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Posts Tagged ‘Internet’

So, jetzt ist es raus. Vielleicht etwas überspitzt und verallgemeinernd ausgedrückt. Richtig müsste es heißen: Warum ich das Urbia-Baby-Forum ganz, ganz grauenhaft finde.

Vorweg sollte ich noch ein paar erläuternde Sätze zu meiner Person sagen. Ich bin ein absoluter Informations-Suchti.

So eine, die vor dem Urlaub sämtliche Reiseführer frisst, um Dinge zu sagen wie: „Da drüben an der Ecke gibt es ein Café, in dem hat schon Mozart gerne seine Sachertorte gegessen. Da könnten wir dann reingehen, wenn wir das Geburtshaus von Blablabla angeschaut haben…“ usw. (Ganz nervig, ich weiß. Selbsterkenntnis…) Eine, die sich stundenlang Testberichte und Amazon-Rezensionen durchliest, um sich über den besten Kindersitz/Staubsauger/Wäschetrockner … zu informieren. Die bei allem Neuen zumindest die Illusion haben möchte, sie könne alles überblicken, was da auf sie einstürmt. (Ich weiß genau, was Sie jetzt denken. Das Wort Kontrollfreak ist mir nicht entgangen!)

Das war bei der Schwangerschaft natürlich nicht anders. Bereits am ersten Tag, dem Tag, an dem die Schneekugel meines Lebens einmal kräftig durchgeschüttelt wurde, versuchte ich im Internet mit dem Suchbegriff „ungeplant schwanger“ auf Gleichgesinnte zu stoßen. Ich weiß nicht, wonach ich dabei suchte und was genau ich zu finden hoffte. Auf eine Anleitung, wie man mit einem solchen Schock, dieser zweiten Linie, die ganz plötzlich alles, alles veränderte, umzugehen hatte, vermutlich. Den Erfahrungsbericht einer Frau, die in genau der gleichen Situation, auf die gleiche unwahrscheinliche Weise wie ich ungeplant schwanger geworden war und mir nun erklären würde, wie ich damit umzugehen hatte und alles zum Guten wenden könne, vielleicht. Welch Überraschung, ich fand nichts dergleichen. Statt dessen fand ich: Urbia. Dass das „Ungeplant schwanger“-Forum keine wirkliche Offenbarung für mich bereithielt, ist nun wirklich nicht überraschend. Doch ich schaffte es schließlich auch ohne virtuelle Hilfe, mich mit meiner Situation zu arrangieren. Und nachdem sich mein persönlicher Status recht schnell von „ungeplant schwanger, ohje“ zu “ huch, da wächst ein Baby in mir, wunderbar!!“ gewandelt hatte, schaute ich auch immer mal wieder gerne im Urbia-Schwangerschaftsforum vorbei. Zwar fast immer nur als „stille Leserin“, aber trotzdem sehr interessiert. Meinem Informationstick kam das natürlich mehr als entgegen: Was muss in die Kliniktasche, was trägt das Baby nachts, wann zum Geburtsvorbereitungskurs anmelden… Alle Fragen, bei denen mir mein kinderloses Umfeld nicht weiterhelfen konnte, waren unkompliziert nachzulesen. Und ich fand es auch immer sehr erfreulich zu sehen, dass andere Frauen sich mit ähnlichen Sorgen und Ängsten herumschlugen, wie ich es tat. Nach der Trennung vom Typ tat es mir sehr gut zu sehen, dass es auch andere gab, die alleine durch eine Schwangerschaft gingen. In völlig anderen Situationen zwar, aber immerhin.

Klingt ja alles noch sehr erfreulich. Wo also ist der Haken? Der kam nach der Geburt. Freudig begann ich im Babyforum mitzulesen, denn auch hier gab es genügend Fragen, die man abends um elf eben nur online recherchieren kann. Und recht schnell fielen mir hier gleich mehrere unschöne Tendenzen auf:  Herumhackerei und Supermüttertum. In diesem Forum voller Mamas schien es tatsächlich nur zwei Typen von Müttern zu geben: diejenigen, die es wagten, Fragen zu stellen und die anderen, die ihnen dafür direkt eins auf den Deckel gaben. Klar gab es einiges, was ungestraft gefragt werden durfte, aber alle halbwegs kontroversen Themen zogen direkt die oben genannten Phänomene nach sich.

Kleine Auswahl gefällig?

Nestchen und Himmel im Babybett. Wer sich dazu bekannte, wurde sofort als Rabenmutter, die wissentlich mit dem Leben ihres Kindes spielt, öffentlich gesteinigt. Dabei genügte es nicht, wenn ein oder zwei Damen anmerkten, dass die Empfehlungen zur sicheren Schlafumgebung von beidem abrieten, sondern es wurde etwa 20 mal in verschiedensten Varianten geschimpft, doziert und gehetzt. Schauerlich.

