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Posts Tagged ‘Rituale’

Mein Mädchen,

heute vor 18 Monaten lag ich im Kreißsaal und war noch etwas mehr als eine Stunde davon entfernt, dich kennenzulernen. Es war die schlimmste, anstrengendste Phase dieser Geburt. Presswehen, immer wieder Presswehen und nichts tat sich, so schien es mir. Immer wieder wartete ich darauf, das erlösende „Jetzt kommt das Köpfchen“ zu hören, aber das sollte noch eine ganze Weile dauern…

Achtzehn Monate, eineinhalb Jahre. Eine kleine Ewigkeit. Wie lange das her ist, wurde mir gestern klar, als wir uns mit deiner frischgeschlüpften Großcousine zum Spazierengehen trafen. Fünf Wochen ist sie alt und lag friedlich schlafend und winzigklein in ihrem Wagen. Und daneben du, mein großes, großes Mädchen.

Du bist gerade etwa 82 cm groß und wiegst ca 10 Kilo. Das ist gar nicht so schwer, wenn man bedenkt, dass du am Liebsten den ganzen Tag lang essen würdest.. Morgens in der Kita bist du zufrieden, wenn du mit deiner Vesperbox in den Frühstücksraum marschieren darfst. Mittags beim Abholen höre ich meist „Sie hat wieder 2 (3) Portionen gegessen!“. Und zuhause ist das erste, was ich von dir höre: „NANANE!!“ – in einem Kasernenbefehlston, der mich immer wieder zum Lachen bringt. Meist isst du also eine Banane oder ein Müsli mit Erdbeeren und Banane. Gehen wir noch in die Stadt, so isst du dort noch ein Einback oder ein Rosinenbrötchen und abends oft noch ein oder zwei Brote und eine Tomate. Wenn du zuhause ferühstückst, dann dürfen es gerne zwei bis zweieinhalb Brote sein (das esse ich auch!). Du siehst, wenig ist das nicht 😉

Es gibt fast nichts, was dir nicht schmeckt und das ist wirklich toll. Es macht darum auch riesigen Spaß, für dich zu kochen und dir Neues anzubieten, denn du probierst ganz furchtlos und spuckst nur selten etwas aus.

Was du am liebsten isst und trinkst: Pfannkuchen, Reis-Gemüse-Pfanne, Spätzle, Spargel, Bananen, Marmeladenbrote, Erdbeeren, Trauben, Tomaten, Karotten, frischgepressten Orangensaft, Wasser, deinen Schoppi, Apfelsaftschorle, Rotbäckchensaft…

Dass du trotz deiner Esserei doch recht zart bist, liegt sicher daran, dass du ein solcher Wirbelwind bist. Kleine Maus, manchmal wünschte ich mir wirklich, du könntest einmal für fünf Minuten still sitzen. Vielleicht ein Buch mit mir ansehen oder ein Puzzle machen. Aber von wegen. Action, action, action. Es gibt Tage, da bist du pausenlos in Bewegung, wie aufgezogen. Da wird überall gesucht, entdeckt und ausprobiert. Schranktüren geöffnet, Schubladen aufgezogen, Bücher aus dem Regal geworfen- das volle Programm eben.

Im Moment ist zu meinem Leidwesen dein liebstes Spiel, auf der Couch zu hüpfen zu klettern und sich über irgendwelche Kissen zu werfen. Dabei bist du so wild und ungestüm, dass ich nur darauf wartem dass du irgendwann herunterfällts. Und zwar mit Schwung. Heute war ich glücklicherweise daneben und konnte dich gerade noch festhalten, als du mit dem Gesicht voran hinbter einem Kissen her rutschtest. Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, wie dein Gesichtchen sonst ausgesehen hätte. Ich versuche immer wieder, dir beizubringen, dass auf der Couch nicht gehüpft wird, aber das ist schwierig. Denn du scheinst mein Schimpfen und ernstes „Nein“überhaupt nicht als erst zu empfinden, sondern kreischst und lachst meist vor Vergnügen und kriegst dich kaum noch ein. Ich hoffe sehr, ich finde einen Weg, dir das klarzumachen, ehe du wirklich einmal von der Couch fällst.

