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Posts Tagged ‘Herzmoment’

… das Gefühl, wenn ich dich aus der Kita abholen darf. Als die Erzieherin deinen Namen ruft, kommst du aus dem Spielzimmer. Du siehst mich in der Türe stehen und rennst mit einem Strahlen im Gesicht und lautem „Mamiiii!“ auf mich zu. Am liebsten würde ich fünf Minuten mit dir hier stehenbleiben und dich nur an mich drücken. Deinen Duft riechen und einfach das Gefühl genießen, dich wieder bei mir zu haben. Die Liebe spüren, die mein Herz überflutet. Statt dessen zappelst du los, die Erzieherin berichtet mir, wie lange du geschlafen hast und du und ich, wir diskutieren miteinander, ob Schuhe anziehen/ Jacke anziehen/ nach Hause gehen wirklich nötig ist („NAIIIN!“). Wir ziehen dich an und ich frage, ob du den anderen noch Tschüss sagen möchtest. Du rufst den anderen Kindern ein „Tschüss“ zu, ehe du dich jeder Erzieherin einzeln zuwendest. „Tüss, Dendy! Tüss, Babine! Tüss, Agnes!“- Ich stehe im Flur und platze fast vor Stolz auf dich. Draußen, an der Steintreppe, strecke ich dir meine Hand entgegen und du legst deine hinein. Liebe überflutet mich und ich drücke deine Hand. Es gibt kaum etwas Schöneres als dieses Gefühl, deine kleine, warme Hand so in meiner zu spüren. Voller Vertrauen und Nähe. Auf dem Weg zum Auto erzählst du mir, was du siehst („Oh sau, Mama! Feiawea!“) und berichtest mir kleine Bruchstücke aus deinem Kindergartentag („Linus weinen!“).  Und ich höre dir zu und freue mich unendlich, dich wieder bei mir zu haben.

So ist das wohl, mit Kindern. Dass die kleinen Alltagsdinge manchmal genau die sind, die das Herz zum Überfließen bringen.

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Olivenmund 2

  • Nach den Weihnachtsfeiertagen zu meiner Tante: „Oh, sööne Suhe!“
  • Im Bad, beim Fertigmachen zu mir: „Mama sönes Haare!“ – „Ach danke, Olivchen! Du hast aber auch schöne Haare!“ – Blick in den Spiegel: „Ja!“
  • „Moment, Olibia tommt gleich!“
  • „Mama, was war denn DES??“
  • „Olibia MAG net!“
  • „Ded deht net!“
  • Morgens vor der Kita:  „Nuni (Schnuller) Auto legen, hol ma später wida!“
  • „Ned negnet“ (Es regnet)
  • Mittags, wenn wir nach Hause gehen, wird jede Erzieherin einzeln verabschiedet: „Tüss, Babine! Tüss, Dendy! Tüss, Juja!“
  • „Griffolokind angucken?“
  • „Mama hilf dia!“
  • Abendlicher Dialog: „So, Maus, du darfst dich schonmal ins große Bett legen, ich gehe noch Zähne putzen und komme dann.“ – „Nein! Mama slafen jetzt!“
  • „Hab is lieb, Mama!“
  • „Tullu Titti“ (Hello Kitty)
  • Morgens, an der Türe zu mir: „Sal brauchs noch!“/ „Suhe brauchs noch!“
  • „Sööön, da du da bis, Mama!“
  • Gestern gab es neuen Frischkäse aufs Brot. Nach dem ersten Bissen entsetztes Schaudern. „Was ist denn los? Schmeckt´s dir nicht?“ – Heftiges Nicken: „Net gut!“
  • „In der Reihnachtsbäckerei, iiiiin der Reihnachtsbäckerei…“
  • An Silvester: „So, was machen wir jetzt?“ – „Party mahen!“

 

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Staunen

Derzeit wirklich jeden Tag bringst du mich zum Staunen, kleine Püppi.

