf den Weg in meine Arme machen würdest. Ich war ein wenig enttäuscht, aber hatte eigentlich auch nicht wirklich mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Auf meine Frage hin, ob sie glaube, dass du bis zum Termin warten würdest, sagte meine Ärztin, sie wisse es nicht. Du seist auf jeden Fall in Startposition, wie lange du in dieser Position jedoch ausharren würdest, könne sie nicht sagen. Zur Sicherheit gebe sie mir einen Termin für nächsten Freitag, den ausgerechneten Geburtstermin.

Auf dem Rückweg fuhr ich am Supermarkt vorbei und machte einen Großeinkauf mit TK-Gemüse, -Fisch, ein paar Pizzen und sonstigen Grundnahrungsmitteln. Ich hatte zwar ein paar Dinge für´s Wochenbett vorgekocht und eingefroren, allzuweit würde ich damit jedoch nicht kommen und um ein paar Tiefkühlvorräte für den Notfall wäre ich vielleicht noch froh.

Als ich alles in den dritten Stock geschleppt und verstaut hatte, klingelte es auch schon an der Türe und eine alte Schulfreundin schaute mit ihrem Sohn herein, um mir noch ein paar Babykleider ihrer Tochter vorbeizubringen. Wir plauderten ein Weilchen, ich erzählte ihr von meinen Übungswehen, die ich schon seit Wochen immer wieder hatte und wir spekulierten gemeinsam ein wenig darüber, wann du wohl schlüpfen würdest. Als sie sich auf den Nachhauseweg machte, aß ich eine Kleinigkeit und legte mich anschließend auf die Couch, um ein wenig auszuruhen. Eigentlich war der Wohnungsputz an diesem Tag fällig, aber ich fühlte mich lustlos und unmotiviert, so dass ich beschloss, das auf den nächsten Tag zu verschieben. Weil ich auch für den Mittagsschlaf zu unruhig war, rief ich meine Mutter an und verabredete mich mit ihr zu einem Spaziergang, wie wir das in der Schwangerschaft und besonders den letzten Wochen sehr oft gemacht hatten. Dick eingepackt liefen wir mit dem Hund meiner Eltern los. Unser erster Weg führte uns in die Innenstadt, wo wir ein Kabel für den Leuchtstern kauften, den ich als Adventsdekoration für mein Wohnzimmerfenster besorgt hatte. Die Vorstellung, dass DU, dass mein Baby bald die Adventszeit gemeinsam mit mir verbringen würde, war immer noch unglaublich für mich. Nachdem wir alle Besorgungen erledigt hatten, machten uns auf den Weg zu unseren üblichen Spaziergangsroute in Richtung Tierheim und wie bei all unseren Spaziergängen redeten wir viel. Über dich, über die Zukunft und die Vergangenheit, über deine Geburt. Das Spazierengehen war anstrengend, weil alles voll Schnee war und gerade im Schlossgarten mussten wir oftmals durch tief verschneinte Wege waten. Ich spürte, wie mein Bauch immer wieder hart wurde und musste oft stehenbleiben, weil ich keine Puste mehr hatte und warten musste, bis der Bauch wieder weich war. Übungswehen, wieder einmal. „Ich hoffe, wenn es dann wirklich losgeht, geht es umso schneller, so oft wie hier geübt wird!“, sagte ich scherzend zu meiner Mutter. Lustigerweise kamen die Übungswehen, obwohl völlig schmerzfrei, tatsächlich recht rhythmisch in 5 Minuten Abständen. Vielleicht geht es ja doch bald los, hofften wir gemeinsam.