Furchtlos bist du nicht nur zuhause, auch auf dem Spielplatz tobst du wie eine Große. Diese Woche bist du zum ersten Mal alleine gerutscht und hast durch stundenlanges „Üben“ auch entdeckt, wie du am besten alleine die Leiter zur Rutsche bezwingst. Auch die Schaukel liebst du sehr und manchmal, wenn ich ganz viel Glück habe, kannst du auch versunken eine Weile mit deinem Eimerchen, Schäufelchen und Förmchen im Sand spielen und ganz ruhig sitzenbleiben. Manchmal…

Beim Spielen zuhause liebst du vor allem deine Puppen. „Pubba, Pubba“, höre ich immer wieder und oft muss die kleine Puppe, deine Mimi, auch mit ins Bett. Tagsüber wird sie im Puppenwagen umhergefahren, geküsst, mit „Eias“ bedacht und darf „Backe backe“ machen, wobei du sie in die Hände klatschen lässt. Richtige Mädchenspiele eben ;-). Neben den Puppen ist jedoch vor allem der „Baj“ angesagt. Du liebst Bälle und entdeckst sofort, wenn irgendwo einer herumliegt. Und du spielst auch ganz toll mit ihnen, kickst wie eine kleine Fußballerin, im Stand, aus dem Laufen und mit richtig viel Schwung. (Und wenn du ein „Tor“ schießt, klatschst du dir selbst Applaus. 😉 ). Wer weiß, wie sich das noch entwickelt… 😉

Deine Sprachentwicklung hat in den letzten Wochen einen riesigen Sprung gemacht. Auf Fragen kannst du mit Ja oder Nein antworten, du verstehst vieles und kannst langsam einige der Gegenstände um dich herum benennen. Eine Auswahl:

dinda – trinken

Booo – Brot

Nunu – Schnuller

biddee – bitte

dangeee – danke

ja

nei/ nein

allo – Hallo

dada – tschüss

Wawa – Hund

MMa – Oma

Tande – Tante

Buba – Opa

Dinda –  Kinder

Mama

Papa

Miau – Katze

Pubba – Puppe

Bajj – Ball

Bambampe – Bauchnabel

Nanane – Banane

Waaah – Tiger, Löwe

Muh – Kuh

Mäh – Schaf

Uume – Blume

Bam – Baum (kurioserweise auch Leberfleck, Mamas B.rust und Bauch)

Am – Arm (als Antwort auf die Frage “Willst du auf den Arm?)

Running Gag ist nach wie vor der “Küsschen – Dialog” : “Kriegt die Mama (der Opa, die Oma…) einen Kuss?” – “NEINNN!”. Lustigerweise bist du bei anderen Kindern, Puppen und Spielzeug eine große Küsserin und auch ich muss den Lieblingsspielsachen immer wieder meine Liebe beweisen. Mehrmals am Tag streckst du mir kleine Legotiere, Stofftierchen oder Pubbas entgegen, damit ich sie küsse oder “Eia” mache. Zum Glück bekomme ich mein tägliches Küsschen beim Verabschieden in der Kita und wenn ich viiiiiel Glück habe, streckst du mir auch mal am Nachmittag dein kleines Schnütchen entgegen und gibst mir einen Schmatz.

Leider ist das Schlafen tagsüber gerade ein wenig problematisch. Du schläfst zwar nach wie vor alleine ein, wachst aber nach ca. 40 Minuten wieder auf. Und das ist zu wenig für uns beide. Du wirst unheimlich früh wieder müde und möchtest am liebsten um 18 Uhr wieder schlafen und ich schaffe es in dieser Zeit kaum, das Chaos in der Wohnung zu lichten, geschweige denn mal ein paar Minuten für mich zu haben. Hoffentlich pendelt sich das wieder ein, wenn morgen wieder die Kita beginnt.

Was sich in den letzten Wochen definitiv weiterentwickelt hat, ist dein eigener Wille. Nicht, dass du den nicht schon vorher gehabt hättest, aber er äußert sich nun auch gerne mal in einem handfesten Trotzanfall. Von auf-den-Boden-werfen bis hin zu steif-machen-und-schreien ist wirklich alles dabei. Treten, heulen, weinen… Das Wickeln artet oft in riesiges Geschrei aus, das die Nachbarn sicher vermuten lässt, du würdest gerade geschlachtet. Ääähm, nö, eigentlich nicht. Besonders nach anstrengenden Kita und Spielplatztagen bist du abends oft richtig müde und fertig, was die Stimmung beim Wickeln und bettfertig machen nicht gerade verbessert. Dann kann es schonmal vorkommen, dass du das gesamte Fertigmachen über durchbrüllst. Und ich gebe zu, manchmal möchte ich einfach mitbrüllen oder antworte schon mal mit einem gereizten “Das Windelwechseln mach MIR gerade auch nicht mehr Spaß als dir, das musst du nicht meinen!!”. Mamas sind eben auch nur Menschen.