Nicht nur darüber, was du alles schon kannst- und das ist wirklich einiges. Nicht etwa darüber, dass ich schon richtige kleine Dialoge mit dir führen kann. Dass du „wenn-dann“ Zusammenhänge ganz oft begreifst (und somit empfänglich für fiese kleine Mama-Bestechungsversuche bist). Dass du es verstehst, wenn ich dir erkläre, dass der Schokomikilaus erst nach dem Mittagessen gegessen wird und so lange auf dem Tisch auf dich wartet („OK! Tüss, Mikilaus!“). Dass du schwierigere Holzpuzzles machst und mich mit deinem Blick für Formen völlig überraschst. Dass du die Freude über deinen Adventskalender auf eine Weise ausdrückst, die ich von einem älteren Kind, aber nie im Leben von einer Zweijährigen erwartet hätte („Mami, Ventskalender haben, ja?“ – „Ja, Maus, wir gehen rüber und du darfst dein Päckchen für heute aufmachen!“ – „Jaa! Ventskalender!“ und fünfmaliges stürmisches Umarmen und Strahlen war deine Reaktion).

Nein, es ist dein oft so einfühlsames und so ungeheuer liebevolles Wesen, das mich immer wieder aufs Neue staunen lässt. Hier zwei Situationen der letzten Tage:

Du lässt dich derzeit oft nur sehr ungern wickeln oder umziehen und zeigst deinen Unmut auch sehr körperlich mit starkem Treten. Ich habe mir angewöhnt, dir dann so ruhig wie möglich zu erklären, dass du nun eine frische Windel/ einen Schlafanzug/… brauchst und dass es mich sehr traurig macht, wenn du nach mir trittst, weil es weh tut. Seit etwa drei Tagen reicht es meist schon, wenn ich deinen Namen sage. Dann hältst du inne, siehst mich an und sagst fragend:“Mama traurig sein?“ Meist nehmen wir uns dann in den Arm und dein Wutanfall ist vergessen. Und mein Herz, das hüpft vor Mamastolz und Freude.

Vergangene Nacht konntest du wegen deines starken Hustens nur sehr schlecht schlafen und weintest und riefst nach mir, bis ich mich mit dir hinlegte. Wir lagen also nebeneinander im Bett, du hattest dich an mich angekuschelt und streicheltest mir durch die Haare, wie du das zum Einschlafen gerne machst. Irgendwann bliebst du mit deinem Finger an einer Strähne hängen und zogst daran. Vor Schreck und weil es weh getan hatte, begann ich ein wenig zu schimpfen („Ach Mensch, das tut mir weh! Pass bitte auf!“). Plötzlich hörte ich dich undeutlich etwas murmeln. „Mäuschen, das hab ich leider nicht verstanden. Was hast du gesagt?“ – „Suligung, Mami! Mami tsuligung“.

Staunen, jeden Tag.

 

 

 

 

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… war heute Morgen Teil deines zweiten Dreiwortsatzes:

„Oibibia Guigoite haben!“

Der erste lautete: „Bibia Bajer tringe!“

Wenn mir vor zweieinhalb Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mich über Sätze wie diese tagelang freuen würde… was hätte ich gelacht 😉

 

 

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Während der Autofahrt rief ich im Kreißsaal an, um uns schon mal voranzumelden und erklärte, dass wir in der nächste Viertelstunde ankommen würden.Zum Glück dauerte die Fahrt von meiner Wohnung zum Krankenhaus unter normalen Umständen nur 5-7 Minuten, so dass wir trotz des Schnees nicht allzulange brauchen würden.

„Wann kommt eigentlich der Zeitpunkt, an dem du Witze machst und mich ein bisschen zum Lachen bringst, wie wir das eigentlich ausgemacht hatten? Nachdem du schon kein Sturm der Liebe mit mir schauen wolltestr?“ fragte ich meine Mutter im Auto. „Bisher musste ich alle Witze selber machen!“ – „Sobald ich weiß, dass wir die Kleine nicht im Auto entbinden müssen, kann ich wieder Witze machen. Aber bis wir im Krankenhaus sind, stehe ich LEICHT unter Strom!!“ Na gut, eben keine Witze unterwegs.

Als wir am Krankenhaus ankamen, hatten die Wehen ein neues Level erreicht. Waren sie zuhause zwar schmerzhaft, aber trotz allem noch aushaltbar gewesen, begann ich nun, jede neue Wehe zu fürchtem, denn ich hatte Angst, es rein kräftemäßig nicht mehr in den Kreißsaal zu schaffen. Wir hielten auf einem der Notfallparkplätze vor dem Krankenhaus und gingen ohne mich anzumelden direkt zu den Fahrstühlen. Vor dem Fahrstuhl kam eine Wehe, die ich kaum veratmen konnte und die uns zeigte, dass es nun wirklich Zeit wurde, oben anzukommen. Am Kreißsaal klingelten wir und nach kurzer Wartezeit streckte eine junge Hebamme den Kopf heraus. „Hallo! Wir haben telefoniert? Können Sie noch ganz kurz warten? Wir sind hier mitten in der heißen Phase unter der Geburt!“ – „NEIN!“, presste ich heraus, während mich die nächste Wehe erwischte. „Okay, einen Moment, ich hole eine Ärztin!“

