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Posts Tagged ‘Glück’

… das Gefühl, wenn ich dich aus der Kita abholen darf. Als die Erzieherin deinen Namen ruft, kommst du aus dem Spielzimmer. Du siehst mich in der Türe stehen und rennst mit einem Strahlen im Gesicht und lautem „Mamiiii!“ auf mich zu. Am liebsten würde ich fünf Minuten mit dir hier stehenbleiben und dich nur an mich drücken. Deinen Duft riechen und einfach das Gefühl genießen, dich wieder bei mir zu haben. Die Liebe spüren, die mein Herz überflutet. Statt dessen zappelst du los, die Erzieherin berichtet mir, wie lange du geschlafen hast und du und ich, wir diskutieren miteinander, ob Schuhe anziehen/ Jacke anziehen/ nach Hause gehen wirklich nötig ist („NAIIIN!“). Wir ziehen dich an und ich frage, ob du den anderen noch Tschüss sagen möchtest. Du rufst den anderen Kindern ein „Tschüss“ zu, ehe du dich jeder Erzieherin einzeln zuwendest. „Tüss, Dendy! Tüss, Babine! Tüss, Agnes!“- Ich stehe im Flur und platze fast vor Stolz auf dich. Draußen, an der Steintreppe, strecke ich dir meine Hand entgegen und du legst deine hinein. Liebe überflutet mich und ich drücke deine Hand. Es gibt kaum etwas Schöneres als dieses Gefühl, deine kleine, warme Hand so in meiner zu spüren. Voller Vertrauen und Nähe. Auf dem Weg zum Auto erzählst du mir, was du siehst („Oh sau, Mama! Feiawea!“) und berichtest mir kleine Bruchstücke aus deinem Kindergartentag („Linus weinen!“).  Und ich höre dir zu und freue mich unendlich, dich wieder bei mir zu haben.

So ist das wohl, mit Kindern. Dass die kleinen Alltagsdinge manchmal genau die sind, die das Herz zum Überfließen bringen.

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Mein Schatz,

heute ist er, dein großer Tag: du wirst zwei Jahre alt. Einerseits scheint es mir, als hätte ich dich erst gestern auf meine Brust gelegt bekommen, hätte gerade eben erst deine zarten Wirbelchen unter meinen Händen gespürt. Andererseits ist es, als wärst du schon immer Teil meines Lebens, Teil von mir. Wir beide sind gemeinsam gewachsen und genauso, wie du dich in den letzten beiden Jahren entwickelt hast, so habe auch ich mich verändert, weiterenwickelt. Habe gelernt, mich zurückzunehmen. Habe gelernt, wie sehr ich lieben kann. Habe (zu oft) entdeckt, wo meine Grenzen liegen und wie weit ich sie aus Liebe ausdehnen und verschieben kann. Wie beide haben von- und miteinander gelernt. Als Einheit, als Familie.

Du bist in diesem vergangenen Jahr vom Baby zum Kleinkind gereift. Hast nach dem sicheren Gang das Rennen, Hüpfen und Tanzen für dich entdeckt. Bist vom Mama-Dada-Erzählen zum Sprechen und zum Singen gekommen. Hast deine Persönlichkeit weiterentwickelt und die Welt für dich entdeckt. Selbstständig bist du geworden. Ein KiTa-Kind, das sich problemlos vom sicheren Zuhause gelöst und seine ersten Schritte ins „eigene Leben“ gemeistert hat. Was die KiTa angeht, bist du ein kleines Gewohnheitstier geworden. Der einzige Tag im vergangenen Jahr, an dem ich dich weinend verabschieden musste, war der, an dem ich dir kein Frühstück eingepackt hatte, weil du zu Hause schon so viel gefühstückt hattest. Ein böser Fehler, denn der Wechsel in deiner täglichen Routine „ankommen und erstmal etwas essen“ warf dich völlig aus der Bahn. Dein gewohnter Rhythmus, der dir schon zu Hause in so Vielem gut tut, gab und gibt dir eben auch dort, im Kindagarten Halt. Es ist so schön zu sehen, wie wohl du dich dort fühlst. Wie du mit den anderen Kindern spielst, deine Erzieherinnen mit Namen begrüßt „Moagen Menanieee!“ „Hallo ´Abine!“ und genau weißt, wo in dieser kleinen und vertrauten Welt alles seinen Platz hat.

Zuhause ist es manchmal kaum zu fassen, wie unkompliziert es mit dir ist- du bist völlig zufrieden, wenn du in deiner gewohnten Umgebung bist, deine Spielsachen und Gefährte (allen voran das heißgeliebte PukyWutsch) zur freien Verfügung hast und mich immer in deiner Nähe weißt. Schwierig wird es meist nur dann, wenn wir es eilig haben, ich dich „nur noch schnell“ wickeln, umziehen, fürs Schlafengehen fertigmachen (…) muss. Dann nämlich hast du meist ü-ber-haupt gar keine Lust, das mit dir machen zu lassen. Genau in dieser Minute willst du nur auf meinen Arm/ Falladfahleeeeen/Lego bauen (…) und zeigst mir deinen Unwillen durch lautes Schreien, mit den Füßen treten und bitterliches Weinen. Wenn du etwas möchtest, dann machst du diesen Wunsch durch lautes und betontes Rufen („PU-PPEN-WAAA-GEN haben OLibia!“) deutlich und ich muss mir dabei oft auf die Zunge beißen, um nicht laut loszuprusten, so bestimmt skandierst du deine Wünsche. Wann immer ich dich so höre, bin ich mir sicher, dass du in der Kita keine Probleme haben dürftest, dich gegen die älteren Kinder durchzusetzen…

Überhaupt, andere Kinder. Ich habe noch nie ein Kind erlebt, das so verliebt in andere Kinder ist, wie du es bist. Siehst du ein anderes Kind, das dich interessiert, so gehst du meist vor ihm in die Hocke, strahlst es an und fängst in zuckersüßestem Ton ein Gespräch an: „Hallo?“. Dabei lässt du dich von Desinteresse oder schlechter Laune deines Gegenübers nicht im Mindesten aus dem Konzept bringen. Deinen besten Freund P. begrüßt du mit einem derart verliebten Strahlen und einem so süß geflöteten „Hallo P!“, dass seine Mama und ich jedesmal in uns hinein grinsen müssen. Du bist eine leidenschaftliche „Drückerin“ und Küsserin, magst es aber nicht, wenn andere Kinder dich mit einer Umarmung überrumpeln. Umgekehrt lässt du dich jedoch vom Weinen oder Weglaufen deiner „Opfer“ nicht beirren und drückst und herzt sie unbeirrt weiter.

Jeden Montag freust du dich riesig auf unser Kinderturnen. Auch wenn das Anstehen oft unglaublich lange dauert und Mama dir jedes Mal den Spaß verdirbt, sobald du dich heimlich an den Geräten nach vorne schleichen willst (hätte sicher überhaupt keiner gemerkt!), macht es großen Spaß. Du machst Purzelbäume auf den weichen Matte, hüpfst bis du nicht mehr kannst, balancierst zehnmal hintereinander seitlich über den Stufenbarren und kletterst in einem Affenzahn die ganze Sprossenwand hinauf. „Schwebende“ oder wackelige Konstruktionen sind dir noch unheimlich, du bevorzugst es, festen Halt unter deinen Füßen zu spüren. Du liebst es, die Kästen hinaufzuklettern, rennst leidenschaftlich gern über den Parcours aus Kästen mit Matten darüber und bist glücklich, wenn du auf dem Mattenwagen durch die Halle fahren darfst.