Nach dem Spaziergang ging ich mit zu meinen Eltern und beschloss, noch ein Weilchen zu bleiben. Gemeinsam mit ihnen, meiner Schwester und ihrem Freund saß ich also später beim Abendessen, das es an diesem Tag schon recht früh gab, weil meine Eltern für den Abend Theaterkarten hatten. Es gab Kartoffeln, Lauch und Fleischküchle. Durch den Spaziergang war ich ausgehungert und langte entsprechend zu. Zwei große Portionen und noch ein paarmal mit der Gabel in die Pfanne gepiekt. „Lasst mich den Rest essen, vielleicht hab ich heute Nacht noch etwas Größeres vor“, sagte ich scherzhaft zum Rest der Familie, die sich wieder einmal über meinen gesunden Appetit amüsierte. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt bereits etwas seltsam, ohne wirklich sagen zu können, was los war. Und obwohl ich Scherze darüber machte, glaubte ich nicht daran, in dieser Nacht tatsächlich mein Baby zu bekommen. Meine Mutter war besorgt, weil sie an diesem Abend nicht so gut über Handy zu erreichen sein würde. „Im Theater höre ich es, aber beim Essengehen ist der Empfang schlecht, also speicher dir bitte die Nummer des Restaurants ab, damit du mich in jedem Fall erreichst!“- ich grinste. „Wenn irgendetwas sein sollte, dann melde ich mich!“, versprach ich.

Gegen viertel vor sieben machte ich mich auf den Weg nach Hause. Immer wieder spürte ich, dass irgendetwas mit mir anders als sonst war. Mein Bauch fühlte sich merkwürdig an, ohne dass ich genau hätte sagen können, was genau gerade passierte.

Da es draußen eiskalt war, entschloss ich mich, gleich in die Badewanne zu gehen. Falls das, was hier gerade geschah, tatsächlich zu Wehen werden sollte, dann wäre die Badewanne ein guter Weg, das herauszufinden. Wie so oft in dieser Schwangerschaft ließ ich mir also Badewasser ein und hiefte meinen schwangeren Körper mit dem Riesenbauch ins warme Wasser. In der Wanne las ich eine SMS der besten Freundin, die mir Grüße vom Weihnachtsmarkt in unserem Städtchen schickte. Es sei eiskalt, schrieb sie, und sie sei schon ein wenig angeschickert vom Glühwein. Ich schickte ihr eine SMS zurück, in der ich zugab, sie ein wenig zu beneiden und ihr viel Spaß wünschte. Ich erzählte, dass sich das hier gerade ein wenig nach Wehen anfühle. Drück mir die Daumen, dass es kein falscher Alarm ist, schrieb ich ihr. Vielleicht ist das dein letzter Tag ohne Baby, hatte sie mir am Morgen noch geschrieben. Verrückt. Einfach unglaublich.

Noch ehe ich aus der Wanne stieg, war das undefinierbare Empfinden sehr stark in Richtung „das sind Schmerzen“ gegangen. Allerdings war es völlig anders als alles, was ich darüber gelesen hatte. Die Abstände schienen völlig willkürlich zu sein, mal zehn Minuten, dann plötzlich zwei und dann 7. Und auch die Länge dieser Wehen (WEHEN??? WEHEN!!!) war unterschiedlich. Merkwürdig. Während ich begann, meine Haare zu föhnen, musste ich beginnen, Pausen einzulegen, in denen ich die Wehen veratmete. Als ich (nach gefühlten Stunden, da ich ständig Pausen zum Veratmen machen musste) die Haare geföhnt hatte, zog ich meinen Schlafanzug an, denn ich glaubte immer noch nicht, dass es wirklich losgehen würde.

Im Nachhinein denke ich, dass mich die Wehenhormone da ein geistig ein wenig außer Gefecht gesetzt hatten. Was sollten periodisch wiederkehrende Schmerzen in der Woche vorm Geburtstermin wohl anderes bedeuten? Aber es war alles neu und ich hatte ja schließlich keine Erfahrung mit Geburtswehen, soviel ich auch darüber gelesen hatte. Die Realität sieht immer anders aus.

Langsam jedoch zog der Schmerz an, wurde stärker, intensiver. Überhaupt fühlten sich diese Wehen anders an als alles, was ich kannte. Der krasseste Unterschied zu den anderen Schmerzen war wohl, dass sich am Schmerz NICHTS veränderte, egal was ich tat. Bei allen anderen Bauchschmerzen hilft (zumindest geringfügig), ein Positionenwechsel. Diese Schmerzen jedoch blieben gleich stark, egal wie ich mich legte, krümmte oder bewegte. Und ich konnte nicht besonders gut denken, durch diese Schmerzen. Schwierig war vor allem, dass ich in den Wehenpausen immer wusste, es werde gleich wiedergehen.