Wir wurden in ein Untersuchungszimmer geführt, in dem ich bereits zur Akkupunktur gewesen war und eine junge Ärztin, an die ich mich noch vom Infoabend erinnerte, kam herein und fragte, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie mich jetzt untersuchen würde. Klar. Mit Hilfe meiner Mutter legte ich mich hin und zog meine Hose aus, was durch die wirklich schmerzhaften Wehen schwer fiel.

Als ich auf der Untersuchungsliege lag, und die Beine aufstellen musste, merkte ich erst, dass meine Beine so sehr zitterten, dass sie gegeneinander schlugen, Ich schaffte es kaum, sie stillzuhalten. Die Hormone und die Anstrengung, erklärte mir die Ärztin. „Ich möchte eine PDA!“ sagte ich nach einer Wehe. „Ich möchte sofort eine PDA, bitte!“ -„Ich untersuche sie erstmal, dann sehen wir weiter.“ Während die Ärztin das CTG anschloss und mit der Untersuchung begann, erkundigte sie sich, wieso wir nicht schon früher gekommen wären, wo ich doch offensichtlich wirklich starke Wehen hatte. Ich erklärte ihr, dass ich keine Lust hatte, zu den Frauen zu gehören, die mit einem Lächeln und den Worten „Kommen Sie wieder, wenn sie richtige Wehen haben!“ nach Hause geschickt werden. „Ich wollte kein Jammerlappen sein!“ Die Ärztin untersuchte mich. „Also, ein Jammerlappen sind sie nicht und nach Hause geschickt hätten wir sie auf keinen Fall, Frau …. Der Muttermund ist bei 8 cm, das heißt, sie haben die Eröffnungsphase schon fast vollständig geschafft!“ Meine Mutter war fassungslos: „8 cm??? Du bist kein Jammerlappen, du bist eine Heldin!“ Sie hatte glasige Augen und drückte meine Hand ganz fest.

Was mich jedoch am meisten beschäftigte, war die PDA. „Sagen Sie´s nicht,“ sagte ich leicht agresssiv zur Ärztin, „es ist zu spät für eine PDA, oder? Ich seh es ihnen am Gesichtsausdruck an!“ – „Ganz ehrlich, Frau …, eine PDA macht keinen Sinn mehr! Wir sind hier kurz vor der Austreibungsphase und eine PDA würde alles nur verzögern! Und die Hormone, die sie gerade produzieren, sind super für ihr Baby! Bei einer PDA würden diese Hormone nicht mehr ausgeschüttet und das Kind hätte viel mehr Stress. Und außerdem haben Sie es so bald geschafft!“ – „Was heißt bald?“ – „Hm, also heute schaffen wir es wohl nicht mehr, aber ich denke, in den nächsten Stunden halten sie ihr Baby in den Armen!“ Es war 22.40. Wenige Stunden? Unglaublich. Ich spürte, wie mich die Aufregung erfasste. In wenigen Stunden würde ich dich kennenlernen. Ich konnte es kaum erwarten.

Dr. E. fragte mich, ob ich einen bestimmten Wunsch habe, in welchem Kreißsaal ich entbinden wolle. Das hatte ich tatsächlich und ich fragte, ob der letzte Kreißsaal noch frei sei. Ich hatte Glück, der Kreißsaal war nicht belegt. Von der Akkupunktur her kannte ich diesen Raum und ich hatte ihn als wunderschön und sehr beruhigend in Erinnerung. Er war mit einer Wanne ausgestattet, hatte einen Sternenhimmel aus lauter kleinen Leuchtspots an der Decke und war mit Blumen und Ranken im Urwaldstil gestaltet. Als wir hinüberkamen, wollte ich mich direkt auf das Kreißsaalbett legen. Ich habe öfter von Frauen gehört, die keineswegs im Liegen entbinden wollten, aber mir fehlte für alles andere die Kraft. Ich war so erschöpft, dass ich nur liegen konnte. Dr. E. versuchte das Kreißsaalbett herunterzufahren, doch aus irgendeinem Grund funktionierte es nicht. Meine Mutter grinste mir verschwörerisch zu, denn beim Infoabend damals hatte bei Dr. E. auch der Beamer nicht funktioniert „Jaja, mal wieder die Technik“, flüsterte sie. Ich kletterte also mit vereinten Kräften der Ärztin und meiner Mutter auf das Kreißsaalbett. Nebenan konnte man hören, dass die Entbindung in die letzte Runde ging. Ich konnte eine Frau schreien hören. Die hat es bald geschafft, dachte ich. Immer wieder hatte ich Wehen, die ungeheuer schmerzhaft waren.

