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Posts Tagged ‘Geburt’

Während der Autofahrt rief ich im Kreißsaal an, um uns schon mal voranzumelden und erklärte, dass wir in der nächste Viertelstunde ankommen würden.Zum Glück dauerte die Fahrt von meiner Wohnung zum Krankenhaus unter normalen Umständen nur 5-7 Minuten, so dass wir trotz des Schnees nicht allzulange brauchen würden.

„Wann kommt eigentlich der Zeitpunkt, an dem du Witze machst und mich ein bisschen zum Lachen bringst, wie wir das eigentlich ausgemacht hatten? Nachdem du schon kein Sturm der Liebe mit mir schauen wolltestr?“ fragte ich meine Mutter im Auto. „Bisher musste ich alle Witze selber machen!“ – „Sobald ich weiß, dass wir die Kleine nicht im Auto entbinden müssen, kann ich wieder Witze machen. Aber bis wir im Krankenhaus sind, stehe ich LEICHT unter Strom!!“ Na gut, eben keine Witze unterwegs.

Als wir am Krankenhaus ankamen, hatten die Wehen ein neues Level erreicht. Waren sie zuhause zwar schmerzhaft, aber trotz allem noch aushaltbar gewesen, begann ich nun, jede neue Wehe zu fürchtem, denn ich hatte Angst, es rein kräftemäßig nicht mehr in den Kreißsaal zu schaffen. Wir hielten auf einem der Notfallparkplätze vor dem Krankenhaus und gingen ohne mich anzumelden direkt zu den Fahrstühlen. Vor dem Fahrstuhl kam eine Wehe, die ich kaum veratmen konnte und die uns zeigte, dass es nun wirklich Zeit wurde, oben anzukommen. Am Kreißsaal klingelten wir und nach kurzer Wartezeit streckte eine junge Hebamme den Kopf heraus. „Hallo! Wir haben telefoniert? Können Sie noch ganz kurz warten? Wir sind hier mitten in der heißen Phase unter der Geburt!“ – „NEIN!“, presste ich heraus, während mich die nächste Wehe erwischte. „Okay, einen Moment, ich hole eine Ärztin!“

Wir wurden in ein Untersuchungszimmer geführt, in dem ich bereits zur Akkupunktur gewesen war und eine junge Ärztin, an die ich mich noch vom Infoabend erinnerte, kam herein und fragte, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie mich jetzt untersuchen würde. Klar. Mit Hilfe meiner Mutter legte ich mich hin und zog meine Hose aus, was durch die wirklich schmerzhaften Wehen schwer fiel.

Als ich auf der Untersuchungsliege lag, und die Beine aufstellen musste, merkte ich erst, dass meine Beine so sehr zitterten, dass sie gegeneinander schlugen, Ich schaffte es kaum, sie stillzuhalten. Die Hormone und die Anstrengung, erklärte mir die Ärztin. „Ich möchte eine PDA!“ sagte ich nach einer Wehe. „Ich möchte sofort eine PDA, bitte!“ -„Ich untersuche sie erstmal, dann sehen wir weiter.“ Während die Ärztin das CTG anschloss und mit der Untersuchung begann, erkundigte sie sich, wieso wir nicht schon früher gekommen wären, wo ich doch offensichtlich wirklich starke Wehen hatte. Ich erklärte ihr, dass ich keine Lust hatte, zu den Frauen zu gehören, die mit einem Lächeln und den Worten „Kommen Sie wieder, wenn sie richtige Wehen haben!“ nach Hause geschickt werden. „Ich wollte kein Jammerlappen sein!“ Die Ärztin untersuchte mich. „Also, ein Jammerlappen sind sie nicht und nach Hause geschickt hätten wir sie auf keinen Fall, Frau …. Der Muttermund ist bei 8 cm, das heißt, sie haben die Eröffnungsphase schon fast vollständig geschafft!“ Meine Mutter war fassungslos: „8 cm??? Du bist kein Jammerlappen, du bist eine Heldin!“ Sie hatte glasige Augen und drückte meine Hand ganz fest.