Die Musik gehört zu deinen Leidenschaften und erprobtes Mittel, um einen deiner berüchtigten Wutanfälle abzuwenden.

Deine am liebsten gesungenen Lieder:

  • Heidi: Heidi, Heiiiiiiiidi, deine Welt Beeeerge. Dungel Tannen, grine Wiesen Sonnenschein, Heidiiii, Heidi, brau du glicklichsein. Holaidi, hollaidi, holaidi, hollaidi…
  • Meckaling du kleines Ding, such dia eine Tänzerin, huheissasa, huheisassa, ooooo wie ludig tanzt man daaaaa…
  • Tateane, tateane, Sonne Mond und Deeeerne…
  • Tufftufftuff die Eidenbaaahn, wer will mit Juklia faaaahn, alleine fahlen mag ich nis, nehme mia Fofia mit

Deine derzeitigen Lieblingslieder, die du immer wieder hören möchtest (und zu denen du wild und unermüdlich tanzt):

  • Bibi Grampgrump (->Pippi Langstrumpf, von Mama gesungen)
  • Kleine Dampedia (Kleines buntes Trampeltier)
  • Anne Kaffeekanne
  • Krebs (Kawuras)

Was das Spielen angeht, so liebst du derzeit:

  • PukyWutsch fahren
  • Bücher anschauen ->Grala nein! (Klara sagt nein) ->Weiße Fisch (Kleiner weißer Fisch) ->Sachen suchen…
  • Lego bauen
  • Malen
  • mit deiner neuen Küche spielen

Dein derzeitiges Lieblingsessen und -trinken:

  • Pfannkuchen
  • Kuchen aller Art 😉
  • Mandarinen
  • Brezel
  • Käääääse
  • Joghurt
  • Igel (Früchteriegel)
  • Abbelnolle (Apfelschorle)
  • Sobbi

Deine Lieblingsmenschen außerhalb der engsten Familie:

  • Fofia (und deren Eltern)
  • Melalie
  • P.
  • die Nachbarsjungs deiner Großeltern, M. und L. („M. Arm nehmen? L. Hand geben?“)

Wahnsinnig spannend ist derzeit deine sprachliche Entwicklung. Ich habe den Eindruck, du saugst alles, was du hörst, auf wie ein Schwamm. Du sprichst alles nach und hast eine so unglaublich trockene Art, das mitzuteilen, was du denkst, dass du mich damit regelmäßig zum Lachen bringst. Außerdem bist du derzeit geradezu unheimlich höflich und ich schmelze regelmäßig dahin, wenn du Sätze wie „Mama Olibia Kuhlen leinmachen bitte? Bitte Mami?“ sagst. Hach!

  • Beim Anblick meines Adventskalenders morgens: „Oh Gog! Mama! Sau mal!“ (Ähnliches beim Anblick deiner Geburtstagswimpelgirlande- „oh God!“
  • Beim Umziehen: „Mama, Olibia hilft dia! Olibia Hose ausdiehn!“
  • Ich singe im Auto bei einem Kinderlied mit – „NEIN, Mama!“. Ich höre auf zu singen und wippe rhythmisch mit, „tanze“ ein weniog. „NEIIIIN, Mama!“. Ich muss lachen und frage: „Darf ich jetzt gar nichts mehr machen hier?“ – „Nein, Mama, Audo fahlen!!!!!“
  • Bei deinen Großeltern: „Sitz, Emmy! Aus, Emmy! Emmy, weg da!“#
  • „Wad magst du Mami?“
  • „Du dut deslafen, Mami?“

Mein Schatz, ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Es gibt noch so vieles zu erzählen. Vieles, das kaum zu beschreiben ist. Dass ich mich jedesmal wie frisch verliebt fühle, wenn ich mich darauf freue, dich in der Kita abzuholen, zum Beispiel. Wie mein Herz vor Liebe fast platzt, wenn ich dich im Schlaf lächeln sehe. Dass dein erstes „Hab´is lieb, Mama!“ so unbeschreiblich schön war, genauso wie jedes spontane „Sön da du da bit, Mami!“. Dass es mit jedem Tag noch schöner ist, mit dir zusammen eine Familie zu sein.

Aber all das schreibe ich dir ein andermal auf. Statt dessen sage ich dir nur dies:

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, mein kleines großes Mädchen. Du Wunder in meinem Leben.

Ich liebe dich unendlich, mein Kind.

Deine Mama

 

 

 

 

 

 

 

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Heute bist du ganze 22 Monate alt. Das heißt, in 2 (nur noch ZWEI??!!) Monaten wirst du deinen 2. Geburtstag feiern. Der Wahnsinn! Derzeit habe ich fast das Gefühl, als müsste ich dich nächste Woche in den „richtigen“ Kindergarten und übernächste Woche in die Schule schicken. Die Zeit rennt!

Es ist ein wirklich phantastisches Alter, in dem du gerade bist. Klar, jedes Alter war/ ist toll, aber im Moment kann ich die Zeit mit dir einfach in vollen Zügen genießen. Keine Frage, das ist nicht immer so (dazu vielleicht mehr in einem anderen Post 😉 ), aber die meiste Zeit bist du einfach sonnig und es macht riesigen Spaß, meine Zeit mit dir zu verbringen.  Sicherlich liegt das auch mit daran, dass ich durch die Arbeit leider weniger Zeit für dich bzw. mit dir habe, als ich mir das wünschen würde und deshalb jede Minute mit dir genieße. Aber größtenteils liegt es an dir. Du bist einfach ein kleiner Sonnenschein. Wenn du nicht gerade einen filmreifen Wutanfall bekommst, weil irgendetwas nicht nach deinem Köpfchen geht, dann bist du einfach nur herzig. Du bist nicht mehr ganz zu ruhelos, stellst nicht alles auf den Kopf, sobald ich für fünf Minuten beschäftigt bin, sondern spielst oder genießt es, bei mir zu sein. Du singst selbsterfundene Lieder (Lalilalala…; Dudidudidu…), in denen ich manchmal Fragmente mir bekannter Lieder (…wohnen, unden oda oben??/ Dambedia…) wiedererkenne, du läufst, nein, du tanzt durch die Welt, du quatschst mir von der ersten wachen Minute an die Ohren voll (Mama? Mami? Sau mal! …) und lächelst mich mit betörenden Augenaufschlägen an oder bringst mich mit Versteckspielen und lustigen Grimassen zum Lachen. Du hörst alles und siehst alles und du merkst dir alles. Wenn ich dich beim Nachhausekommen frage, ob du heute noch in die Badewanne möchtest, dann brauche ich dich eine halbe Stunde später nicht duschen zu wollen, denn du erinnerst dich genau: „Badeanne!!“. Wenn es am Vortag bei Oma Kuchen gab, dann forderst du beim nächsten Besuch „Kuhen holen?“! So ist das.