„Wollen sie denn noch baden? Die Zeit würde sicher reichen, ihnen ein Bad einzulassen!“ Es war komisch, eigentlich hatte ich immer gedacht, gerne in der Wanne entbinden zu wollen, aber die Vorstellung, jetzt im warmen Wasser liegen zu müssen, war mir unerträglich und ich verneinte. Ich spürte einen starken Druck auf meiner Blase und kündigte an, auf die Toilette gehen zu wollen. „Sind sie sicher? Manchmal fühlt es sich auch nur so an, wenn das Kind nach unten drückt!“ -„Ich will JETZT auf die Toilette!“ – die Wehen machten mich wenig diplomatisch, so dass alles eher schroff über meine Lippen kam. Aber ermutlich sind Ärzte und Hebammen daran gewöhnt. Meine Mutter und die Ärztin begleiteten mich zur Toilette und die Ärztin erklärte, die Türe müsse aus Sicherheitsgründen offen bleiben. Meine Mutter kam mit hinein und ich hatte panische Angst, auf der Toilette eine Wehe zu bekommen und diese im Sitzen oder Stehen aushalten zu müssen. Nachdem ich meine Blase entleert hatte, rollte die nächste, unglaublich starke Wehe über mich hinweg. Ich schleppte mich zurück zum Kreißsaalbett und schaffte es erneut irgendwie, mich hinaufzuhiefen.

Die folgenden Erinnerungen unterscheiden sich seltsamerweise zeitlich stark von dem Geburtsbericht, den ich im Nachhinein aus dem Krankenhaus angefordert hatte. Laut Bericht setzten die Presswehen erst gegen 0 Uhr ein und ich hatte auch nur sehr wenige Presswehen. Dies stimmt überhaupt nicht mit meiner Erinnerung überein, nach der ich bereits kurz nach diesem Toilettengang die ersten Presswehen hatte und nach der sich die Presswehenphase wirklich lange hinzog. Da auch einige andere Angaben im Geburtsprotokoll zeitlich einfach nicht möglich sind, nehme ich an, dass die Zeiten nachträglich von der Hebamme eingetragen wurden und daher nicht mit den tatsächlichen Zeiten übereinstimmen.

Als ich wieder auf dem Kreißsaalbett lag, spürte ich, dass die Wehen eine neue Dimension erreicht hatten. Ich war völlig überwältigt und überrascht von dem Schmerz, den ich empfand. So etwas hatte ich noch nie, niemals erlebt. Es war nicht nur so, dass dieser Schmerz stärker war als alles, was ich kannte, es war schlicht und einfach nicht aushaltbar. Es fühlte sich an, als würde es mich umbringen und ich wusste, ich würde diese Wehen nicht eine Minute länger aushalten. Ich kann das nicht! Schneiden sie sie raus! Wir machen einen Kaiserschnitt, ja? Die Ärztin lächelte. Wir machen jetzt keinen Kaiserschnitt, Frau…. Das schaffen sie! Nicht mehr lange und sie haben ihr Baby! Im Nebenraum hörte ich die Frau noch einmal schreien und wenig später ertönte Babygeschrei. Neid durchzuckte mich. Die hat es geschafft, die Glückliche… Wenn ich nur auch soweit wäre, ging es mir durch den Kopf.