Was mich jedoch am meisten beschäftigte, war die PDA. „Sagen Sie´s nicht,“ sagte ich leicht agresssiv zur Ärztin, „es ist zu spät für eine PDA, oder? Ich seh es ihnen am Gesichtsausdruck an!“ – „Ganz ehrlich, Frau …, eine PDA macht keinen Sinn mehr! Wir sind hier kurz vor der Austreibungsphase und eine PDA würde alles nur verzögern! Und die Hormone, die sie gerade produzieren, sind super für ihr Baby! Bei einer PDA würden diese Hormone nicht mehr ausgeschüttet und das Kind hätte viel mehr Stress. Und außerdem haben Sie es so bald geschafft!“ – „Was heißt bald?“ – „Hm, also heute schaffen wir es wohl nicht mehr, aber ich denke, in den nächsten Stunden halten sie ihr Baby in den Armen!“ Es war 22.40. Wenige Stunden? Unglaublich. Ich spürte, wie mich die Aufregung erfasste. In wenigen Stunden würde ich dich kennenlernen. Ich konnte es kaum erwarten.

Dr. E. fragte mich, ob ich einen bestimmten Wunsch habe, in welchem Kreißsaal ich entbinden wolle. Das hatte ich tatsächlich und ich fragte, ob der letzte Kreißsaal noch frei sei. Ich hatte Glück, der Kreißsaal war nicht belegt. Von der Akkupunktur her kannte ich diesen Raum und ich hatte ihn als wunderschön und sehr beruhigend in Erinnerung. Er war mit einer Wanne ausgestattet, hatte einen Sternenhimmel aus lauter kleinen Leuchtspots an der Decke und war mit Blumen und Ranken im Urwaldstil gestaltet. Als wir hinüberkamen, wollte ich mich direkt auf das Kreißsaalbett legen. Ich habe öfter von Frauen gehört, die keineswegs im Liegen entbinden wollten, aber mir fehlte für alles andere die Kraft. Ich war so erschöpft, dass ich nur liegen konnte. Dr. E. versuchte das Kreißsaalbett herunterzufahren, doch aus irgendeinem Grund funktionierte es nicht. Meine Mutter grinste mir verschwörerisch zu, denn beim Infoabend damals hatte bei Dr. E. auch der Beamer nicht funktioniert „Jaja, mal wieder die Technik“, flüsterte sie. Ich kletterte also mit vereinten Kräften der Ärztin und meiner Mutter auf das Kreißsaalbett. Nebenan konnte man hören, dass die Entbindung in die letzte Runde ging. Ich konnte eine Frau schreien hören. Die hat es bald geschafft, dachte ich. Immer wieder hatte ich Wehen, die ungeheuer schmerzhaft waren.

„Wollen sie denn noch baden? Die Zeit würde sicher reichen, ihnen ein Bad einzulassen!“ Es war komisch, eigentlich hatte ich immer gedacht, gerne in der Wanne entbinden zu wollen, aber die Vorstellung, jetzt im warmen Wasser liegen zu müssen, war mir unerträglich und ich verneinte. Ich spürte einen starken Druck auf meiner Blase und kündigte an, auf die Toilette gehen zu wollen. „Sind sie sicher? Manchmal fühlt es sich auch nur so an, wenn das Kind nach unten drückt!“ -„Ich will JETZT auf die Toilette!“ – die Wehen machten mich wenig diplomatisch, so dass alles eher schroff über meine Lippen kam. Aber ermutlich sind Ärzte und Hebammen daran gewöhnt. Meine Mutter und die Ärztin begleiteten mich zur Toilette und die Ärztin erklärte, die Türe müsse aus Sicherheitsgründen offen bleiben. Meine Mutter kam mit hinein und ich hatte panische Angst, auf der Toilette eine Wehe zu bekommen und diese im Sitzen oder Stehen aushalten zu müssen. Nachdem ich meine Blase entleert hatte, rollte die nächste, unglaublich starke Wehe über mich hinweg. Ich schleppte mich zurück zum Kreißsaalbett und schaffte es erneut irgendwie, mich hinaufzuhiefen.

Die folgenden Erinnerungen unterscheiden sich seltsamerweise zeitlich stark von dem Geburtsbericht, den ich im Nachhinein aus dem Krankenhaus angefordert hatte. Laut Bericht setzten die Presswehen erst gegen 0 Uhr ein und ich hatte auch nur sehr wenige Presswehen. Dies stimmt überhaupt nicht mit meiner Erinnerung überein, nach der ich bereits kurz nach diesem Toilettengang die ersten Presswehen hatte und nach der sich die Presswehenphase wirklich lange hinzog. Da auch einige andere Angaben im Geburtsprotokoll zeitlich einfach nicht möglich sind, nehme ich an, dass die Zeiten nachträglich von der Hebamme eingetragen wurden und daher nicht mit den tatsächlichen Zeiten übereinstimmen.