Unter Zeitdruck konnte ich mich noch nie besonders gut konzentrieren und so fiel es mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Was sollte ich anziehen, falls wir doch ins Krankenhaus müssten? Ich hatte mir zwar Gedanken gemacht, was ich im Kreißsaal tragen würde und ein weites, weiches Hemd für mich gekauft, das ich zum Stillen würde aufknöpfen können, aber was sollte ich für die FAHRT tragen? Nach einer Ewigkeit entschied ich mich für Jogginghose, Top und Sweatjacke. In der nächsten Pause tuschte ich mir vor dem Dielenspiegel kniend noch die Wimpern mit wasserfester Mascara. Ja, für´s Krankenhaus. Mädchen, ich. Als ich angezogen und geschminkt war, fiel mir der Zustand meiner Wohnung auf. WIESO um alles in der Welt hatte ich nicht geputzt heute? Für mehr würde es nicht reichen, aber zumindest staubsaugen sollte doch wohl zu schaffen sein? So KÖNNTE ich nicht ins Krankenhaus gehen. Ich wollte doch eine ordentliche Wohnung hinterlassen. Also saugte ich in den Wehenpausen die Wohnung. Es schien Ewigkeiten zu dauern, war sicher wenig effektiv, aber ich saugte. Und alle paar Minuten kniete ich auf dem Boden, Hintern in die Höhe gestreckt, und veratmete Wehen. Dabei immer wieder die Frage in meinem Kopf, ob es wirklich losgehe. (Verrückt, ich weiß. Aber wie gesagt, die Hormone taten ihr ihriges…)

Dass ausgerechnet heute meine Eltern im Theater waren, machte mich wahnsinnig, Auf keinen Fall wollte ich meine Mutter für einen Fehlalarm aus dem Theater holen. Meine tolle Mama, die in den vergangenen Wochen abends keinen Tropfen Alkohol getrunken hatte, falls es plötzlich losginge. Meine Mama, die jeden Abend Kleider bereitlegte, um im Notfall direkt hineinschlüpfen zu können und sofort bei mir zu sein. Meine Mama, die Angst vor dieser Geburt  hatte, davor, die Schmerzen ihrer Tochter miterleben zu müssen, ohne wirklich helfen zu können und die doch die einzige war, die ich in dieser Situation bei mir haben wollte. Gegen 21 Uhr dreißig beschloss ich, sie doch anzurufen, Die Wohnung war gesaugt und ich wollte nun doch kein Risiko eingehen, zumal die Abstände zwischen den Wehen nicht mehr allzu lange waren. Gemessen hatte ich zwar nicht mehr (musste ja staubsaugen), aber sie waren kürzer als noch zuvor, wenn auch immer noch recht unregelmäßig, was für mich eigentlich gegen Geburtswehen sprach. Logisch, dass ich auf dem Handy nur die Mailbox erreichte und die Nummer des Restaurants nicht im Telefonbuch fand. Also im Notebook gesucht und endlich die Nummer gefunden und Mama erreicht. „Mama, ich denke es geht los hier. Kannst du kommen? Ich hoffe, es ist kein Fehlalarm! Mach dich nicht verrückt, mach langsam, ja? Du weißt doch, beim ersten Kind dauert es eh ewig! Also fahr in Ruhe nach Hause und hol deine Sachen und komm dann her!“ Meine Mutter war aufgeregt und versprach, sich auf den Weg zu machen.

Während ich auf sie wartete und die Krankenhaustasche fertigpackte, entschloss ich mich, in der Zweitstadt anzurufen und dem Typ Bescheid zu geben. Auch ihm sagte ich, dass ich nicht sicher wisse, ob es falscher Alarm sei, ich ihm jedoch Bescheid geben wolle.  Wenn du hierher kommst, dann erwarte ich von dir, dass du dich der Situation angemessen verhältst. Keine Provokationen, nichts. Klar? Er versprach es. Ich erklärte, mich nochmal aus dem Krankenhaus zu melden, wenn ich genaueres wisse. Die Zweitstadt liegt fast 300 km entfernt, so dass ich einen Fehlalarm vermeiden wollte.