Heute hatten deine Großeltern Hochzeitstag. Wir waren spazieren, haben Kuchen gegessen und sind abends essen gegangen. Ich hatte ein paar Bedenken, ob du das Abendessen im Restaurant durchhalten würdest, denn langes Sitzen im Hochstuhl gehört bekanntlich nicht zu deinen Stärken. Entsprechend überrascht war ich, wie entspannt dieser Abend verlief. Du hast deinen Kinderteller fast völlig aufgegessen und danach komplett zufrieden mit Opa gemalt und den ganzen Tisch unterhalten. Dein absolutes Highlight war jedoch das Eis, das dir die nette Bedienung spendierte. Eine Kugel Erdbeereis mit Waffel UND Smarties! Selten habe ich dich so konzentriert gesehen wie beim Verputzen des Eisbechers. Bereits nach wenigen Minuten hattest du dir Technik perfektioniert, mit der du den Becher am besten leer essen konntest. Es blieb tatsächlich nicht das kleinste Restchen mehr übrig. Wir anderen amüsierten uns köstlich darüber, wie du geschickt das Schälchen schräg hieltst, um alle Reste herauslöffeln zu können und genauso über dein verzücktes und gleichzeitig hochkonzentriertes Gesicht. Es war ein wirklich schöner Abschluss eines gelungenen Tages.

Und wie es so oft ist an diesen Tagen, kommt man ins Nachdenken. An die vergangenen Jahre. Ich dachte daran, wie schön wir es haben und wie gut es uns geht und stellte gleichzeitig fest, wie sehr sich unser Leben in den vergangenen Jahren verändert hat…

Heute vor zwei Jahren…

… stand ich einen knappen Monat vor dem Mutterschutz. Ich arbeitete noch, war aber nur noch sporadisch eingesetzt. Psychisch war ich schwer angeschlagen. Es war einerseits anstrengend, mir in der Arbeit nichts anmerken zu lassen, andererseits hielt mich genau das aufrecht. Ich wusste, mit meinen Kollegen über meine Situation zu sprechen, wäre über meine Kräfte gegangen. Ich wollte mich und meine Situation niemandem erklären müssen, daher war es leichter, alle in dem Glauben zu lassen, es liefe alles normal bei uns. Wenn mich Kollegen fragten, ob es mir keine Angst mache, dass der Vater so weit entfernt arbeite, denn es sei schließlich viel zu tun mit so einem Baby, dann musste ich mich schon sehr beherrschen, um nicht laut zu lachen. Das war wirklich meine geringste Sorge. Der Bauch wurde größer und deine Ankunft immer greifbarer. Ich freute mich riesig,war aufgeregt und hatte Angst. Die Tage wurden immer kürzer und das trübe Herbstwetter schlug mir stark aufs Gemüt. Der Geburtsvorbereitungskurs hatte begonnen und dein Geburtstermin rückte näher. Im Schwangerschaftsyoga versuchte ich, ein wenig Ruhe und Kraft zu tanken.Ich lauschte deinen Herztönen am CTG und überlegte mir, was ich für das Wochenbett vorkochen wollte. Babykleidung wurde gewaschen und mit klopfendem Herzen in den Schrank gelegt, nur um sie einen Tag später mit verliebtem Blick wieder in die Hand zu nehmen.

Und: ich freute mich auf dich. Neben der Traurigkeit, der Angst und dem Gefühl von Einsamkeit, weil eben kein zweites Elternteil mit mir auf deine Ankunft hinfieberte, war da eine riesige Freude auf dich. Auf das Leben mit Baby und das Mamasein. Freude darauf, den süßen Duft deines Köpfchens zu riechen und stolz den Kinderwagen zu schieben. Freude darauf, dich stundenlang in den Armen zu halten und nachts deinen Atem zu hören. Vorfreude, dieses Zappeln, das wie Wellen meinen kompletten Bauch bewegte, endlich ohne Hindernisse beobachten zu können. Dich zu halten, zu küssen und deine Mama zu sein.
Und heute weiß ich: ich hatte keine Ahnung davon, was mich erwartete. Welche Aufgabe und welches Glück auf mich wartete.

Heute vor einem Jahr…

…warst du genau zehn Monate alt. Wir verbrachten die Woche um den 03. Oktober im Urlaub. Du hattest in der Woche zuvor begonnen durchzuschlafen und ich genoss das ungemein. Nach einem dreiviertel Jahr mit teils wirklich höllischen Nächten war dies eine unglaubliche Erholung für mich. Und auch abends hattest du mehr Ruhe gefunden. Es gab Abende, da wachtest du kein einziges Mal auf. Die gute Bergluft und die vielen neuen Eindrücke, die du den Tag über genießen durftest, schienen dir sehr gut zu tun. Es war ein toller Urlaub., zumal ich immer wieder daran dachte, wie ich im November des Vorjahres genau hier hochschwanger Urlaub gemacht hatte. Wie vieles hatte sich doch verändert, seit du da warst! Zehn Monate war ich deine Mama und ich war es mit vollem Herzen. Auch wenn mich diese zehn Monate mich oft genug an meine Grenzen gebracht hatten- sie waren wunderschön.

Noch hatte ich vier volle Monate mit dir zu Hause und ich konnte mir nicht vorstellen, wie es werden würde, wenn ich wieder anfangen musste zu arbeiten. Wir hatten uns so aufeinander eingespielt. Morgens gegen acht trankst du deinen Schoppi im Laufstall, während ich frühstückte. Dann ging ich ins Badezimmer, duschte und zog mich an, bevor ich dich holte und dich tagfein machte. Anschließend wurschtelten wir meist ein wenig in der Wohnung herum, gingen einkaufen oder spielten, ehe es Mittagessen gab. Manchmal machten wir gemeinsamen Mittagsschlaf, manchmal legte ich dich alleine hin (wobei du alleine immer vieeeel kürzer schliefst…). An den Nachmittagen trafen wir uns zum Spazierengehen mit anderen Mamas und ihren Babys oder mit meinen Freundinnen, besuchten deine Oma oder gingen einkaufen. Montagnachmittags trafen wir uns jede Woche mit deinem Freund P. und seiner Mama zum gemeinsamen Spazierengehen. Mittwochs hatten wir Babyschwimmen, nach dem wir beide immer völlig platt und reif für den Mittagsschlaf waren. Donnerstags war PeKip und Freitagmorgen der Musikgarten. Es war eine wunderbare und intensive Zeit. Das Gefühl von Langeweile, vor dem ich mich im Mutterschutz manchmal gefürchtet hatte, kam niemals auf. Statt dessen: Leben. Neue Menschen, neue Unternehmungen, neue Erfahrungen. Und du! Meine Sonne, meine Herausforderung, meine große Liebe. Manchmal hast du mich wahnsinnig gemacht, mit deiner Schlaferei, mit deiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne, damit, dass ich immer gefragt war und du dich außer der halben Stunde morgens nie alleine beschäftigen wolltest. Damit, dass ich abends nicht einfach sagen konnte: „Geh du bitte, ich KANN nicht mehr!“ Ich musste können.

Aber: all das machtest du mehr als wett. Mit deinem Wesen, deinem Lächeln, deiner Liebe. Deinem Mamamamama. Dem Duft deiner Haut und deinem zuckersüßen Lächeln. Damit, dass es dich gab. Mein Kind, meine große Liebe.