Als ich wieder auf dem Kreißsaalbett lag, spürte ich, dass die Wehen eine neue Dimension erreicht hatten. Ich war völlig überwältigt und überrascht von dem Schmerz, den ich empfand. So etwas hatte ich noch nie, niemals erlebt. Es war nicht nur so, dass dieser Schmerz stärker war als alles, was ich kannte, es war schlicht und einfach nicht aushaltbar. Es fühlte sich an, als würde es mich umbringen und ich wusste, ich würde diese Wehen nicht eine Minute länger aushalten. Ich kann das nicht! Schneiden sie sie raus! Wir machen einen Kaiserschnitt, ja? Die Ärztin lächelte. Wir machen jetzt keinen Kaiserschnitt, Frau…. Das schaffen sie! Nicht mehr lange und sie haben ihr Baby! Im Nebenraum hörte ich die Frau noch einmal schreien und wenig später ertönte Babygeschrei. Neid durchzuckte mich. Die hat es geschafft, die Glückliche… Wenn ich nur auch soweit wäre, ging es mir durch den Kopf.

Es muss einen Wechsel zwischen Dr. E. und Laura, der Hebamme gegeben haben. Laura fragte mich, ob es in Ordnung für mich sei, wenn wir uns duzen würden. Ich musste grinsen bei der Vorstellung, mir könne das „Du“ einer Frau, die eine derart intime Erfahrung miterleben würde, irgendwie unangenehm sein. Gerne, sagte ich. Bei der nächsten Wehe spürte ich auf einmal einen unbändigen Drang, zu pressen. Da ich bereits gelesen hatte, dass man nicht immer gleich mitpressen dürfe, fragte ich, panisch, weil das Pressbedürfnis so stark war, ob ich mitpressen dürfe. „Darf ich pressen, ja?“ – Laura schaute nach und erklärte, bei der nächsten Wehe dürfe ich mitpressen. Ich erinnerte mich an Gespräche mit Freundinnen, die erzählt hatte, aus Angst vor den Schmerzen nur leicht gepresst zu haben. Das würde mir nicht passieren. Ich wollte so stark wie möglich pressen, um so schnell wir möglich FERTIG zu sein. Um diese grauenhaften Schmerzen zu überstehen und endlich mein Baby bei mir zu haben. Also presste ich. Ich legte all meine Kraft hinein und ich presste wie eine Wahnsinnige. Ich schwitzte wie verrückt. Mit war unendlich warm, die Sweatjacke hatte ich längst ausgezogen.

In jeder Wehenpause reichte mir meine Mutter Wasser, ohne dass ich einmal darum bitten musste. Sie wusste immer, was ich brauchte, wo sie zu stehen und wie sie meine Hand zu halten oder mich anzufassen hatte. Obwohl ich ein sehr körperbetonter Mensch bin, konnte ich während der Wehen manche Berührungen nicht ertragen. Als Dr. E. später einmal mein Bein streichelte, brüllte ich „Finger weg!“ (normalerweise nicht mein Umgangston…), weil mir die Berührung unerträglich war.

Ich tönte während der Wehen. Einmal schrie ich laut, woraufhin mir die Hebamme erklärte, es sei besser, wenn ich diese Energie spare und mich darauf konzentrierte, beim Pressen mitzutönen. Die Wehenpausen waren immer wieder eine Erlösung für mich. Doch dann spürte ich wieder, wie die Wehe heranrollte. Wie große Wellen, die über mich heranbrachen, konnte ich sie von fern erahnen und rasend schnell schlugen sie über mir zusammen. Wie ein ferner Regelschmerz kündigten sie sich an, ehe sie als körperzerreißende Schmerzen über mir zusammenbrachen. Es geht weiter, kündigte ich jedesmal an, woraufhin sich alle wieder in Position brachten, um mir beizustehen und mich anzufeuern. „Los, Frau …, press! Du musst pressen!!!“ brüllte Dr. E. Und bei jeder Wehe presste ich wie wahnsinnig, immer die Hoffnung im Hinterkopf, gleich die erlösenden Worte „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören. Irgendwann rief die Hebamme: „Wir können schon das Köpfchen sehen, die Kleine hat ganz viele dunkle Haare!“ Das sagen sie sicher jeder Frau, um sie bei der Stange zu halten, dachte ich pessimistisch. Ich konnte nicht mehr. Die Presswehen schienen sich ewig hinzuziehen und ich hatte das Gefühl, als ginge nichts voran. Ich war völlig entkräftet und wusste nicht, wie lange ich das noch durchhalten würde. Ich hatte eigentlich erwartet, bei den Presswehen schreien oder schimpfen zu wollen, statt dessen tönte ich immer nur und versuchte, nicht in die Hechelatmung zu verfallen, das diese nicht so gut für das Baby sei, wie mir Laura gesagt hatte. Versuch, tief zu atmen. Gib deinem Baby Sauerstoff, ihr braucht ihn beide. Einzig einmal, bei einer wirklich unerträglichen Wehe, fluchte ich laut: „Fuck!!“ Meine Mutter, die nach eigenen Angaben bei jeder Geburt geschimpft hatte wie ein Rohrspatz, war lustigerweise ganz erschrocken über diesen Ausbruch.