Mein Kind schläft nachts nicht durch und ich kann nicht mehr. Gibt es ein Buch, das helfen könnte? Unglaublich! Kein Kind sollte im 1. Lebenjahr durchschlafen. Wie kann eine Mutter wagen, über Schlafmangel zu klagen? Dazu mehrere blumige Schilderungen über das eigene Schlafdefizit, das seit Monaten tapfer, durch Mutterliebe mit einem strahlenden Lächeln garniert, ertragen wird.

„Jedes Kind kann schlafen lernen“ Ihr wollt euch mal amüsieren und habt etwas Zeit? Meldet euch im Babyforum an und schreibt einen positiven Bericht über eure eigenen Erfahrungen mit o.g. Buch. Ich bin mir sicher, ihr werdet in kürzester Zeit 50-60 Antworten auf euren Post erhalten. Und zwar vom Feinsten. Einfach mal ausprobieren oder die Suche bemühen. 🙂

Schlafen im eigenen Bett/ Zimmer. Siehe Punkt 1.

Beklagen darüber, dass sich das eigene Kind nicht ablegen lasse. Hier völliges Unverständnis, wieso dies ein Grund zur Klage sein könne. Alle antwortenden Mütter hatten offenbar Freude daran, ihr Kind den ganzen Tag ununterbrochen zu tragen. Geschirr spülen, Boden wischen, Toilettengänge werden durch das gleichzeitige Tragen eines Säuglinges/Kleinkindes/Schulkindes doch erst aufgewertet. Und ersetzen überdies wirkungsvoll die Rückbildungsgymnastik. Oberflächlichkeiten wie Körperpflege, Haarewaschen und Co. müssen selbstverständlich den Bedürfnissen des Kindes untergeordnet und auf die Abendstunden verschoben werden, wenn der Mann zuhause ist. Alleinerziehend?? Selbst schuld, wer lässt sich schon von so nem verantwortungslosen Typen schwängern. Dann werden die Haare eben erst wieder gewaschen, wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist. Als Mama steht man über diesen Dingen. Nicht auszudenken, wenn das Kind vor der Dusche mal zwei Minuten weinen müsste…

Mein Mann hilft kaum mit, seit das Baby da ist. Hier gab es immer zwei Antworttypen, beide gleichermaßen hilfreich. Typ 1: Wie, dein Mann hilft  nicht mit? Also, mein Mann macht die ganze Wäsche, wickelt unseren Schnuckiputz immer, steht jede Nacht auf und massiert mich abends noch in den Schlaf. Er trägt mich auf Händen seit das Baby da ist und tut alles für uns. Hach, ich habe den tollsten Mann der Welt. Typ 2: Tja, da biste wohl selbst Schuld. Wer lässt sich denn von so nem Typen ein Kind anhängen? Das hättest du ja wohl vorher schon ahnen müssen. Wie doof.

Ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Um eins klarzustellen: Ich habe nie eines der oben genannten Themen zur Diskussion gestellt. Dies ist keine „Abrechnung“. Und es gibts einige Themen, bei denen ich in der Sache hätte zustimmen können. Teilweise. Auch ich finde es wichtig, ein Kind viel zu tragen. Mein Kind wurde gestillt, schläft  noch immer mit mir im Bett und ich habe nach dem sechsten Monat mit der Beikost angefangen. Aber: ich finde nicht, dass es Aufgabe anderer Mütter ist, darüber zu urteilen, wie diese oder jene Mama ihren Job macht. Ein Diskussionsforum sollte dem Austausch dienen. Da sollten sich Mütter gegenseitig den Rücken stärken. Sich Mut machen und Tipps geben, statt sich auf Kosten anderer groß zu machen und zu profilieren. Mensch, Mädels! Habt ihr das wirklich nötig? Wie klein müssen manche Frauen zuhause sein, um sich auf diese Art besser zu fühlen? Es macht mich wütend, dass junge Frauen, die sich nicht auskennen, überfordert und fertig mit den Nerven sind, nicht unterstützt werden, wenn sie Probleme mit der Mutterrolle, dem Schlafmangel oder dem Klettbaby im neun-Wochen-Schub haben. Manches lässt sich nicht weglächeln. Manches muss ausgesprochen oder geschrieben werden. Manchmal helfen ein paar aufmunternde Worte weiter, geben Kraft für einen weiteren Tag, die nächste Nacht. Vor allem beim ersten Kind. Und wer sollte das besser verstehen als andere Mütter?

Mehr Solidarität unter Frauen wäre schön. Zusammenhalt statt Hackerei.

Schade, dass das in der Anonymität des Internets vielen so schwer zu fallen scheint.

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