Heute…

… bist du also 22 Monate alt. Manchmal machst du mich immer noch wahnsinnig und ich dich vermutlich auch. Wenn du beim Kürbissuppe essen auf einmal anfängst zu grinsen und mit dem Löffel in der Luft herum wedelst, zum Beispiel. Oder wenn du beim Wechseln einer wirklich grausamen Windel mittendrin die Zusammenarbeit verweigerst und mich mit den Füßen wegtrittst, zum Beispiel. Wenn du nicht mehr Treppe laufen möchtest, während ich drei Taschen, einen Wäschesack und einen Korb in den dritten Stock trage, zum Beispiel.

Ansonsten ist es einfach wunderbar mit dir. Du lernst jeden Tag neue Wörter, saugst sie auf wie ein Schwamm und bringst mich zum Lachen, wenn du auf einmal Worte wie „Quatschnudel“ nachsprichst. Du zählst von 5 bis zehn und ich habe keine Ahnung, woher du das kannst.

Zwei Tage in der Woche sehe ich dich erst gegen 17 Uhr wieder. Das ist für dich insofern schön, weil du an diesen Nachmittagen, während ich arbeite, exklusive Oma- und manchmal auch Opa-Zeit hast. Aber es macht mich manchnmal traurig, dass uns, dir und mir, diese Zeit fehlt. Als ich vergangene Woche außerplanmäßig an zwei aufeinanderfolgenden Tagen so spät nach Hause kam, hingst du am dritten Tag nachmittags wie ein Äffchen an mir und suchtest meine Nähe. Wir haben beide daran zu knabbern, wenn wir uns so lange nicht sehen. Ohnehin bist du viel kuscheliger geworden. Abends bekomme ich einen Gutenachtkuss, du umarmst mich täglich mehrmals stürmisch und oft wirfst du dich lachend auf meinen Rücken, wenn ich gerade auf dem Boden sitze oder mich herunterbücke.

Du schläfst seit einem Jahr durch und schläfst abends und mittags ohne Probleme alleine ein. Dein Heiabett, wie du es selbst nennst, liebst du heiß und innig. Du gehst gerne in die KiTa und magst deine Erzieherinnen und Spielkameraden. Du bist immer noch ein wilder kleiner Wirbelwind, der ständig in Bewegung ist. Bist älter geworden, kleinkindlicher. Hast dich verändert, weiterentwickelt und bist doch ganz DU geblieben.

Und wenn ich so zurückschaue auf die vergangenen beiden Jahre, dann bin ich unendlich froh und dankbar. Dankbar um dieses Wunder in meinem Leben. Darum, wie schön mein Leben mit dir ist. Unser Familienleben. Wie sehr ich dich liebe und wie aufregend es ist, dich beim Aufwachsen zu begleiten und zu unterstützen, Deine Mama zu sein. Manchmal fühle ich mich wie der größte Versager, manchmal habe ich das Gefühl, gar nicht so schlecht in dem zu sein, was ich tue. Letzteres besonders dann, wenn ich dich bei etwas beobachte und heimlich vor Stolz auf dich fast platze. Wenn du anderen Kindern auf dem Spielplatz zum Beispiel ihre Sandspielsachen mit einem „Bitte“ überreichst. Oder du deinen besten Freund zur Begrüßung umarmst und seinen Rücken streichelst. Dann denke ich, dass ich gar nicht so viel falschmachen kann, so wunderbar, wie du bist.

Ich liebe dich, mein Mädchen!

Deine Mama

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Was war toll diese Woche? Welche Erlebnisse, egal wie klein oder groß, haben mich glücklich gemacht? Worüber habe ich gelächelt, mit wem gelacht?

Meine Glücksmomente in der KW 30:

… nach einem Ausgehabend bei meinen Eltern zu schlafen, die auf das Olivenkind aufpassten. (was diese vermutlich etwas bereuten, als die Madame gegen halb eins aufwachte, laut Oma? OMA! rief und fortan bis 2.15, als nämlich ich nach Hause kam, im Bett der Großeltern saß und abwechselnd Hallo Kinder; Omaaaa; Ooooopaa und Meine Mamaaaa sang… Bei MIR im Bett kuschelte sie sich dann glücklicherweise nur kurz an und schlief dann ein *chrchrchr*) Mit dreißig bei den Eltern zu übernachten ist toll, weil du dich wieder wie ein Teenager fühlen kannst. Du kannst dein Kind gegen acht Uhr (nachdem es seit sieben neben dir im Bett herumturnt *grrr*) bei den Großeltern im Bett abliefern, selbst bis zehn Uhr ratzen und dann an einen gedeckten Frühstückstisch sitzen. Während deine Eltern nach dem Frühstück mit deinem Kind spazieren gehen, liegst du im Zimmer deiner Schwester faul auf dem Bett und plauderst mit ihr. Und nach dem Spaziergang schnappst du dir dein Kind und ihr macht zwei Stunden Mittagsschlaf, ehe ihr euch an den abermals gedeckten Tisch mit fertig gekochtem Mittagessen setzt. Erholsam wie ein Kurzurlaub! Und dazu ganz viel Familienzeit! Soo schön! (vom Olivenkind war nach dem Wochenende natürlich nur noch Oma? Opa? Tante? zu hören… Mama war da ein eher schwacher Ersatz 😉 )

… ein Kuschelnachmittag mit dem (leider kranken) Olivenkind. Selten und daher umso herzerwärmender.

… ein spontaner Ausgehabend mit der Herzfreundin gestern Abend. Nicht allzulange, aber guuuut für die Seele! Viel Mädchentratsch, schicken Kleidchen und hohen Schuhe und traumhafte Sommertemperaturen… Was will man mehr?

… SOMMER! Endlich blauen Himmel sehen, Sonne auf der Haut spüren, luftige Kleidung tragen, bereits morgens erahnen, wie heiß der Tag werden wird, Eis essen, abends eiskalten Weißwein auf dem Balkon trinken, bei weit geöffnete Balkontüren auf der Couch liegen, laue Abende genießen… Der Sommer ist für mich einfach die allerallerschönste Jahreszeit! ❤

… endlich frei haben! Kein Balancieren zwischen Arbeit, Kita, Kind und Verpflichtung mehr, sondern ganz viele lange Wochen lang wirkliche Freiheit und Freizeit. Ganz viel entspannte Zeit mit dem Olivenkind haben und endlich wieder nach unserem Rhythmus leben, nicht nach Arbeitszeiten und Weckerklingeln. Und, auch nicht zu verachten: durch genial wenige Schließtage (GAR keiner im Sommer!) ganz viele wunderbare freie Vormittage für mich! Eines ist sicher, ich werde sie zu nutzen wissen 😉

… einen ganzen Tag nur für mich! Der heutige Tag gehörte mir ganz alleine. Das Olivenkind ging zum ersten Mal seit Montag wieder in die Kita (und spricht ganz toll das Wort „Kindergarten“ nach, wenn man es ihr sagt <3) und wurde danach von ihrem Vater abgeholt. Das hieß: Bis 18 Uhr nur Zeit für mich! Mit Kaffee und Müsli in der Sonne liegen, mich „bräunen“ (haha…), lesen, Blogs durchstöbern, telefonieren, im Freien essen, Nägel lackieren… ein Traum! Und nach denvollgepackten letzten Wochen wunderbar entspannt.

 

Und ihr so?