Die Fruchtblase, die nach Angabe Lauras die ganze Zeit zum Zerreißen gespannt war, platzte bei einer der nächsten Presswehen. Ich spürte eine gewisse Erleichterung, während das Fruchtwasser in einem Schwall aus mir herauslief.  Jetzt würde es hoffentlich vorangehen.

„Nur noch ein paar Presswehen und du hast es geschafft“, rief Laura irgendwann enthusiastisch. „EIN PAAR??? Noch so lange???“, fragte ich entsetzt. Laura war überrascht. Sie hatte erwartet, dass mich diese Aussicht erleichtern würde. Statt dessen hatte ich das Gefühl, noch ewig so weitermachen zu müssen.

Zwischenzeitlich hatte ich eine ungewöhnlich lange Wehenpause. Ich war unendlich dankbar über diese Erholungspause und kostete diese Möglichkeit, kurz zum mir zu kommen redlich aus. Mama war jedoch besorgt. Das fauert so lange! Was ist mit dem Baby? Doch dem Olivenkind ging es gut und die Herztöne waren in Ordnung.

Irgendwann verließ Frau Dr. E. den Raum. „Weißt du, was Dr. E. jetzt macht?“, fragte mich Laura. „Sie ruft jetzt Prof. W. an. Der möchte nämlich dabei sein, wenn deine Kleine zur Welt kommt. Das heißt, du hast es bald geschafft! Du bist fast soweit!“ Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Prof. W. langsam aus dem Bett stieg, sich anzog, ins Auto stieg und gemächlich zum Krankenhaus tuckerte. Und so lange würde ich noch warten müssen? Enthusiasmus sah anders aus…  Doch schon ging es  weiter.

Wieder pressen, Frau Dr. E. war zurück. „Ok, Frau …, wir haben ein Problem. Die Kleine stößt immer wieder mit dem Kopfchen an und es geht hier nicht weiter. Damit sie besser durchkommt und alles etwas schneller geht, werde ich jetzt..“ -„MACHEN SIE ES EINFACH! Ich will es nicht WISSEN!!!“ stieß ich hervor. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten sie uns gesagt, der Dammschnitt werde, wenn er denn nötig sei, ohne Vorankündigung durchgeführt, dann spüre man ihn kaum während der Wehe. Nun, ich spürte ihn. Ich hörte das Knacken und spürte das Blut und den Schmerz. Und dann ging es auch schon wieder weiter. Pressen, pressen.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die erlösenden Worte: „Jetzt nicht pressen, warten, warten… Und jetzt schieb! Das Köpfchen kommt!“

Ich presste erneut wie eine Wilde, mit aller verbleibenden Kraft und dein Köpfchen wurde geboren. Eine Freundin hatte mich vorgewarnt, dass Babys oft erst blau werden und nicht gleich zu atmen beginnen. Die Sorge war unbegründet. Noch ehe dein restlicher Körper geboren war, begannst du zu schreien. Mein wildes kleines Mädchen.

Mit der nächsten Wehe kam dann um 00:38 auch der restliche Körper. Man fragte mich, ob ich dich selbst hochnehmen wolle und ich bat darum, mir dich auf den Bauch zu legen. Ich zog mein Top herunter, um dich ganz nahe bei mir zu haben und dann lagst du da. Mit wachen, großen Augen und seidigem schwarzem Haar. Du warst perfekt. Das schönste, wundervollste Gefühl der Welt.