Es muss einen Wechsel zwischen Dr. E. und Laura, der Hebamme gegeben haben. Laura fragte mich, ob es in Ordnung für mich sei, wenn wir uns duzen würden. Ich musste grinsen bei der Vorstellung, mir könne das „Du“ einer Frau, die eine derart intime Erfahrung miterleben würde, irgendwie unangenehm sein. Gerne, sagte ich. Bei der nächsten Wehe spürte ich auf einmal einen unbändigen Drang, zu pressen. Da ich bereits gelesen hatte, dass man nicht immer gleich mitpressen dürfe, fragte ich, panisch, weil das Pressbedürfnis so stark war, ob ich mitpressen dürfe. „Darf ich pressen, ja?“ – Laura schaute nach und erklärte, bei der nächsten Wehe dürfe ich mitpressen. Ich erinnerte mich an Gespräche mit Freundinnen, die erzählt hatte, aus Angst vor den Schmerzen nur leicht gepresst zu haben. Das würde mir nicht passieren. Ich wollte so stark wie möglich pressen, um so schnell wir möglich FERTIG zu sein. Um diese grauenhaften Schmerzen zu überstehen und endlich mein Baby bei mir zu haben. Also presste ich. Ich legte all meine Kraft hinein und ich presste wie eine Wahnsinnige. Ich schwitzte wie verrückt. Mit war unendlich warm, die Sweatjacke hatte ich längst ausgezogen.

In jeder Wehenpause reichte mir meine Mutter Wasser, ohne dass ich einmal darum bitten musste. Sie wusste immer, was ich brauchte, wo sie zu stehen und wie sie meine Hand zu halten oder mich anzufassen hatte. Obwohl ich ein sehr körperbetonter Mensch bin, konnte ich während der Wehen manche Berührungen nicht ertragen. Als Dr. E. später einmal mein Bein streichelte, brüllte ich „Finger weg!“ (normalerweise nicht mein Umgangston…), weil mir die Berührung unerträglich war.

Ich tönte während der Wehen. Einmal schrie ich laut, woraufhin mir die Hebamme erklärte, es sei besser, wenn ich diese Energie spare und mich darauf konzentrierte, beim Pressen mitzutönen. Die Wehenpausen waren immer wieder eine Erlösung für mich. Doch dann spürte ich wieder, wie die Wehe heranrollte. Wie große Wellen, die über mich heranbrachen, konnte ich sie von fern erahnen und rasend schnell schlugen sie über mir zusammen. Wie ein ferner Regelschmerz kündigten sie sich an, ehe sie als körperzerreißende Schmerzen über mir zusammenbrachen. Es geht weiter, kündigte ich jedesmal an, woraufhin sich alle wieder in Position brachten, um mir beizustehen und mich anzufeuern. „Los, Frau …, press! Du musst pressen!!!“ brüllte Dr. E. Und bei jeder Wehe presste ich wie wahnsinnig, immer die Hoffnung im Hinterkopf, gleich die erlösenden Worte „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören. Irgendwann rief die Hebamme: „Wir können schon das Köpfchen sehen, die Kleine hat ganz viele dunkle Haare!“ Das sagen sie sicher jeder Frau, um sie bei der Stange zu halten, dachte ich pessimistisch. Ich konnte nicht mehr. Die Presswehen schienen sich ewig hinzuziehen und ich hatte das Gefühl, als ginge nichts voran. Ich war völlig entkräftet und wusste nicht, wie lange ich das noch durchhalten würde. Ich hatte eigentlich erwartet, bei den Presswehen schreien oder schimpfen zu wollen, statt dessen tönte ich immer nur und versuchte, nicht in die Hechelatmung zu verfallen, das diese nicht so gut für das Baby sei, wie mir Laura gesagt hatte. Versuch, tief zu atmen. Gib deinem Baby Sauerstoff, ihr braucht ihn beide. Einzig einmal, bei einer wirklich unerträglichen Wehe, fluchte ich laut: „Fuck!!“ Meine Mutter, die nach eigenen Angaben bei jeder Geburt geschimpft hatte wie ein Rohrspatz, war lustigerweise ganz erschrocken über diesen Ausbruch.

Die Fruchtblase, die nach Angabe Lauras die ganze Zeit zum Zerreißen gespannt war, platzte bei einer der nächsten Presswehen. Ich spürte eine gewisse Erleichterung, während das Fruchtwasser in einem Schwall aus mir herauslief.  Jetzt würde es hoffentlich vorangehen.

„Nur noch ein paar Presswehen und du hast es geschafft“, rief Laura irgendwann enthusiastisch. „EIN PAAR??? Noch so lange???“, fragte ich entsetzt. Laura war überrascht. Sie hatte erwartet, dass mich diese Aussicht erleichtern würde. Statt dessen hatte ich das Gefühl, noch ewig so weitermachen zu müssen.