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Was war toll diese Woche? Welche Erlebnisse, egal wie klein oder groß, haben mich glücklich gemacht? Worüber habe ich gelächelt, mit wem gelacht?

Meine Glücksmomente in der KW 28:

… ein paar Stündchen mit der besten Freundin beim Nachtshopping am Freitagabend. FREIHEIT!!

… zwar nicht so ganz im üblichen Rhythmus, trotzdem schön: jeden Abend ein waches Olivenkind mit ins Bett zu nehmen. Da die Zahnungsmaus in dieser Woche jeden Abend zwischen zehn und elf aufwachte und nicht mehr in ihrem Bett einschlafen konnte, kam sie immer wach mit mir ins Bett. Teilweise auch vorher ins Bad, zum Zähneputzen, schaute mir (äußerst amüsiert) beim Duschen zu und wartete ganz geduldig, bis ich bettfertig war und mich mit ihr hinlegen konnte. Unbezahlbar übrigens der Anblick, wie das Mäuschen mit ihrem Schmuseschaf im Arm ins Wohnzimmer oder Bad tappst, weil Mama nicht sofort ins große Bett kommt, winkt und grinsend „Allo“ sagt. Hachz!

… lange mit der Lieblingskollegin telefoniert und wieder einmal festgestellt, mit welch tollen Menschen ich doch zusammen arbeiten darf.

… einen Nachmittag mit dem Olivenkind komplett zuhause zu verbringen und ganz viel Spaß miteinander zu haben- zur Kinderlieder-CD tanzen, mit Bauklötzen spielen, viiiiiiiile Bilderbücher anschauen… toll!

… an einem langen Arbeitsmittag festgestellt, dass es ein gutes Gefühl ist, dabei zu sein, wenn etwas Wichtiges und Sinnvolles entschieden wird.

… die wachsende Vorfreude auf das neue Autochen gespürt… noch einmal schlafen… ❤

… Herzklopfen gehabt. Nicht zielführend, aber trotzdem schön.

… endlich bequeme (!!!!!)  und schöne schwarze Pumps gefunden, direkt geschnappt und bis zur Kasse mit meinem Leben bewacht. (weil nur noch einmal in meiner Größe da…) Aber: Ende gut, alles gut, die Herzchen sind sicher und wohlbehalten in meinem Schuhschrank eingezogen. Juchhu! ❤

… mich an den Sprachfortschritten der Maus erfreut und mich über einige Wörter sehr amüsiert (errät einer, was sie damit meint?):

♥ Boge

♥ Begra

♥ Obbela

♥ Jue

… endlich mein Sportprogramm in Angriff genommen und festgestellt, dass die Intensive Yoga-DVD eine geniale Investition war- wunderschöne Bilder, tolle Übungen und ein anstrengendes, aber durchaus wohltuendes Training. Und: Muskelkatern in allen Körperpartien, auf die es ankommt. Ich freu´ mich schon auf´s nächste Mal!

Das waren ein paar der Glücksmomente meiner Woche! Und bei euch so?

 

 

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Die erste halbe Stunde mit dir ist in meiner Erinnerung etwas verschwommen. In erster Linie liegt das sicher daran, dass ich einfach so überwältigt war. Überwältigt von dir, deinem Duft, davon, deinen kleinen Körper in meinen Armen zu halten. Deine Oma und ich, wir waren hingerissen und wir bestaunten dich kleines Wunder voller Liebe.

Nach einer Weile gab mir deine Oma das Handy und ich rief deinen Vater an, um ihm die Nachricht zu verkünden. „Wie kann das denn sein? Du hast doch erst vor zwei Stunden gesagt, dass ihr ins Krankenhaus fahrt?“ – „Tja, die Kleine hatte es wohl eilig.“

Die Ärztin fragte mich nach einigen Minuten, wie du denn heißen solltest. Ich habe keine Ahnung, war meine Antwort. Etwas entgeistert sah sie mich an, aber für diese Entscheidung musste ich dich erst noch ein wenig ansehen und entscheiden, welcher der beiden Namen, die meine Favoriten für dich waren, denn besser zu dir passte. Und schließlich, nach kurzer Rücksprache mit deiner Oma, war klar, welcher Name der deinige sein würde. Und er passt noch besser zu dir, als ich mir hätte träumen lassen.

Während ich dich noch im Arm hielt, wurde es um uns herum geschäftig. Ein Medikament zur Lösung der Plazenta wurde gespritzt, weil sich diese noch nicht gelöst hatte. Akkupunkturnadeln wurden gesetzt. All das bekam ich nur am Rande mit, denn meine Welt drehte sich nur um dich. Nach einer Weile spürte ich jedoch, wie die Atmosphäre um uns herum aufgeregter und hektischer wurde. Und ich selbst begann, unruhig zu werden. Ich hatte den Eindruck, noch immer viel Blut zu verlieren, es fühlte sich an, als fließe es nur so aus mir heraus. Als ich ängstlich nachfragte, sagte man mir, dass die Toleranzzeit, die man warten könne, bis die Plazenta sich löse, langsam zu Ende ginge. Wenn sich nicht schnell etwas täte, müsse man operieren.

Tja, leider tat sich nichts. Und so musste ich dich gerade dreißig Minuten, nachdem ich dich zur Welt gebracht hatte, in die Arme deiner Oma legen und wurde davongeschoben. Man werde mir eine kurze Narkose geben, so dass ich in etwa zwei Stunden wieder bei dir sein könne. Die Geburtsverletzungen werde man direkt unter der Vollnarkose mit vernähen. (immerhin, wenigstens das würde mir erspart bleiben) Auf dem Weg in den OP war ich schon nicht mehr ganz bei mir. Ich nehme an, die Mischung aus starkem Blutverlust und dem Adrenalinabfall nach der Geburt, hatte mich völlig außer Gefecht gesetzt. Ich erinnere mich daran, wie ich überrascht feststellte, dass meine Hände noch voller Käseschmiere von deinem Rücken waren. Mein ganzer Kopf war erfüllt von Erinnerungen an deinen Babyduft und an das Gefühl, dich im Arm zu halten. Im Laufen klärte man mich über die Risiken der OP auf und ich musste die Einverständniserklärung unterschreiben. Wie bescheuert, dachte ich noch, schließlich hab ich keine Wahl. Vielleicht habe ich es auch laut gesagt.

Das letzte, das ich vor der Narkose denken konnte, war ein kurzes Gebet, in dem ich darum bat, die Operation gut zu überstehen und zu meinem Mädchen zurückkehren zu dürfen.

Als ich mit dir schwanger war, hatte ich ein Ritual, das ich jeden Abend vor dem Schlafengehen pflegte. Ich lag auf meinem Bett, cremte den Bauch ein, spürte, wie du dich bewegtest und ich erzählte dir etwas. Und jedesmal sagte ich dir die selben Dinge. Jeden Abemd. Ich erzählte dir, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis wir uns sehen würden. Dass die Geburt sicherlich für uns beide anstrengend und stressig würde, aber sie würde sich lohnen. Denn ich würde da sein, um dich in Empfang zu nehmen. Und ich würde dich beschützen, lieben und nicht mehr alleine lassen, wenn du erst mal bei mir wärst. Und nun musste ich dieses Versprechen brechen und dich 30 Minuten nach der Geburt bei Oma zurücklassen. Ich weiß, es gibt Schlimmeres, aber es tut dennoch weh. Diese ersten Stunden hätten uns beiden gehört.