Während ich auf meine Mutter wartete, Wehen veratmete und in den Wehenpausen ein wenig aufräumte, spürte ich auf einmal einen Druck auf der Blase. Die Nervosität, klar. Als ich zur Toilette ging, erschrak ich fürchterlich. Das Toilettenpapier war voller Blut. Ich wusste zwar, dass mit dem Schleimpfropf auch Blut abgehen kannm, aber so viel? Böse Erinnerungen an die Blutungen am Anfang der Schwangerschaft kamen in mir hoch. Was, wenn mit dem Kind etwas ist? Langsam wurde ich nervös. Ich rief meine Mutter nochmals an, um ihr zu sagen, dass es wohl definitiv losgehe und ich wohl den Schleimpfropf verloren habe. „Vielleicht beeilst du dich doch besser…“. Sie versprach, gleich bei mir zu sein und beruhigte mich, dass das Blut kein zeichen sei, dass mit dem Baby etwas sei. Das sei völlig normal. Erneut rief ich den Typ an. „Wenn du hier sein möchtest, dann mach dich besser auf den Weg. Ich denke, das ist kein Fehlalarm.“ Am Telefon musste ich Wehen veratmen. Gegen kurz vor zehn war meine Mutter da. „Sollen wir noch ne Folge Sturm der Liebe schauen?“ fragte ich scherzhaft. „Die Wehen kommen ja in zwei-Minuten-Abständen!!! Wir müssen sofort los!!“ Meine Mutter war fassungslos. „Warum hast du mir das nicht sofort gesagt? Draußen ist alles voller Schnee, willst du dein Baby im Auto bekommen? Wieso hast du mich denn nicht schon vorher angerufen?“

Während ich meine Wehen veratmete, packte Mama alles zusammen und schaffte die Taschen ins Auto. Gegen viertel elf fuhren wir durch die dunkle, verschneite Stadt ins Krankenhaus.

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…sind die einzige halbwegs verlockende Süßigkeit in meinem ansonsten gut bestückten Süßigkeitenkörbchen. Der Knaller sind die nicht. Aber der Typ hat sie während der Eingewöhnung des Olivenkindes hier deponiert und jetzt ess ich sie in der Not eben auf.

Hmpf. Ganz ehrlich, es wäre gerade Zeit für alle möglichen Süßigkeiten oder Leckereien: Ben&Jerrys Eis, Pistazien, die leckeren Salz- und Pfeffer-Chips von A.ldi, Knisterschokolade – ich könnte stundenlang so weitermachen 🙂 Und ich esse? SCHOKOROSINEN!!!! In dieser Woche, in der ich mir nur das Leckerste verdient hätte, denn so toll lief´s bisher nicht.

Der Anfang war nichtmal so schlecht: Montagmorgen war der erste Tag, an dem wir richtig früh ranmussten. Um halb sechs klingelte der Wecker (hab´ ich schon erwähnt, wie sehr ich frühes Aufstehen hasse?), denn um halb sieben mussten wir zwei Mädels gestylt das Haus verlassen. Hat erstaunlich gut und auch recht entspannt geklappt, was mit daran lag, dass ich genügend Pufferzeit für verschlafenes Vesperdosenrichten und müdes Kaffeeschlürfen eingeplant hatte. Somit konnte ich ein zufriedenes, wenn auch müdes Olivenkind rechtzeitig und ganz in Ruhe in der Kita abgeben und danach zufrieden, wenn auch müde, im Auto weiterdüsen, um etwas für mein Geld zu tun (oder so ähnlich, denn es war einer dieser Tage, an denen man sich doch sehr fragt, wozu man sich überhaupt in Richtung Arbeitsplatz bewegt hat…).