Zwischenzeitlich hatte ich eine ungewöhnlich lange Wehenpause. Ich war unendlich dankbar über diese Erholungspause und kostete diese Möglichkeit, kurz zum mir zu kommen redlich aus. Mama war jedoch besorgt. Das fauert so lange! Was ist mit dem Baby? Doch dem Olivenkind ging es gut und die Herztöne waren in Ordnung.

Irgendwann verließ Frau Dr. E. den Raum. „Weißt du, was Dr. E. jetzt macht?“, fragte mich Laura. „Sie ruft jetzt Prof. W. an. Der möchte nämlich dabei sein, wenn deine Kleine zur Welt kommt. Das heißt, du hast es bald geschafft! Du bist fast soweit!“ Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Prof. W. langsam aus dem Bett stieg, sich anzog, ins Auto stieg und gemächlich zum Krankenhaus tuckerte. Und so lange würde ich noch warten müssen? Enthusiasmus sah anders aus…  Doch schon ging es  weiter.

Wieder pressen, Frau Dr. E. war zurück. „Ok, Frau …, wir haben ein Problem. Die Kleine stößt immer wieder mit dem Kopfchen an und es geht hier nicht weiter. Damit sie besser durchkommt und alles etwas schneller geht, werde ich jetzt..“ -„MACHEN SIE ES EINFACH! Ich will es nicht WISSEN!!!“ stieß ich hervor. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten sie uns gesagt, der Dammschnitt werde, wenn er denn nötig sei, ohne Vorankündigung durchgeführt, dann spüre man ihn kaum während der Wehe. Nun, ich spürte ihn. Ich hörte das Knacken und spürte das Blut und den Schmerz. Und dann ging es auch schon wieder weiter. Pressen, pressen.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die erlösenden Worte: „Jetzt nicht pressen, warten, warten… Und jetzt schieb! Das Köpfchen kommt!“

Ich presste erneut wie eine Wilde, mit aller verbleibenden Kraft und dein Köpfchen wurde geboren. Eine Freundin hatte mich vorgewarnt, dass Babys oft erst blau werden und nicht gleich zu atmen beginnen. Die Sorge war unbegründet. Noch ehe dein restlicher Körper geboren war, begannst du zu schreien. Mein wildes kleines Mädchen.

Mit der nächsten Wehe kam dann um 00:38 auch der restliche Körper. Man fragte mich, ob ich dich selbst hochnehmen wolle und ich bat darum, mir dich auf den Bauch zu legen. Ich zog mein Top herunter, um dich ganz nahe bei mir zu haben und dann lagst du da. Mit wachen, großen Augen und seidigem schwarzem Haar. Du warst perfekt. Das schönste, wundervollste Gefühl der Welt.

Ein wunderschönes Gesicht, ein kleines rotes Mündchen. Und, die eindrücklichste Erfahrung: dein zarter, babyweicher Rücken unter meinen Händen. Die winzigen perfekten Wirbel und deine Schulterblätter. Ein echter, neuer Mensch. Weicher Babyflaum auf deinen Schultern, Käseschmiere an deinem Rücken und meinen Händen .

00: 38 geboren, gerade mal zwei Stunden nach unserer Ankunft im Krankenhaus. 53 cm groß und 3310g schwer. Mein Wunder. Mein Bauchbaby.

Mein pures Glück.

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Mit einem Kollegen habe ich diese Woche ein etwas seltsames Gespräch geführt. Wir plänkelten ein wenig herum, weil er an diesem Tag früher gehen durfte als ich, woraufhin ich ihm genüsslich meinen freien Tag und die Tatsache, dass ich an zwei weiteren Tagen früher fertig sei, unter die Nase rieb.

Seine Antwort darauf: „Hm, jetzt könnte ich ja gemein sein und sagen Ätsch, dafür hast du ein Kind!“ -“ Jaaaaaaa… ZUM GLÜCK!!“, war meine strahlende Antwort darauf. Ätsch?? Ähm, hallo??? Da ich weiß, dass dieser Kollege Single mit einem eher genuss- und spaßorientierten Leben ist, war mir schon klar, dass ein Kind in seiner Vorstellung wohl eher Ballast sein muss, der die Eltern vom Spaßhaben abhält.  Das war auch an seiner nächsten Frage abzulesen: „Bereust du es manchmal?“- „Niemals. Nicht eine Minute. Sie ist das Beste, was mir je passieren konnte.“ Mehr gab´s dazu nicht zu sagen.