Woran ich mich als nächstes erinnere, ist wie ein Alptraum. Ich kam zu mir, als ich durch den Flur zurück in den Kreißsaal geschoben wurde. So stelle ich mir einen schrecklichen Drogentrip vor. Ich sah die Wände auf mich zukommen, verschwimmen und wieder verschwinden. Ich hatte panische Angst, ohne dabei einen klaren Gedanken fassen zu können. Zwischendurch erschien ein Bild vor meinem Auge und verschwand wieder. Ich meinte, dich in den Armen deines Vaters gesehen zu haben, konnte das Bild jedoch nicht greifen. Es dauerte Stunden, bis ich zu mir kaum. Ich hatte Schüttelfrost und furchtbare Schmerzen von der Ausschabung, die ich in meinem weggetretenen Zustand nicht begreifen konnte. Selbst manuell hatte sich die Plazenta kaum lösen lassen, war innerlich festgewachsen. Die Ärztin hatte sich auf meinen Bauch werfen müssen, um sie lösen zu können. Ich übergab mich. Ich weinte. Meine Mutter war bei mir, wischte mir die Stirn und holte mir eine Schale, als mir schlecht wurde. Als dein Vater in den Kreißsaal kam, muss ich geschrien haben „Er soll raus gehen!“. Selbst in diesem Zustand versuchte ich, mich zu schützen vor Menschen, denen ich nicht vertraute. Er blieb draußen und hielt dich. Ich muss wirklich in einem schlimmen Zustand gewesen sein, denn ich erinnere mich, dass er später kurz an meinem Bett saß und meine Hand hielt. Meine Mutter erzählte mir später, dass er ankam, als ich im OP war. Er betrat den Kreißsaal und war schockiert, weil der ganze Raum ein einziges Blutbad war. Da sich alle um mich hatten kümmern müssen, war keine Zeit geblieben, irgendetwas wegzuräumen. Selbst deine Untersuchungen hatten warten müssen. Als er ein Tuch suchte, um dir die Händchen abzuwischen, fand er die Nabelschnur, die in einer Schale lag. Überall Blut, überall Dinge, die zeigten, was in den letzten Stunden hier geschehen war. Eine Geburt. Ein Naturereignis. Nicht vorstellbar, wenn man sie nicht miterlebt hat.

Es dauerte bis 5 Uhr, bis ich dich wieder bei mir haben durfte. Bis ich soweit bei mir war, dass man dich mir anvertrauen konnte. Laura hatte alle nach Hause geschickt, um zu schlafen. Sie legte dich mir auf die Brust und so lagen wir die nächsten Stunden beieinander. Noch heute fühle ich mich dir so am nächsten. Nachts oder morgens kletterst du manchmal auf mich, um den Kopf auf meine Brust zu legen. In den ersten Tagen im Krankenhaus und später zuhause sah man uns fast nur so. Dein Kopf auf meinem Herzen, ganz nah beieinander.

Gegen sieben Uhr fragte ich Laura, wann du denn genau geboren seist und wie deine Maße seien. All dies hatte ich überhaupt nicht mitbekommen, zumal du erst gewogen und gemessen wurdest, als ich im OP war. Es war 7.20, als ich meinen Freunden eine SMS schickte, in der ich von deiner Ankunft berichtete. Zwei meiner Freundinnen mussten auf dem Weg zur Arbeit anhalten, weil sie weinen mussten, als sie von deiner Geburt hörten.Alle freuten sich mit uns.

Und langsam konnte ich es auch fassen. Konnte begreifen, dass ich mein Bauchbaby, mein kleines Wunder gesund in den Armen hielt. Angekommen, wir beide.

Endlich warst du da, mein Mädchen. In meinen Armen, in meinem Leben.

Ich liebe dich. Deine Mama.

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Während der Autofahrt rief ich im Kreißsaal an, um uns schon mal voranzumelden und erklärte, dass wir in der nächste Viertelstunde ankommen würden.Zum Glück dauerte die Fahrt von meiner Wohnung zum Krankenhaus unter normalen Umständen nur 5-7 Minuten, so dass wir trotz des Schnees nicht allzulange brauchen würden.

„Wann kommt eigentlich der Zeitpunkt, an dem du Witze machst und mich ein bisschen zum Lachen bringst, wie wir das eigentlich ausgemacht hatten? Nachdem du schon kein Sturm der Liebe mit mir schauen wolltestr?“ fragte ich meine Mutter im Auto. „Bisher musste ich alle Witze selber machen!“ – „Sobald ich weiß, dass wir die Kleine nicht im Auto entbinden müssen, kann ich wieder Witze machen. Aber bis wir im Krankenhaus sind, stehe ich LEICHT unter Strom!!“ Na gut, eben keine Witze unterwegs.

Als wir am Krankenhaus ankamen, hatten die Wehen ein neues Level erreicht. Waren sie zuhause zwar schmerzhaft, aber trotz allem noch aushaltbar gewesen, begann ich nun, jede neue Wehe zu fürchtem, denn ich hatte Angst, es rein kräftemäßig nicht mehr in den Kreißsaal zu schaffen. Wir hielten auf einem der Notfallparkplätze vor dem Krankenhaus und gingen ohne mich anzumelden direkt zu den Fahrstühlen. Vor dem Fahrstuhl kam eine Wehe, die ich kaum veratmen konnte und die uns zeigte, dass es nun wirklich Zeit wurde, oben anzukommen. Am Kreißsaal klingelten wir und nach kurzer Wartezeit streckte eine junge Hebamme den Kopf heraus. „Hallo! Wir haben telefoniert? Können Sie noch ganz kurz warten? Wir sind hier mitten in der heißen Phase unter der Geburt!“ – „NEIN!“, presste ich heraus, während mich die nächste Wehe erwischte. „Okay, einen Moment, ich hole eine Ärztin!“

Wir wurden in ein Untersuchungszimmer geführt, in dem ich bereits zur Akkupunktur gewesen war und eine junge Ärztin, an die ich mich noch vom Infoabend erinnerte, kam herein und fragte, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie mich jetzt untersuchen würde. Klar. Mit Hilfe meiner Mutter legte ich mich hin und zog meine Hose aus, was durch die wirklich schmerzhaften Wehen schwer fiel.

Als ich auf der Untersuchungsliege lag, und die Beine aufstellen musste, merkte ich erst, dass meine Beine so sehr zitterten, dass sie gegeneinander schlugen, Ich schaffte es kaum, sie stillzuhalten. Die Hormone und die Anstrengung, erklärte mir die Ärztin. „Ich möchte eine PDA!“ sagte ich nach einer Wehe. „Ich möchte sofort eine PDA, bitte!“ -„Ich untersuche sie erstmal, dann sehen wir weiter.“ Während die Ärztin das CTG anschloss und mit der Untersuchung begann, erkundigte sie sich, wieso wir nicht schon früher gekommen wären, wo ich doch offensichtlich wirklich starke Wehen hatte. Ich erklärte ihr, dass ich keine Lust hatte, zu den Frauen zu gehören, die mit einem Lächeln und den Worten „Kommen Sie wieder, wenn sie richtige Wehen haben!“ nach Hause geschickt werden. „Ich wollte kein Jammerlappen sein!“ Die Ärztin untersuchte mich. „Also, ein Jammerlappen sind sie nicht und nach Hause geschickt hätten wir sie auf keinen Fall, Frau …. Der Muttermund ist bei 8 cm, das heißt, sie haben die Eröffnungsphase schon fast vollständig geschafft!“ Meine Mutter war fassungslos: „8 cm??? Du bist kein Jammerlappen, du bist eine Heldin!“ Sie hatte glasige Augen und drückte meine Hand ganz fest.