Ein wunderschönes Gesicht, ein kleines rotes Mündchen. Und, die eindrücklichste Erfahrung: dein zarter, babyweicher Rücken unter meinen Händen. Die winzigen perfekten Wirbel und deine Schulterblätter. Ein echter, neuer Mensch. Weicher Babyflaum auf deinen Schultern, Käseschmiere an deinem Rücken und meinen Händen .

00: 38 geboren, gerade mal zwei Stunden nach unserer Ankunft im Krankenhaus. 53 cm groß und 3310g schwer. Mein Wunder. Mein Bauchbaby.

Mein pures Glück.

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Mein Mädchen,

heute vor 18 Monaten lag ich im Kreißsaal und war noch etwas mehr als eine Stunde davon entfernt, dich kennenzulernen. Es war die schlimmste, anstrengendste Phase dieser Geburt. Presswehen, immer wieder Presswehen und nichts tat sich, so schien es mir. Immer wieder wartete ich darauf, das erlösende „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören, aber das sollte noch eine ganze Weile dauern…

Achtzehn Monate, eineinhalb Jahre. Eine kleine Ewigkeit. Wie lange das her ist, wurde mir gestern klar, als wir uns mit deiner frischgeschlüpften Großcousine zum Spazierengehen trafen. Fünf Wochen ist sie alt und lag friedlich schlafend und winzigklein in ihrem Wagen. Und daneben du, mein großes, großes Mädchen.

Du bist gerade etwa 82 cm groß und wiegst ca 10 Kilo. Das ist gar nicht so schwer, wenn man bedenkt, dass du am Liebsten den ganzen Tag lang essen würdest.. Morgens in der Kita bist du zufrieden, wenn du mit deiner Vesperbox in den Frühstücksraum marschieren darfst. Mittags beim Abholen höre ich meist „Sie hat wieder 2 (3) Portionen gegessen!“. Und zuhause ist das erste, was ich von dir höre: „NANANE!!“ – in einem Kasernenbefehlston, der mich immer wieder zum Lachen bringt. Meist isst du also eine Banane oder ein Müsli mit Erdbeeren und Banane. Gehen wir noch in die Stadt, so isst du dort noch ein Einback oder ein Rosinenbrötchen und abends oft noch ein oder zwei Brote und eine Tomate. Wenn du zuhause ferühstückst, dann dürfen es gerne zwei bis zweieinhalb Brote sein (das esse ich auch!). Du siehst, wenig ist das nicht 😉

Es gibt fast nichts, was dir nicht schmeckt und das ist wirklich toll. Es macht darum auch riesigen Spaß, für dich zu kochen und dir Neues anzubieten, denn du probierst ganz furchtlos und spuckst nur selten etwas aus.

Was du am liebsten isst und trinkst: Pfannkuchen, Reis-Gemüse-Pfanne, Spätzle, Spargel, Bananen, Marmeladenbrote, Erdbeeren, Trauben, Tomaten, Karotten, frischgepressten Orangensaft, Wasser, deinen Schoppi, Apfelsaftschorle, Rotbäckchensaft…

Dass du trotz deiner Esserei doch recht zart bist, liegt sicher daran, dass du ein solcher Wirbelwind bist. Kleine Maus, manchmal wünschte ich mir wirklich, du könntest einmal für fünf Minuten still sitzen. Vielleicht ein Buch mit mir ansehen oder ein Puzzle machen. Aber von wegen. Action, action, action. Es gibt Tage, da bist du pausenlos in Bewegung, wie aufgezogen. Da wird überall gesucht, entdeckt und ausprobiert. Schranktüren geöffnet, Schubladen aufgezogen, Bücher aus dem Regal geworfen- das volle Programm eben.

Im Moment ist zu meinem Leidwesen dein liebstes Spiel, auf der Couch zu hüpfen zu klettern und sich über irgendwelche Kissen zu werfen. Dabei bist du so wild und ungestüm, dass ich nur darauf wartem dass du irgendwann herunterfällts. Und zwar mit Schwung. Heute war ich glücklicherweise daneben und konnte dich gerade noch festhalten, als du mit dem Gesicht voran hinbter einem Kissen her rutschtest. Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, wie dein Gesichtchen sonst ausgesehen hätte. Ich versuche immer wieder, dir beizubringen, dass auf der Couch nicht gehüpft wird, aber das ist schwierig. Denn du scheinst mein Schimpfen und ernstes „Nein“überhaupt nicht als erst zu empfinden, sondern kreischst und lachst meist vor Vergnügen und kriegst dich kaum noch ein. Ich hoffe sehr, ich finde einen Weg, dir das klarzumachen, ehe du wirklich einmal von der Couch fällst.