Mittags konnte ich die Vorzüge der Kinderbetreuung genießen, denn während ich ausnahmsweise bereits um halb zwölf zuhause war, musste ich die Püppi erst um 14 Uhr abholen, so dass mir zweieinhalb wunderbare Stunden ganz für mich blieben. Yeah!! Entspannt essen, bisschen aufräumen und sogar *Trommelwirbel und Lichtshow*: ein NICKERCHEN machen!! Auf der Couch, beim Sturm der Liebe auf dem Notebook schauen. Hach! Tiefenentspannt konnte ich anschließend zur Kita fahren, um dort gleich zweimal zu erschrecken: 1. Mein Mäuschen hatte eine riesige (na gut, übertrieben), blutige Schramme über der Augenbraue. Sie war wohl im Hof gegen ein Spielgerät gelaufen- AUA!!! Mamaherzächzen! Heuli!! 2. Das Kind hustet. Und zwar so richtig. Klar, dass die Krankheiten früher oder später auch auf uns zukommen, trotzdem hätte sie sich damit noch ein wenig Zeit lassen können.

Zuhause befragte ich während ihres zweiten Mittagsschlafes (schon das gab mir zu denken- ein Schläfchen in der Kita und noch EINE Stunde Schlaf zuhause? ) die lieben Twitterdamen zum Thema Husten, da ich nicht wegen ner Kleinigkeit zum Kinderarzt rennen wollte. Leider hörte sich jedoch nach dem Aufwachen der Husten so bedenklich an, dass ich kurzentschlossen zum Kinderarzt fuhr. Wir bekamen Hustensaft verschrieben und ich den Rat, das Olivenkind zuhause zu lassen, falls sie am nächsten Tag fiebrig und/oder schlapp wäre. Nach einer unruhigen Nacht bleib ich also mit schlappem, weinerlichem Kind zuhause. Eigentlich war ich sicher, heute wieder arbeiten zu können, doch leider kam gestern abend auch noch Fieber dazu. Noch ein Tag zuhause. Und auch heute wieder: Fieber. Ganz klar, die Gesundheit meines Kindes gibt vor, aber: mir stehen nur 5 Krankentage für sie zu (und vermutlich nochmal 5 Tage, weil ich alleinerziehend bin). Viel ist das nun eben nicht, und wir haben erst Februar. Hoffentlich kommen wir hin damit. Morgen habe ich zum Glück meinen freien Tag, so dass ich die Kleine problemlos noch einmal zuhause lassen kann  und am Freitag kann sie zur Not bei ihrem Papa bleiben, der übers Wochenende da ist. Ich hoffe allerdings, sie Freitag wieder in die Kita geben zu können, um sie nicht zu sehr in der Eingewöhnung zurückzuwerfen.

Und sonst so? Ach ja. Ich bin selbst nicht wirklich fit, weshalb mir die Tage zuhause einerseits sicher guttaten, ich andererseits aber auch wirklich Mühe hatte, das krankheitsbedingte Quengeln des Olivenkindes geduldig hinzunehmen (wobei ich zu ihrer Verteidigung sagen muss, dass sie nur morgens nölig war) . Denn nein, Krankentage mit Kind sind KEIN Urlaub. So.

Außerdem sei festgestellt, dass es Telefongespräche gibt, bei denen man KEINE Frauenstimmen im Hintergrund hören möchte und dass man sich mit einem fiebernden Kind alleinerziehender als sonst fühlt. Ich habe derzeit teeniemäßige Anwandlungen, die sich hoffentlich schnell verziehen. Grr.

Sonst noch erwähnenswert? Mein „erstes Mal“ heute: zum ersten Mal die Wohnung fremdputzen lassen. Ein Traum, ich sag es euch! Ich würde diese Frau heiraten, so schön ist das, wenn die Wohnung blitzt, ohne dass man selbst den Lappen schwingen musste! Hach! 🙂

Ansonsten hab ich gerade schlimmen Heißhunger auf Süßes, aber vergesse beim Einkaufen, etwas Leckeres mitzunehmen, so dass ich abends lauter doofe Süßigkeiten essen muss. Gnaaaaaah!!!

Und ich glaube, damit wären wir wieder am Anfang angelangt…  die Schokorosinen…

Naja, besser als nix, hm?

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