Was mich jedoch am meisten beschäftigte, war die PDA. „Sagen Sie´s nicht,“ sagte ich leicht agresssiv zur Ärztin, „es ist zu spät für eine PDA, oder? Ich seh es ihnen am Gesichtsausdruck an!“ – „Ganz ehrlich, Frau …, eine PDA macht keinen Sinn mehr! Wir sind hier kurz vor der Austreibungsphase und eine PDA würde alles nur verzögern! Und die Hormone, die sie gerade produzieren, sind super für ihr Baby! Bei einer PDA würden diese Hormone nicht mehr ausgeschüttet und das Kind hätte viel mehr Stress. Und außerdem haben Sie es so bald geschafft!“ – „Was heißt bald?“ – „Hm, also heute schaffen wir es wohl nicht mehr, aber ich denke, in den nächsten Stunden halten sie ihr Baby in den Armen!“ Es war 22.40. Wenige Stunden? Unglaublich. Ich spürte, wie mich die Aufregung erfasste. In wenigen Stunden würde ich dich kennenlernen. Ich konnte es kaum erwarten.

Dr. E. fragte mich, ob ich einen bestimmten Wunsch habe, in welchem Kreißsaal ich entbinden wolle. Das hatte ich tatsächlich und ich fragte, ob der letzte Kreißsaal noch frei sei. Ich hatte Glück, der Kreißsaal war nicht belegt. Von der Akkupunktur her kannte ich diesen Raum und ich hatte ihn als wunderschön und sehr beruhigend in Erinnerung. Er war mit einer Wanne ausgestattet, hatte einen Sternenhimmel aus lauter kleinen Leuchtspots an der Decke und war mit Blumen und Ranken im Urwaldstil gestaltet. Als wir hinüberkamen, wollte ich mich direkt auf das Kreißsaalbett legen. Ich habe öfter von Frauen gehört, die keineswegs im Liegen entbinden wollten, aber mir fehlte für alles andere die Kraft. Ich war so erschöpft, dass ich nur liegen konnte. Dr. E. versuchte das Kreißsaalbett herunterzufahren, doch aus irgendeinem Grund funktionierte es nicht. Meine Mutter grinste mir verschwörerisch zu, denn beim Infoabend damals hatte bei Dr. E. auch der Beamer nicht funktioniert „Jaja, mal wieder die Technik“, flüsterte sie. Ich kletterte also mit vereinten Kräften der Ärztin und meiner Mutter auf das Kreißsaalbett. Nebenan konnte man hören, dass die Entbindung in die letzte Runde ging. Ich konnte eine Frau schreien hören. Die hat es bald geschafft, dachte ich. Immer wieder hatte ich Wehen, die ungeheuer schmerzhaft waren.

„Wollen sie denn noch baden? Die Zeit würde sicher reichen, ihnen ein Bad einzulassen!“ Es war komisch, eigentlich hatte ich immer gedacht, gerne in der Wanne entbinden zu wollen, aber die Vorstellung, jetzt im warmen Wasser liegen zu müssen, war mir unerträglich und ich verneinte. Ich spürte einen starken Druck auf meiner Blase und kündigte an, auf die Toilette gehen zu wollen. „Sind sie sicher? Manchmal fühlt es sich auch nur so an, wenn das Kind nach unten drückt!“ -„Ich will JETZT auf die Toilette!“ – die Wehen machten mich wenig diplomatisch, so dass alles eher schroff über meine Lippen kam. Aber ermutlich sind Ärzte und Hebammen daran gewöhnt. Meine Mutter und die Ärztin begleiteten mich zur Toilette und die Ärztin erklärte, die Türe müsse aus Sicherheitsgründen offen bleiben. Meine Mutter kam mit hinein und ich hatte panische Angst, auf der Toilette eine Wehe zu bekommen und diese im Sitzen oder Stehen aushalten zu müssen. Nachdem ich meine Blase entleert hatte, rollte die nächste, unglaublich starke Wehe über mich hinweg. Ich schleppte mich zurück zum Kreißsaalbett und schaffte es erneut irgendwie, mich hinaufzuhiefen.

Die folgenden Erinnerungen unterscheiden sich seltsamerweise zeitlich stark von dem Geburtsbericht, den ich im Nachhinein aus dem Krankenhaus angefordert hatte. Laut Bericht setzten die Presswehen erst gegen 0 Uhr ein und ich hatte auch nur sehr wenige Presswehen. Dies stimmt überhaupt nicht mit meiner Erinnerung überein, nach der ich bereits kurz nach diesem Toilettengang die ersten Presswehen hatte und nach der sich die Presswehenphase wirklich lange hinzog. Da auch einige andere Angaben im Geburtsprotokoll zeitlich einfach nicht möglich sind, nehme ich an, dass die Zeiten nachträglich von der Hebamme eingetragen wurden und daher nicht mit den tatsächlichen Zeiten übereinstimmen.

Als ich wieder auf dem Kreißsaalbett lag, spürte ich, dass die Wehen eine neue Dimension erreicht hatten. Ich war völlig überwältigt und überrascht von dem Schmerz, den ich empfand. So etwas hatte ich noch nie, niemals erlebt. Es war nicht nur so, dass dieser Schmerz stärker war als alles, was ich kannte, es war schlicht und einfach nicht aushaltbar. Es fühlte sich an, als würde es mich umbringen und ich wusste, ich würde diese Wehen nicht eine Minute länger aushalten. Ich kann das nicht! Schneiden sie sie raus! Wir machen einen Kaiserschnitt, ja? Die Ärztin lächelte. Wir machen jetzt keinen Kaiserschnitt, Frau…. Das schaffen sie! Nicht mehr lange und sie haben ihr Baby! Im Nebenraum hörte ich die Frau noch einmal schreien und wenig später ertönte Babygeschrei. Neid durchzuckte mich. Die hat es geschafft, die Glückliche… Wenn ich nur auch soweit wäre, ging es mir durch den Kopf.

Es muss einen Wechsel zwischen Dr. E. und Laura, der Hebamme gegeben haben. Laura fragte mich, ob es in Ordnung für mich sei, wenn wir uns duzen würden. Ich musste grinsen bei der Vorstellung, mir könne das „Du“ einer Frau, die eine derart intime Erfahrung miterleben würde, irgendwie unangenehm sein. Gerne, sagte ich. Bei der nächsten Wehe spürte ich auf einmal einen unbändigen Drang, zu pressen. Da ich bereits gelesen hatte, dass man nicht immer gleich mitpressen dürfe, fragte ich, panisch, weil das Pressbedürfnis so stark war, ob ich mitpressen dürfe. „Darf ich pressen, ja?“ – Laura schaute nach und erklärte, bei der nächsten Wehe dürfe ich mitpressen. Ich erinnerte mich an Gespräche mit Freundinnen, die erzählt hatte, aus Angst vor den Schmerzen nur leicht gepresst zu haben. Das würde mir nicht passieren. Ich wollte so stark wie möglich pressen, um so schnell wir möglich FERTIG zu sein. Um diese grauenhaften Schmerzen zu überstehen und endlich mein Baby bei mir zu haben. Also presste ich. Ich legte all meine Kraft hinein und ich presste wie eine Wahnsinnige. Ich schwitzte wie verrückt. Mit war unendlich warm, die Sweatjacke hatte ich längst ausgezogen.