Zum Glück bessert sich die Laune beim anschließenden Booo essen und dem Schoppi immer wieder, so dass unsere Abende immer sehr ruhig und schön ausklingen. Den Schoppi trinkst du immer auf einem Kissen auf der Couch, über die ich dann immer eine kleine Decke lege, falls mal etwas Milch danebenläuft. Seit du selbst auf die Couch klettern kannst, kommt es schon mal vor, dass du bereits rüberläufst, die Decke ausbreitest und dich bereits in Position begibst, während ich die Milch warmmache. Beim ersten Mal habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich dich da liegen sah!

Nach dem Schoppi bekommst du deinen Schnuller und dann liegst du noch eine Weile bei mir, den Kopf in meine Halsbeuge gekuschelt und döst vor dich hin oder schläfst schon mal ein. So sitzen wir dann und können beide zur Ruhe kommen. Später trage ich dich dann in dein Zimmer. Bist du noch wach, dann beten wir, ich decke dich zu und sage dir gute Nacht. Und wenn ich dann später ins Bett gehe, dann hole ich dich rüber ins große Bett. Erstens ist es einfach schön, dich bei mir zu haben, zum anderen erleichtert es das nächtliche Schnullersuchen oder das Trösten nach einem schlechten Traum unheimlich, denn so schläfst du ratzfatz wieder ein und in vielen Nächten weiß ich hinterher gar nicht, ob du überhaupt einmal wachwurdest, weil wir so schnell wieder eingeschlafen sind.

Während ich gestern abend diesen Eintrag schrieb, hörte ich dich plötzlich aus dem Babyphone weinen. Ich ging schnell hinüber in dein Zimmer und fand dich weinend im Bett sitzen. Als ich dich aus dem Bettchen hob, wirktest du völlig wach und wolltest dich auch nicht wieder hinlegen lassen. “Nein, nein!” war die entschiedene Reaktion auf meine Versuche. Also nahm ich dich mit hinüber und legte dich ins mein Bett. Das war ok, jedoch nur, solange ich daneben lag. Als ich vorsichtig aus dem Schlafzimmer schlich, um die Lichter ausschalten und mich bettfertig machen zu gehen, hörte ich es hinter mir sofort rascheln und tapsen- du kamst hinterher. Na gut, nahm ich dich eben mit (auch wenn ich befürchtete, du könntest so wach werden, dass die nächsten Stunden an Schlaf nicht mehr zu denken sei…). Gemeinsam machten wir die Lichter aus und gingen ins Bad, wo ich mich fertigmachte und dir noch eine frische Windel verpasste. Dann legten wir uns gemeinsam ins Bett. Im Dunkeln konnte ich die Digitalanzeige des Videorecorders sehen. 00:30. Während du auf mich klettertest und deinen Kopf in meine Halsbeuge legtest, erzählte ich dir, dass 18 Monate zuvor gerade die allerletzten Minuten deiner Geburt angebrochen waren. Ganz still lagst du da und hörtest mir zu. Und so kam es, dass wir um 00:38 Uhr, auf die Minute genau 18 Monate, nachdem du geboren und mir auf die Brust gelegt wurdest, beieinander lagen wie damals. Ganz still und friedlich und voller Liebe.

Mein Mädchen. Zum 18-Monatsgeburtstag wünsche ich dir alles Gute und gebe dir einen dicken Kuss.

Ich liebe dich, mein Schatz!

Deine Mama

 

 

 

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Heute, beim Putzen, fiel mir auf, dass die Tage beim Herzensmädchen und mir nach einem weitgehend gleichen Schema ablaufen. Klar machen wir nicht jeden Tag dasselbe. Mal haben wir ein Spaziergangsdate, mal Babyschwimmen, mal gehn wir einkaufen, die Oma besuchen und, und, und… Aber das Drumherum, das „Gerüst“ der Tage, ähnelt sich doch sehr.

Dass Rituale für Kinder jeden Alters gut und wichtig sind, weil sie Vertrautheit und Halt bieten, ist mir schon berufsbedingt bewusst. Was mich jedoch immer wieder amüsiert ist, wie angenehm und „tröstlich“ diese gleichbleibenden Abläufe auch für mich  sind.