Wer keine Kinder möchte und sich nicht vorstellen kann, ein Kind großzuziehen, der kann auch nicht verstehen, wie wundervoll es ist, Eltern zu sein. So vieles liegt außerhalb der Vorstellungskraft, ist unbeschreiblich und ganz wunderbar. Wenn ich mir überlege, wie mein Leben aussah, ehe ich dich bei mir hatte, muss ich manchmal grinsen. Im Rückblick und im Vergleich zu heute erscheint es mir oft so leer. Was habe ich damals mit all dem Platz in meinem Herzen gemacht, der heute alleine dir gehört?

Meine Süße, als ich noch nicht deine Mama war,

… da hatte ich keinen Schimmer, wie wundervoll es ist, wenn morgens ein kleiner Mensch unter die Decke gekuschelt kommt, seine kleinen Händchen um mein Gesicht legt und „Mama, eia“ flüstert.

… konnte ich nicht einmal ahnen, wie es sich anfühlt, im Dunkeln auf das Geräusch deines Atems zu lauschen und in der Sekunde, in der man nur Stille hört, zu spüren, dass meine ganze Welt an dir hängt.

… da hätte ich nie gedacht, dass ich einmal vor Stolz fast platzen würde, nur weil mein Kind laut „ENDE“ schreit, wenn es auf einem kleinen Bild am anderen Ende des Raumes eine winzige Ente entdeckt.

… da hatte ich keine Vorstellung von der Liebesexplosion in meinem Herzen, wenn lautes Rascheln und das Tapsen von nackten Füßen auf dem Fliesenboden erkennen lassen, dass du  morgens nach wenigen Minuten aufwachst, wenn ich nicht mehr im Bett liege.

… da wusste ich überhaupt nicht, wie schön es ist, wenn du abends nach deinem „Bobbi“ (Schoppi) in meinem Arm langsam in den Schlaf findest.

… da hatte ich völlig vergessen, wie lustig es sein kann, quatschmachend durch die ganze Wohnung zu toben.

… da hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in Begeisterungsstürme, lautes „Jaaa, suuuper!!!!!!!!“, Klatschen und Johlen ausbrechen würde, nur weil mein Kind auf dem Pucky so toll durch die Wohnung rollt/ alleine die große Rutsche runterrutscht/ einen Arm ins T-Shirt steckt (…)

… da wusste ich nicht, wie sehr man jemanden schon in ganz wenigen Stunden vermissen kann.

… da hatte ich noch keine Ahnung davon, wie sehr du mich zum Lachen bringen kannst, wenn du mit dem Zeigefinger wackelst und mit hoher Stimme „Nein nein!“ singst oder  wenn du einen Elefanten siehst und dir (oder auch mir) die Nase zuhältst.

… da wusste ich nicht, wie wunderbar es ist, zum Geräusch deiner Atemzüge einzuschlafen.

Als ich noch nicht deine Mama war, da wusste ich gar nicht, wie sehr man einen anderen Menschen lieben kann.

Es ist so schön, dass es dich gibt!

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Deine Lieblingswörter seit etwa zwei Wochen: bidde und dagee. Manchmal wild durcheinandergemischt, meist aber genau richtig verwendet. Und mir geht das Herz auf, wenn du mit lautem biddeeeeee nach deinem Brot verlangst.

♥ Wenn du mir ein Spielzeug reichst: „bidde“

♥ Abends, wenn ich deinen Schoppi aufwärme und du es mal wieder kaum erwarten kannst: „biddebiddebidde“

♥ Mittags nach der Kita, wenn es mit der „Nanane“ mal wieder nicht schnell genug geht: BIDDEBIDDEBIDDE!!!

♥ Wenn ich dir etwas reiche: „Daggee“ (okay, manchmal auch „bidde“, aber da wollen wir mal nicht so sein ;-))

♥ Wenn du deinen Schoppi fertig getrunken hast, dann schnappst du dir die leere Flasche und streckst sie mir mit einem „dageeee“ entgegen. –  („Danke, sie dürfen dann abräumen. 🙂 „)

Deine „Tante“ M. ist übrigens der Meinung, dies sei nur durch gute Erziehung nach dem Motto „Du bekommst die Brezel, wenn du bitte gesagt hast.“ zu erreichen. Jaaaaaaa, genau…  Thihi.

 

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