In jeder Wehenpause reichte mir meine Mutter Wasser, ohne dass ich einmal darum bitten musste. Sie wusste immer, was ich brauchte, wo sie zu stehen und wie sie meine Hand zu halten oder mich anzufassen hatte. Obwohl ich ein sehr körperbetonter Mensch bin, konnte ich während der Wehen manche Berührungen nicht ertragen. Als Dr. E. später einmal mein Bein streichelte, brüllte ich „Finger weg!“ (normalerweise nicht mein Umgangston…), weil mir die Berührung unerträglich war.

Ich tönte während der Wehen. Einmal schrie ich laut, woraufhin mir die Hebamme erklärte, es sei besser, wenn ich diese Energie spare und mich darauf konzentrierte, beim Pressen mitzutönen. Die Wehenpausen waren immer wieder eine Erlösung für mich. Doch dann spürte ich wieder, wie die Wehe heranrollte. Wie große Wellen, die über mich heranbrachen, konnte ich sie von fern erahnen und rasend schnell schlugen sie über mir zusammen. Wie ein ferner Regelschmerz kündigten sie sich an, ehe sie als körperzerreißende Schmerzen über mir zusammenbrachen. Es geht weiter, kündigte ich jedesmal an, woraufhin sich alle wieder in Position brachten, um mir beizustehen und mich anzufeuern. „Los, Frau …, press! Du musst pressen!!!“ brüllte Dr. E. Und bei jeder Wehe presste ich wie wahnsinnig, immer die Hoffnung im Hinterkopf, gleich die erlösenden Worte „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören. Irgendwann rief die Hebamme: „Wir können schon das Köpfchen sehen, die Kleine hat ganz viele dunkle Haare!“ Das sagen sie sicher jeder Frau, um sie bei der Stange zu halten, dachte ich pessimistisch. Ich konnte nicht mehr. Die Presswehen schienen sich ewig hinzuziehen und ich hatte das Gefühl, als ginge nichts voran. Ich war völlig entkräftet und wusste nicht, wie lange ich das noch durchhalten würde. Ich hatte eigentlich erwartet, bei den Presswehen schreien oder schimpfen zu wollen, statt dessen tönte ich immer nur und versuchte, nicht in die Hechelatmung zu verfallen, das diese nicht so gut für das Baby sei, wie mir Laura gesagt hatte. Versuch, tief zu atmen. Gib deinem Baby Sauerstoff, ihr braucht ihn beide. Einzig einmal, bei einer wirklich unerträglichen Wehe, fluchte ich laut: „Fuck!!“ Meine Mutter, die nach eigenen Angaben bei jeder Geburt geschimpft hatte wie ein Rohrspatz, war lustigerweise ganz erschrocken über diesen Ausbruch.

Die Fruchtblase, die nach Angabe Lauras die ganze Zeit zum Zerreißen gespannt war, platzte bei einer der nächsten Presswehen. Ich spürte eine gewisse Erleichterung, während das Fruchtwasser in einem Schwall aus mir herauslief.  Jetzt würde es hoffentlich vorangehen.

„Nur noch ein paar Presswehen und du hast es geschafft“, rief Laura irgendwann enthusiastisch. „EIN PAAR??? Noch so lange???“, fragte ich entsetzt. Laura war überrascht. Sie hatte erwartet, dass mich diese Aussicht erleichtern würde. Statt dessen hatte ich das Gefühl, noch ewig so weitermachen zu müssen.

Zwischenzeitlich hatte ich eine ungewöhnlich lange Wehenpause. Ich war unendlich dankbar über diese Erholungspause und kostete diese Möglichkeit, kurz zum mir zu kommen redlich aus. Mama war jedoch besorgt. Das fauert so lange! Was ist mit dem Baby? Doch dem Olivenkind ging es gut und die Herztöne waren in Ordnung.

Irgendwann verließ Frau Dr. E. den Raum. „Weißt du, was Dr. E. jetzt macht?“, fragte mich Laura. „Sie ruft jetzt Prof. W. an. Der möchte nämlich dabei sein, wenn deine Kleine zur Welt kommt. Das heißt, du hast es bald geschafft! Du bist fast soweit!“ Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Prof. W. langsam aus dem Bett stieg, sich anzog, ins Auto stieg und gemächlich zum Krankenhaus tuckerte. Und so lange würde ich noch warten müssen? Enthusiasmus sah anders aus…  Doch schon ging es  weiter.

Wieder pressen, Frau Dr. E. war zurück. „Ok, Frau …, wir haben ein Problem. Die Kleine stößt immer wieder mit dem Kopfchen an und es geht hier nicht weiter. Damit sie besser durchkommt und alles etwas schneller geht, werde ich jetzt..“ -„MACHEN SIE ES EINFACH! Ich will es nicht WISSEN!!!“ stieß ich hervor. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten sie uns gesagt, der Dammschnitt werde, wenn er denn nötig sei, ohne Vorankündigung durchgeführt, dann spüre man ihn kaum während der Wehe. Nun, ich spürte ihn. Ich hörte das Knacken und spürte das Blut und den Schmerz. Und dann ging es auch schon wieder weiter. Pressen, pressen.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die erlösenden Worte: „Jetzt nicht pressen, warten, warten… Und jetzt schieb! Das Köpfchen kommt!“

Ich presste erneut wie eine Wilde, mit aller verbleibenden Kraft und dein Köpfchen wurde geboren. Eine Freundin hatte mich vorgewarnt, dass Babys oft erst blau werden und nicht gleich zu atmen beginnen. Die Sorge war unbegründet. Noch ehe dein restlicher Körper geboren war, begannst du zu schreien. Mein wildes kleines Mädchen.

Mit der nächsten Wehe kam dann um 00:38 auch der restliche Körper. Man fragte mich, ob ich dich selbst hochnehmen wolle und ich bat darum, mir dich auf den Bauch zu legen. Ich zog mein Top herunter, um dich ganz nahe bei mir zu haben und dann lagst du da. Mit wachen, großen Augen und seidigem schwarzem Haar. Du warst perfekt. Das schönste, wundervollste Gefühl der Welt.

Ein wunderschönes Gesicht, ein kleines rotes Mündchen. Und, die eindrücklichste Erfahrung: dein zarter, babyweicher Rücken unter meinen Händen. Die winzigen perfekten Wirbel und deine Schulterblätter. Ein echter, neuer Mensch. Weicher Babyflaum auf deinen Schultern, Käseschmiere an deinem Rücken und meinen Händen .

00: 38 geboren, gerade mal zwei Stunden nach unserer Ankunft im Krankenhaus. 53 cm groß und 3310g schwer. Mein Wunder. Mein Bauchbaby.

Mein pures Glück.

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