Das beginnt schon morgens, wenn ich von einer kleinen Schmuse- oder Zupfpüppi geweckt werde. An besonders guten Tagen sehe ich beim Aufwachen ein strahlendes Schnullerlächeln, das über mein Gesicht gebeugt auf mich herabschaut und seine Wange an meine drückt. An normal guten Tagen wird neben mir erzählt und das Schmuseschaf geknetet (manchmal auch mein Gesicht/Haar/Schlafshirt), bis ich ENDLICH wach bin. Je nach Laune der Minimadame wird dann noch ein wenig gekuschelt oder Spaß gemacht, ehe sie im Bett ihr Morgenfläschchen trinkt. Meist bin ich dann soweit wach, dass ich mich in der Lage sehe, das Bett zu verlassen (wenn nicht: Pech gehabt) und wir stehen auf. Da Püppichen durch den Schoppi erstmal zufriedengestellt ist, legt sie eine Laufstallrunde ein, während ich in aller Ruhe frühstücke, Käffchen trinke und langsam zu mir komme. Nun geht´s ab ins Badezimmer, wo ich je nach Laune alleine duschen und mich fertigmachen darf , während im Laufstall alle Stofftiere eingehend untersucht, Knisterbücher studiert und sämtliche selbstkreierten Wörter im Flüsterton wieder und wieder geübt werden. Hat sie darauf keine Lust, gehts direkt mit Mama ins Bad, wo wir Mädels uns erstmal tagfein machen- schminken, Haare, Nägel, ihr wisst Bescheid…

Nach dem Fertigmachen ist Frühstück für die Minimadame angesagt, was bedeutet, dass mit begeisterter Hingabe 30-45 Minuten lang Marmeladenbrotreiterchen geknetet, zerpflückt und genießerisch in den Mund (manchmal auch in Mamas) gesteckt werden. Der Brotbelag ist dabei nicht nur auf dem Tischchen des Hochstuhls, sondern auch auf Händen, Ärmeln, Wangen und in den Haaren zu verteilen, sonst denkt Mama nämlich, es habe nicht geschmeckt.

Als Erholung vom Essen gibts dann erstmal ein Schläfchen, während ich mit dem Hochdruckreiniger den Hochstuhl saubermache und mich meiner Freizeit dem Haushalt widme. Dann wird hier gespielt, eingekauft und Haushaltsscheißkram erledigt, ehe wir uns ans Mittagessen und den darauffolgenden Mittagsschlaf machen.

Nachmittags spielt sich die Action eher außerhäusig ab, so dass wir fleißig frische Luft (oder wie diese Woche einen Glühwein, *hüstel*) schnappen und uns Appetit fürs Abendessen holen können.

Ja, und wenn es dann Abend wird, dann kommt es, mein absolut liebstes Ritual im Alltag mit dem Herzensmädchen. Wenn nach dem Fertigmachen ein cremeglänzendes Püppichen mit roten Müdigkeitsbäckchen im Hochstuhl nach ihrem Brei verlangt, diesen in einem Affenzahn verschlingt, um anschließend mit mir auf die Couch umzuziehen. Dort sitzen wir, die Maus trinkt ihr Fläschchen und ich sitze dabei, streichle ihr Bäckchen, ihre Locken und spüre, wie wir beide ruhiger werden. Dann, wenn das Fläschchen fast leer und mein Mädchen satt ist, schnappt sie ihren Schnuller, setzt sich auf und krabbelt auf meinen Schoß. Und genau in diesem Moment beginnt er für mich, der schönste Teil des Abends. Den Kopf an meine Schulter geschmiegt, liegt mein kleines Energiebündel dann ganz ruhig auf mir, murmelt ab und an noch ein wenig vor sich hin und wird langsam ganz entspannt. Manchmal sieht sie auf, um in mein Gesicht zu fassen und mich anzusehen, aber meist liegt sie einfach ganz ruhig da. Tankt Mamanähe, Wärme und Ruhe. Und ich spüre, wie die Anspannung des Tages von mir abfällt und ich einfach genieße, meiner kleinen Zappelmaus für eine Weile ganz nahe sein zu dürfen. An manchen Abenden schläft sie nach einer Weile einfach ein und ich trage das kleine große Mädchen hinüber in sein Bett. An anderen Abenden wird sie irgendwann wieder ein wenig zappelig, was für mich das Zeichen ist, sie nun in ihr Bett zu bringen. Doch egal wie, fest steht, dass diese Minuten zu den Schönsten meines Tages gehören, die mir so unendlich viel geben. Ich hoffe, dass wir dieses Ritual noch möglichst lange beibehalten, das Herzensmädchen und ich.

Herzmomente eben. Pures Glück.

Und bei Euch so? Verratet ihr mir eure Lieblingsrituale?

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