Furchtlos bist du nicht nur zuhause, auch auf dem Spielplatz tobst du wie eine Große. Diese Woche bist du zum ersten Mal alleine gerutscht und hast durch stundenlanges „Üben“ auch entdeckt, wie du am besten alleine die Leiter zur Rutsche bezwingst. Auch die Schaukel liebst du sehr und manchmal, wenn ich ganz viel Glück habe, kannst du auch versunken eine Weile mit deinem Eimerchen, Schäufelchen und Förmchen im Sand spielen und ganz ruhig sitzenbleiben. Manchmal…

Beim Spielen zuhause liebst du vor allem deine Puppen. „Pubba, Pubba“, höre ich immer wieder und oft muss die kleine Puppe, deine Mimi, auch mit ins Bett. Tagsüber wird sie im Puppenwagen umhergefahren, geküsst, mit „Eias“ bedacht und darf „Backe backe“ machen, wobei du sie in die Hände klatschen lässt. Richtige Mädchenspiele eben ;-). Neben den Puppen ist jedoch vor allem der „Baj“ angesagt. Du liebst Bälle und entdeckst sofort, wenn irgendwo einer herumliegt. Und du spielst auch ganz toll mit ihnen, kickst wie eine kleine Fußballerin, im Stand, aus dem Laufen und mit richtig viel Schwung. (Und wenn du ein „Tor“ schießt, klatschst du dir selbst Applaus. 😉 ). Wer weiß, wie sich das noch entwickelt… 😉

Deine Sprachentwicklung hat in den letzten Wochen einen riesigen Sprung gemacht. Auf Fragen kannst du mit Ja oder Nein antworten, du verstehst vieles und kannst langsam einige der Gegenstände um dich herum benennen. Eine Auswahl:

dinda – trinken

Booo – Brot

Nunu – Schnuller

biddee – bitte

dangeee – danke

ja

nei/ nein

allo – Hallo

dada – tschüss

Wawa – Hund

MMa – Oma

Tande – Tante

Buba – Opa

Dinda –  Kinder

Mama

Papa

Miau – Katze

Pubba – Puppe

Bajj – Ball

Bambampe – Bauchnabel

Nanane – Banane

Waaah – Tiger, Löwe

Muh – Kuh

Mäh – Schaf

Uume – Blume

Bam – Baum (kurioserweise auch Leberfleck, Mamas B.rust und Bauch)

Am – Arm (als Antwort auf die Frage “Willst du auf den Arm?)

Running Gag ist nach wie vor der “Küsschen – Dialog” : “Kriegt die Mama (der Opa, die Oma…) einen Kuss?” – “NEINNN!”. Lustigerweise bist du bei anderen Kindern, Puppen und Spielzeug eine große Küsserin und auch ich muss den Lieblingsspielsachen immer wieder meine Liebe beweisen. Mehrmals am Tag streckst du mir kleine Legotiere, Stofftierchen oder Pubbas entgegen, damit ich sie küsse oder “Eia” mache. Zum Glück bekomme ich mein tägliches Küsschen beim Verabschieden in der Kita und wenn ich viiiiiel Glück habe, streckst du mir auch mal am Nachmittag dein kleines Schnütchen entgegen und gibst mir einen Schmatz.

Leider ist das Schlafen tagsüber gerade ein wenig problematisch. Du schläfst zwar nach wie vor alleine ein, wachst aber nach ca. 40 Minuten wieder auf. Und das ist zu wenig für uns beide. Du wirst unheimlich früh wieder müde und möchtest am liebsten um 18 Uhr wieder schlafen und ich schaffe es in dieser Zeit kaum, das Chaos in der Wohnung zu lichten, geschweige denn mal ein paar Minuten für mich zu haben. Hoffentlich pendelt sich das wieder ein, wenn morgen wieder die Kita beginnt.

Was sich in den letzten Wochen definitiv weiterentwickelt hat, ist dein eigener Wille. Nicht, dass du den nicht schon vorher gehabt hättest, aber er äußert sich nun auch gerne mal in einem handfesten Trotzanfall. Von auf-den-Boden-werfen bis hin zu steif-machen-und-schreien ist wirklich alles dabei. Treten, heulen, weinen… Das Wickeln artet oft in riesiges Geschrei aus, das die Nachbarn sicher vermuten lässt, du würdest gerade geschlachtet. Ääähm, nö, eigentlich nicht. Besonders nach anstrengenden Kita und Spielplatztagen bist du abends oft richtig müde und fertig, was die Stimmung beim Wickeln und bettfertig machen nicht gerade verbessert. Dann kann es schonmal vorkommen, dass du das gesamte Fertigmachen über durchbrüllst. Und ich gebe zu, manchmal möchte ich einfach mitbrüllen oder antworte schon mal mit einem gereizten “Das Windelwechseln mach MIR gerade auch nicht mehr Spaß als dir, das musst du nicht meinen!!”. Mamas sind eben auch nur Menschen.

Zum Glück bessert sich die Laune beim anschließenden Booo essen und dem Schoppi immer wieder, so dass unsere Abende immer sehr ruhig und schön ausklingen. Den Schoppi trinkst du immer auf einem Kissen auf der Couch, über die ich dann immer eine kleine Decke lege, falls mal etwas Milch danebenläuft. Seit du selbst auf die Couch klettern kannst, kommt es schon mal vor, dass du bereits rüberläufst, die Decke ausbreitest und dich bereits in Position begibst, während ich die Milch warmmache. Beim ersten Mal habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich dich da liegen sah!

Nach dem Schoppi bekommst du deinen Schnuller und dann liegst du noch eine Weile bei mir, den Kopf in meine Halsbeuge gekuschelt und döst vor dich hin oder schläfst schon mal ein. So sitzen wir dann und können beide zur Ruhe kommen. Später trage ich dich dann in dein Zimmer. Bist du noch wach, dann beten wir, ich decke dich zu und sage dir gute Nacht. Und wenn ich dann später ins Bett gehe, dann hole ich dich rüber ins große Bett. Erstens ist es einfach schön, dich bei mir zu haben, zum anderen erleichtert es das nächtliche Schnullersuchen oder das Trösten nach einem schlechten Traum unheimlich, denn so schläfst du ratzfatz wieder ein und in vielen Nächten weiß ich hinterher gar nicht, ob du überhaupt einmal wachwurdest, weil wir so schnell wieder eingeschlafen sind.

Während ich gestern abend diesen Eintrag schrieb, hörte ich dich plötzlich aus dem Babyphone weinen. Ich ging schnell hinüber in dein Zimmer und fand dich weinend im Bett sitzen. Als ich dich aus dem Bettchen hob, wirktest du völlig wach und wolltest dich auch nicht wieder hinlegen lassen. “Nein, nein!” war die entschiedene Reaktion auf meine Versuche. Also nahm ich dich mit hinüber und legte dich ins mein Bett. Das war ok, jedoch nur, solange ich daneben lag. Als ich vorsichtig aus dem Schlafzimmer schlich, um die Lichter ausschalten und mich bettfertig machen zu gehen, hörte ich es hinter mir sofort rascheln und tapsen- du kamst hinterher. Na gut, nahm ich dich eben mit (auch wenn ich befürchtete, du könntest so wach werden, dass die nächsten Stunden an Schlaf nicht mehr zu denken sei…). Gemeinsam machten wir die Lichter aus und gingen ins Bad, wo ich mich fertigmachte und dir noch eine frische Windel verpasste. Dann legten wir uns gemeinsam ins Bett. Im Dunkeln konnte ich die Digitalanzeige des Videorecorders sehen. 00:30. Während du auf mich klettertest und deinen Kopf in meine Halsbeuge legtest, erzählte ich dir, dass 18 Monate zuvor gerade die allerletzten Minuten deiner Geburt angebrochen waren. Ganz still lagst du da und hörtest mir zu. Und so kam es, dass wir um 00:38 Uhr, auf die Minute genau 18 Monate, nachdem du geboren und mir auf die Brust gelegt wurdest, beieinander lagen wie damals. Ganz still und friedlich und voller Liebe.

Mein Mädchen. Zum 18-Monatsgeburtstag wünsche ich dir alles Gute und gebe dir einen dicken Kuss.

Ich liebe dich, mein Schatz!

Deine Mama

 

 

 

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